Kaiserslautern / Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Mordprozess: Angeklagter gibt Tat zu

Vorwürfe bestätigt: Der Angeklagte im Sembacher Mordprozess lässt von einem seiner Verteidiger seine Sicht des Tattages schilder
Vorwürfe bestätigt: Der Angeklagte im Sembacher Mordprozess lässt von einem seiner Verteidiger seine Sicht des Tattages schildern. Das Bild zeigt den Prozessauftakt.

Viel Wut hat sich im Angeklagten im Sembacher Mordprozess aufgestaut. Über seinen Verteidiger äußerte er sich vor dem Landgericht Kaiserslautern zu der ihm vorgeworfenen Tat. Und er gab Einblicke in seine Ehe, um die es offenbar nicht zum Besten gestanden hat.

Am dritten Verhandlungstag gegen einen Mann hat sich der Angeklagte über einen seiner Verteidiger zur Sache eingelassen. Dabei gab er unumwunden zu, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft, nämlich seine von ihm getrennt lebende Ehefrau am Morgen des 23. Februar durch zahlreiche Pistolenschüsse getötet zu haben, nachdem er zuvor absichtlich deren Auto gerammt hatte.

Er habe seine Frau 2007 während eines Urlaubs in ihrem Heimatland kennengelernt, wo sie als Prostituierte gearbeitet habe, ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger wissen. Dabei habe er sich in sie verliebt und sie hätten ein Jahr später geheiratet. Die Ehe sei anfangs harmonisch verlaufen. Ein gemeinsamer Sohn sei zur Welt gekommen. Für den Unterhalt der Familie sei er allein aufgekommen. Auch ihre Herkunftsfamilie habe er unterstützt und sei zu diesem Zweck oft ins Ausland gefahren. Den Kontakt zu seinem eigenen Vater und seiner Tochter aus erster Ehe habe er hingegen auf Verlangen seiner Frau abbrechen müssen.

Neustart geplant

2021 hätten sie geplant, in das Heimatland der Frau auszuwandern, um sich eine neue Existenz aufzubauen. Er habe Eis aus mobilen Eiswagen verkaufen wollen, die es damals dort noch nicht gegeben habe. In diese Geschäftsidee habe er bereits 120.000 Euro investiert. Das Haus, das dem minderjährigen Sohn gehöre, hätte für 300.000 Euro verkauft werden sollen. Der Sohn sei bereits von seiner Schule abgemeldet und im Ausland angemeldet gewesen.

Plötzlich habe seine Frau jedoch von den Plänen Abstand genommen – aus ihm nicht bekannten Gründen. Sie habe angefangen, herumzunörgeln, wenn er nach elf Stunden von der Arbeit gekommen sei. Emotional hätten sie sich voneinander entfernt, so der Angeklagte. Ein Auto, das ihm gehört habe, habe sie für 56.000 Euro verkauft, sich von dem Erlös einen Smart angeschafft und den Rest für sich behalten.

Das Ende der Ehe

In der Folgezeit habe sie seinen Auszug aus dem Haus und ein Annäherungsverbot durchgesetzt, indem sie fälschlicherweise behauptet habe, von ihm geschlagen worden zu sein. Der Angeklagte beteuerte, seine Frau niemals geschlagen zu haben. Nach seinem Auszug sei er zunächst obdachlos gewesen. Am 21. November 2022, ihrem Hochzeitstag, habe er Müllsäcke mit seinen persönlichen Sachen unter dem Carport des vormals gemeinsam bewohnten Hauses vorgefunden. An einem habe ein Zettel gehangen mit der Aufschrift: „Herzlichen Glückwunsch zum Hochzeitstag.“ Auch habe seine Frau über ihren Anwalt Unterhaltszahlungen verlangt und versucht, seinen Kontakt zum gemeinsamen Sohn gänzlich zu unterbinden, gab er weiter an.

In der Nacht vor der Tat habe er lediglich zwei Stunden geschlafen. Eigentlich habe er sich vor den Augen seiner Frau selbst erschießen wollen, mit einer Pistole, die er sich im Ausland besorgt habe. Nachdem er ihr Auto mit seinem Mercedes gerammt gehabt habe, sei er daher ausgestiegen und auf die Fahrerseite des Smart zugelaufen. Dann habe er sich die Pistole an die Schläfe gesetzt und abgedrückt. Es sei aber kein Schuss losgegangen, weil der Schlitten der Pistole nicht zurückgezogen gewesen sei. Nun habe er sich der vielen Demütigungen durch seine Frau erinnert und spontan beschlossen, sie mit in den Tod zu nehmen. Er habe zwölf Mal in kurzer Abfolge vor dem Pkw der Frau stehend abgedrückt. Als er sich dann die Pistole ein zweites Mal an die Schläfe gesetzt und abgedrückt habe, sei das Magazin leer gewesen.

„Nach der Tat erleichtert und befreit gefühlt“

Nach der Tat habe er sich erleichtert und befreit gefühlt, habe die Pistole in seinen Wagen gelegt und sei zum Haus seines Vaters gelaufen, wo er auf die Polizei gewartet habe. Heute stehe er vor den Trümmern seines Lebens. Seine Frau aber liebe er immer noch.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung vernahm das Gericht Beamte der Spurensicherung. Sie berichteten, im Smart der Frau hätten sich Einschusslöcher und leere Patronenhülsen befunden. Solche hätten auch auf der Straße gelegen. Der rechtsmedizinische Sachverständige konnte 30 Schussverletzungen bei der Frau nachweisen, die zwölf Schüssen zuzuordnen seien. Es habe jeweils Ein- und Austrittsverletzungen gegeben. Auch habe die Munition den Körper der Frau teilweise mehrfach durchdrungen. Von besonderer Bedeutung seien ein Herz- und fünf Lungendurchschüsse. Die vielfachen inneren Verletzungen hätten zum Tod der Frau geführt.

Die Beweisaufnahme wird in der nächsten Woche fortgesetzt.

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