Kaiserslautern / Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Mordprozess: Ermittler berichten von dubiosen Geschäften

Hat sich der Angeklagte auch der Steuerhinterziehung im großen Stil schuldig gemacht?
Hat sich der Angeklagte auch der Steuerhinterziehung im großen Stil schuldig gemacht?

Der Sembacher Mordprozess gegen einen Mann aus der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn ist vor dem Landgericht Kaiserslautern mit weiteren Zeugenvernehmungen fortgesetzt worden. Unter anderem ging es um die finanziellen Verhältnisse des Angeklagten, der offenbar auch in dubiose Geschäfte verwickelt war.

Dem Mann legt die Staatsanwaltschaft den Mord an seiner Ehefrau sowie einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zur Last. Am 23. Februar soll er in Sembach das Auto seiner Frau absichtlich angefahren und sie hernach mit zahlreichen Pistolenschüssen getötet haben. Er zeigte sich in der Hauptverhandlung geständig.

Am fünften Verhandlungstag vernahm das Gericht zunächst einen Polizeibeamten zu den finanziellen Verhältnissen des Angeklagten. Der Ermittler berichtete, dass der Rechtsanwalt der getöteten Ehefrau Ende September 2022 Anzeige gegen den Angeklagten wegen Betruges und Steuerhinterziehung erstattet habe. Sie selbst habe bekundet, dass über eine Firma ihres Mannes eingegangene Gelder für nicht erbrachte Leistungen abgerechnet und bezahlt wurden; diese seien dann ins Ausland transferiert worden und von dort aus wieder zurückgeflossen und zwischen ihrem Mann und einem Geschäftspartner aufgeteilt worden.

Abhöranlage in Auto installiert

Sie habe auch berichtet, dass sie eine Abhöranlage in einem Auto, das der Angeklagte nutzte, installiert und so Gespräche zwischen ihrem Mann und dem Geschäftspartner mitgeschnitten habe. Als Grund für das Abhören der Gespräche habe sie angegeben, dass sie Angst gehabt habe, ihr Mann könne jemanden aus ihrem Heimatland beauftragen, sie umzubringen. Bei ihrer Vernehmung habe sie aber nicht angegeben, von ihrem Mann bedroht zu werden, so der Ermittler weiter. Deshalb seien auch keine Schutzmaßnahmen getroffen worden.

Die weiteren Ermittlungen hätten ergeben, dass nach außen hin „alles sauber“ abgelaufen sei. Die vom Angeklagten beherrschte Firma, die die Rechnungen an den Geschäftspartner gestellt habe, habe aber offensichtlich keine Leistungen erbracht. So habe jegliches Material für entsprechende Arbeiten gefehlt. Er habe Barabhebungen von monatlich 70.000 Euro festgestellt, so der Beamte. Insgesamt seien 1,44 Millionen Euro aufgeteilt worden. Auch auf ein Konto der Ehefrau des Angeklagten sei Geld geflossen: 92.000 Euro im Jahr 2018. Bei der Firma seien zudem auch Rechnungen aus dem Heimatland der Frau eingegangen. Die Räume des Geschäftspartner habe die Polizei inzwischen durchsucht. „Dabei wurden 200.000 Euro in bar gefunden worden.“ Die weiteren Ermittlungen liefen nun primär über die Steuerfahndung.

„Einvernehmliche Trennung“ von ersten Frau

Die erste Ehe des Angeklagten sei gut gelaufen, berichtete ein Polizeibeamter von der Vernehmung der früheren Ehefrau des 57-Jährigen. Diese habe angegeben, dass der Angeklagte zwar bestimmend, aber nicht gewalttätig gewesen sei. „Er war ein Macher“, so habe sie ihren Ex-Mann charakterisiert. Mit der Zeit habe man sich aber auseinandergelebt und nach einem „Männertrip“ ihres Ehegatten ins Ausland, Anfang 2007, einvernehmlich getrennt.

Weitere Beamte berichteten dem Gericht von diversen Strafanzeigen, die die später getötete, zweite Ehefrau gegen den Angeklagten gestellt habe: wegen Beleidigung und Bedrohung, nachdem dieser Anfang Februar 2023 vor dem von ihr bewohnten Haus gestanden und laut „Kurba“ (serbisch für Hure) und „Ich mach dich kaputt“ gerufen habe. Außerdem zeigte sie ihn wegen Verstoßes gegen ein vereinbartes Annäherungsverbot, wegen Hausfriedensbruchs und Unterhaltspflichtverletzung zum Nachteil ihres gemeinsamen Sohnes an. Als die Polizei den Mann daraufhin aufgesucht habe, sei dieser aufgebracht gewesen und habe erklärt, kein Geld zu haben.

Kleine Pistole in Nebengebäude gefunden

Schließlich berichtete ein weiterer Polizeibeamter vom Fund einer kleinen Pistole, die der Betreuer des Sohnes bei der Suche nach Spielzeug in einem Nebengebäude des zuletzt von der Getöteten bewohnten Hauses entdeckt hatte. „Dabei könnte es sich um eine Damenwaffe handeln“, merkte der Vorsitzende Richter an.

Die Beweisaufnahme wird in der kommenden Woche fortgeführt.

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