Schopp
Mit Schafwolle gegen Wildverbiss
Mal sind sie gerade wenige Zentimeter groß, dann wiederum kniehoch. Auf einer Aufforstungsfläche nur wenige Gehminuten vom Vereinsheim entfernt, ragen kleine Bäume in die Höhe, deren Spitze von einem Bausch Schafwolle gekrönt ist. Ein lustiger und gleichzeitig ungewohnter Anblick, zumal in unmittelbarer Nähe Jungbäume mit Plastik ummantelt sind.
Bereits am Mittwoch waren 52 Kinderhände damit beschäftigt, einen solchen Wollbausch auseinanderzuziehen und den Leittrieb vorsichtig damit zu umwickeln. Am Freitagvormittag zogen sie ein weiteres Mal in Begleitung von Susanne Lorenz los. Die Natur- und Landschaftsführerin und Biosphärenguide Pfälzerwald leitet das Ferienprogramm und setzt in Kooperation mit der für das Revier Finsterbrunnen zuständigen Försterin Britta Pecho diese ungewöhnliche Idee zum Schutz vor Verbiss um.
Esskastanien, Spitzahorn und Eichen aufgeforstet
Im vergangenen Jahr seien die vom Borkenkäfer befallenen Fichten zunächst gefällt und ein Teil der Fläche sei im Herbst mit jungen Esskastanien, Spitzahorn und einigen Eichen aufgeforstet worden, erläutert Lorenz. Sie tragen Plastikmantel und Plastikhaube. „Eine gängige Methode zum Schutz vor Verbiss“, meint Lorenz, „aber das Plastik muss entsorgt werden.“ Ganz anders die andere Hälfte der Fläche, wo junge Fichten und Douglasien eine Mütze aus Schafwolle tragen. „Der Geruch hält Pflanzenfresser fern und sie beißen nicht in dieses fusselige Zeug.“
Mit Eifer sind die sechs- bis 13-jährigen Kinder dabei, auch noch die letzten Triebspitzen zu umwickeln. Keine so einfache Sache, denn es gilt, die zum Teil unscheinbaren Bäumchen auf dem abschüssigen Gelände zwischen Blättern und Ästen überhaupt erst einmal auszumachen. Für Lorenz und die Naturfreunde ein wichtiges Anliegen. „Wir wollen Natur- und Klimaschutz vermitteln. Die Kinder müssen fit darin werden“, umreißt sie ihr Anliegen, auf das das Wochenprogramm abzielt.
Wissen um die Natur spielerisch vermitteln
Bewegung an der frischen Luft ist nur ein Aspekt. Andere sind das spielerische Vermitteln von Wissen rund um den Wald und seine Lebewesen, aber auch nachhaltiges Handeln und Umweltbildung. Das hat bereits Früchte getragen, denn Jule (11), Samuel (10) , Justus (13) und so manche anderen Kinder können die verschiedenen Nadelbäume genau unterscheiden. Sie wissen, dass die Form der Kiefer einer „Klobürste“ ähnelt und die Nadeln der Douglasie zitronig riechen.
Dass die Bewegung an der frischen Luft ordentlich Hunger macht, ist klar. Aber bevor es Mittagessen gibt – die Küche des Naturfreundehauses tischt Kartoffelschnitzchen, Gemüse und Fleischkäse auf –, wird zunächst noch eine Runde geschnitzt.