Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Missbrauch in der Kirche: Arbeitskreis erstellt Schutzkonzept

Missbrauch in der Kirche: Ein Schutzkonzept soll zu einem offeneren Umgang und mehr Transparenz führen. Betroffene sollen das ih
Missbrauch in der Kirche: Ein Schutzkonzept soll zu einem offeneren Umgang und mehr Transparenz führen. Betroffene sollen das ihnen widerfahrene Unrecht offen ansprechen können.

Das Thema Missbrauch erschüttert immer wieder die katholische Kirche. In der Pfarrei Heiliger Wendelinus gibt es seit dem Frühjahr einen Arbeitskreis, der sich die Erstellung eines institutionellen Schutzkonzeptes für die Pfarrei als Ziel gesetzt hat.

„In den letzten Jahren glänzt die katholische Kirche nicht durch sonderlich viele positive Eindrücke. Vielmehr ist gerade das Thema Missbrauch in aller Munde und wirft zu Recht Fragen auf, welche die katholische Kirche beantworten muss“, schreibt Pastoralassistent Dominik Schek von der Pfarrei in Ramstein. Schek verweist auf die Schlagzeilen, welche in diesem Jahr beispielsweise die Missbrauchsgutachten aus München und zuletzt aus Münster machten.

In der Pfarrei Heiliger Wendelinus hat sich im Frühjahr ein siebenköpfiger Arbeitskreis gebildet, dessen Ziel die Erstellung eines institutionellen Schutzkonzeptes ist. Damit werde ein Arbeitsauftrag der Deutschen Bischofskonferenz umgesetzt. Gestartet wurde das Projekt mit der Initiative „Sicherer Ort Kirche“ des Bistums Speyer im Januar 2021. Bis Ende 2024 soll es abgeschlossen sein. „Dieses Konzept soll nicht einfach ein Papier sein, welches dann wieder in der großen Schublade der Kirche verschwindet, sondern vielmehr zu einem offeneren Umgang und mehr Transparenz führen“, lautet die Ansage des Ramsteiner Arbeitskreises.

„Aus der Tabuzone holen“

Theresia Denzer, Leiterin des Montessori-Kindergartens St. Nikolaus in Ramstein, und Nienke Kalsbeek vom Elternausschuss der Einrichtung, die Lehrerin Anne Oldenbürger und Dominik Schek erklären, um was es in diesem Konzept gehen soll. „Wir wollen das Thema Missbrauch in all seinen Facetten aus der Tabuzone holen. Das ist uns ein Herzensanliegen.“ Betroffene sollen das ihnen widerfahrene Unrecht offen ansprechen können – gleichgültig, ob der Missbrauch aktuell geschehen ist oder Jahre und sogar Jahrzehnte zurückliegt. Sie dürften nicht als Nestbeschmutzer oder Denunzianten abgestempelt werden. Anne Oldenbürger, die als Lehrerin bereits für das Thema sensibilisiert wurde, ist es wichtig, „Opfer nicht an den Pranger zu stellen“.

Noch steht der Arbeitskreis am Beginn der Ausarbeitung des Schutzkonzeptes. Ein erstes Treffen hatte Ende April stattgefunden. Als nächsten Schritt plane man die Erstellung einer sogenannten Risikoanalyse. Diese soll aufzeigen, wo die „verletzlichen Stellen einer Einrichtung oder Institution liegen“. Auf dieser Grundlage sollen dann Probleme und Potenziale herausgearbeitet werden, so Schek. Dazu werden an die erwachsenen Mitglieder der Pfarrei Fragebögen ausgegeben. Gibt es Räume, in denen man sich unwohl gefühlt hat oder fühlen kann? Als mögliches Beispiel nennt Schek die Sakristei. Sind denn bisher Fälle von Missbrauch in der Pfarrei oder deren Umfeld bekannt geworden? „Das können wir leider auf keinen Fall ausschließen“, meint Theresia Denzer. „Wir müssen jeden vor jedem potenziellen Täter schützen.“ Schek ergänzt: „Es beginnt oft in der Kita mit Doktorspielen und zieht sich bis in den Erwachsenenbereich hinein.“

Autoritäre Machtstrukturen als Problem

Was begünstigt den Missbrauch in den Kirchen? Bei dieser Frage sind sich die Mitwirkenden im Arbeitskreis einig. Autoritäre Machtstrukturen seien typisch dafür. In einer Handreichung zur Erstellung des institutionellen Schutzkonzepts, ausgearbeitet durch die Präventionsbeauftragten und herausgegeben vom Bistum Speyer, werden exemplarisch auch die mangelnde Aufsicht und Führung in vielen Bereichen, Tabuisierung der Sexualität, Unschärfen in der kirchlichen Gesetzgebung und Rechtsprechung genannt. Die Täter wurden oft als einzelne, verirrte Schafe angesehen, die man nur wieder auf den rechten Weg bringen musste, heißt es darin. Dadurch wurden die Taten bagatellisiert oder gar verleugnet.

Zu den einzelnen Bauteilen des auszuarbeitenden Konzepts gehört auch ein Verhaltenskodex, der von allen Mitarbeitenden der Pfarrei unterschrieben werden muss. Daraus ergeben sich entsprechende Handlungsperspektiven, was unter anderem den Umgang miteinander betrifft. Im Sommer 2023 soll das Schutzkonzept in der Pfarrei vorliegen. Es werde für alle kirchengebundenen Einrichtungen in der Pfarrei vollumfänglich verbindlich gelten. Dazu zählen Chöre, Jugendverbände, Kolpingsfamilie, Kindertageseinrichtungen und Kirchengemeinden. Das Konzept soll unter anderem dem Kennenlernen von Interventionsmöglichkeiten, auch außerhalb der Kirche, dienen. Als Beispiele nennt Schek das SOS Familienhilfezentrum und Pro Familia. „Wir wollen eine Kultur der Achtsamkeit implementieren“, sagt der Pastoralassistent.

Info

Wer von Grenzverletzungen und Überschreitungen – im schlimmsten Fall auch Missbrauch – betroffen ist, kann sich an die Missbrauchsbeauftragte Dorothea Küppers-Lehmann wenden, Telefon 0151 14880014, E-Mail: ansprechpartnerin@bistum-speyer.de. Weitere Infos gibt es im Internet auf https://www.bistum-speyer.de/rat-und-hilfe/hilfe-und-praevention-von-missbrauch/missbrauchsbeauftragte/

Dominik Schek erläutert die Ziele des Projekts.
Dominik Schek erläutert die Ziele des Projekts.
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