Kreis Kaiserslautern Nächster Halt: „Ramstein-Kreuzhof-Bahn“
Große und kleine Eisenbahn-Fans konnten die Miniaturobjekte ihrer Sehnsucht in allen Formen und Ausführungen am Sonntag von 11 bis 16 Uhr im Ramsteiner Haus des Bürgers anschauen und kaufen. Dort gab es wahre Schätze der Modelleisenbahn-Szene und dankbare Gesprächspartner.
Ganz langsam rollt die knallrote Diesellok mit der gleichfarbigen Wagenreihe auf gerader Strecke vorwärts und kommt mit einem leisen Ruck zum Stehen. Über der schwarzen Schürze des Fahrgestells sitzt die Kabine in grellem Rot. Im V-förmigen Ausschnitt des Aufbaus prangt abweisend mattiert die Frontscheibe in spannungsreichem Bogen nach oben hin gewölbt. Die weit auseinanderliegenden Scheinwerfer knapp darunter strahlen ziemlich aggressiv das moderne bläuliche Licht aus. Dann kommt Bewegung in die Fahrtrichtungstafel oberhalb der Frontscheibe. Digital gesteuert huschen kryptische Wortfetzen über die orangefarbenen Lichtpunkte der Anzeige. Dann endlich steht dort klar lesbar: „Ramstein-Kreuzhof-Bahn“. Auf die Bitte von Manfred Küster hin hat einer der Mitarbeiter mittels einer Fernbedienung diese „Fahrtrichtungs-Anzeige“ auf der Front des Modellbahnzuges der sogenannten „Lehmann-Garten-Bahn“ eingestellt. Inmitten einer solchen Modellanlage thront Küster, der „Erfinder der Modelleisenbahnbörse“ auf der Bühne über dem Ausstellungsraum im Ramsteiner Haus des Bürgers. „Die Börse habe ich übergeben“, erzählt Küster. „Die Gartenbahn-Anlage hier auf der Bühne, das machen wir aus reinem Pläsier für die Kinder“, stellt der Ober-Modellbauer fest. Und deutet anschließend noch auf drei Lokomotiven, die neben dem Schienenstrang stehen. „Die hat unser Modellbau-Spezialist Marc Aranyossy gebaut“, sagt Küster. Eine der Lokomotiven schimmert noch in einem unfertig wirkenden Kupferton. „Jedes Jahr versteigern wir eines dieser Modelle zugunsten der Initiative für krebskranke Kinder“, verkündet Küster stolz. Im Ausstellungsraum selbst, ein Stockwerk tiefer, reiht sich ein Verkaufstisch an den anderen. Auf den einzelnen Tischen liegen aufgereiht die unübersehbar vielen Modelleisenbahn-Schätzchen. An einzelnen Stars bleibt der Blick unweigerlich hängen. Da funkelt matt die schwere Schnellzuglokomotive in ihrem schaumstoff-gepolsterten Futteral. Die Zugmaschine aus der Baureihe 39 ist das Urbild der klassischen Dampflokomotiven. Tiefschwarz und elegant wirkt der langgezogene Aufbau mit seiner Vielzahl außenliegender Leitungen wie der angespannte Körper eines sprintenden Leistungssportlers. Scharf abgesetzt darunter das leuchtend rote Fahrgestell. Die großen Speichenräder werden streng geführt von den für den Laien verwirrend geführten Antriebsstangen mit ihren metallisch blitzenden Kupplungsstücken. Für die Besucher ist es angenehm, dass sie diese Prachtstücke ungestört und in aller Ruhe betrachten können. Der Andrang auf der von den „Modellbaufreunden Westpfalz“ veranstalteten „Modelleisenbahn- und Spielwarenbörse“ ist am frühen Nachmittag noch nicht so überwältigend. „Modelleisenbahn – das war einmal“, sagt Peter Wucher mit Bedauern. Gemeinsam mit seiner Frau Melitta präsentiert er an seinem Verkaufsstand Lokomotiven, Güter- und Personenwagen sowie Zubehör für den Modelleisenbahn-Bau. Seit Jahren sind die beiden mit ihrem Angebot in Zweibrücken und Ramstein unterwegs. „Aber der Verkauf läuft immer schlechter“, klagt der Standbetreiber. „Wenn ich nur die Stücke zusammenpacken würde, die ich heute verkaufe, dann würde ein kleines Päckchen ausreichen“, schätzt Wucher. „Die Sache hier ist nur ein etwas erweitertes Hobby. Leben kann man davon nicht. Vor allem wenn die Standgebühr von etwa 50 Euro mitberechnet wird“, erklären die Eheleute. Aber aufgeben wird er nicht, sagt Wucher tapfer. Immer wieder kämen Kollegen und Freunde auf ihn zu, deren Modellbau-Sachen er verkaufen solle. „Und außerdem muss auch die eigene Anlage noch laufend ergänzt werden“, resümiert er.