Enkenbach-Alsenborn
Ministerpräsidentin würdigt Klimaschutz-Kommune Enkenbach-Alsenborn
An der frischen Luft, aber nicht gerade auf frischem Boden standen die Besucher aus Mainz und ihre Gastgeber am Mittwochvormittag, als sie eines der Vorzeigeprojekte der Gemeinde Enkenbach-Alsenborns aus der Nähe betrachteten. „Diese Photovoltaik-Anlage, die wir 2006 als eine der größten in Rheinland-Pfalz in Betrieb genommen haben, steht dort, wo früher das große Tanklager der Amerikaner war“, präsentierte Ortsbürgermeister Jürgen Wenzel (CDU) die Errungenschaften seiner Kommune, ohne die Schattenseiten der Örtlichkeit zu verschweigen.
Dass die umweltfreundliche Energiegewinnung auf kontaminiertem Boden stattfindet, war damals nicht bekannt. Als der ehemalige Militärflugplatz Sembach 1995 in einen Gewerbepark umgewandelt wurde, hat man das Tanklager ausgegraben und die Erde „mit Bakterien zersetzt“, um so die giftigen Rückstände unschädlich zu machen. „Was man allerdings nicht getan hat, war, die angrenzenden Bereiche zu dekontaminieren“, fuhr Wenzel fort. Und so wurde der belastete Boden nach dem Erdaushub „gleichmäßig auf der ganzen Fläche verteilt“. Die Folge ist ein Ansiedlungsstopp auf dem gesamten Gewerbepark seit diesem Jahr.
Mit der Photovoltaikanlage wird das Freibad finanziert
Doch der Boden beeinträchtigt zum Glück nicht die Gewinnung der Sonnenenergie darauf. „Die PV-Anlage hat eine Leistung von 5,6 Megawatt“, erläuterte Wenzel. „In diesem Jahr machen wir damit einen Gewinn von 550.000 Euro und können damit erstmals den Verlust des Schwimmbads ausgleichen“, lautete die positive Nachricht. Dann das fahre einen Verlust von 530.000 Euro im Jahr ein. Mit weiteren Photovoltaikanlagen auf den Dächern der Grundschule Enkenbach-Alsenborn (30 Kilowatt), des Bauhofes (20 Kilowatt) sowie der Kindertagesstätte Alsenborn (zehn Kilowatt) versucht sich Enkenbach-Alsenborn stetig dem Ziel einer klimaneutralen Gemeinde zu nähern.
Als die rund 7000-Einwohner-Kommune 2012 eine von 19 „Masterplan-Kommunen“ des Bundes wurde, hatte sie schon einiges in Richtung Klimaschutz vorgewiesen. Schließlich haben die ausgewählten Kommunen das hehre Ziel, im Jahr 2050 nur noch fünf Prozent des Kohlendioxid-Ausstoßes von 1990 zu haben. Einen weiteren großen Beitrag dazu leistet das Biomasseheizkraftwerk, das Ende 2009 seinen Betrieb aufnahm. Wegen der hohen Anfangsinvestitionen gegen politischen Widerstand vor Ort und etlichen Anlaufschwierigkeiten trotzend, machte Wenzel das Kraftwerk inzwischen zu einem Vorzeigeobjekt, das auch die Ministerpräsidentin durchaus beeindruckte.
„Die Abwärme des Heizkraftwerks nutzen wir und verteilen sie im Wärmenetz: neben dem Rathaus, der Integrierten Gesamtschule, zwei Altenheimen, der Bereitschaftspolizei – die allein die Hälfte abnimmt –, dem Bauhof und der Feuerwache sind inzwischen rund 100 private Häuser am Wärmenetz angeschlossen“, erläuterte Wenzel. Die Kommune nutzt Synergien, indem sie beim steten Breitbandausbau allen Haushalten, die an der Wärmetrasse liegen, einen Anschluss anbietet. „Rund 70 bis 80 Prozent machen mit. Und da die Straße eh aufgerissen ist, bekommen sie den Vega-Net-Anschluss dann kostenlos“, zeigt sich der Ortsbürgermeister durchaus unternehmerisch denkend.
Um dem „Ziel, nichts wegzuwerfen“, wie Dreyer anerkennend kommentierte, noch näher zu kommen, werde derzeit geprüft, ob das Abfallprodukt des Heizkraftwerkes, die Schlacke, als Grundmaterial für Beton verwendet werden könne.
Hartnäckigkeit bei langfristigen Klimazielen
Noch bevor Wenzel von seiner jüngsten Anfrage bei BMW berichtete, ob die Firma sich nach den kürzlich verkündeten Klimazielen nicht in Enkenbach-Alsenborn ansiedeln wolle, fragte die Ministerpräsidentin Wenzel nach seiner Ausbildung: Mit der Antwort „Bankkaufmann und Betriebswirt“ schien er ihre Vermutung bestätigt zu haben, dass sie einen nicht nur umweltfreundlich, sondern äußerst wirtschaftlich agierenden Ortschef vor sich hatte. „Wenn Herr Wenzel und der Gemeinderat etwas entschieden haben, dann setzt er es durch, egal, was die Kommunalaufsicht sagt“, kommentierte denn auch Klimaschutzmanager Uwe Drescher am Rande dessen Hartnäckigkeit.
Und so hielt jener sich auch nicht zurück mit „Wünschen ans Land“: Einen Masterplan für Rheinland-Pfalz, der die Konzepte der einzelnen Gemeinden bündelt und fördert, stand oben auf seiner Liste. Dem Einwurf Dreyers, dass es schon viel Förderung und Unterstützung, zum Beispiel durch die Energieagentur gebe, gab Wenzel nicht so schnell nach und sprach vom Unterschied zwischen Theorie und Praxis. Als er dann noch eine „automatische Änderung“ des LEP (Landesentwicklungsprogramm) in Bezug auf erneuerbare Energien forderte, erntete er Dreyers verschmitzten Kommentar: „Sie sind radikal!“ – den er prompt lachend bejahte.
Dass Klimaschutz jedoch mit kleinen Schritten und vor allem im Bewusstsein beginnt, machte Mehlingens Ortsbürgermeisterin Monika Rettig (SPD) deutlich, die seit 2018 ehrenamtliche Klimapatin ihres Ortes im Programm „KlikK aktiv – Klimaschutz in kleinen Kommunen“ der Energieagentur ist. Sie stellte Projekte von den Mitnahmebänken über Spielzeug-Tauschbörsen und Klimakochen für Kinder bis zu Pflanzaktionen vor.
Doch mit einem ganz anderen, akuten Problem wandte sie sich zum Abschluss noch an die Ministerpräsidentin: Eine Glasrecycling-Firma habe schon viel in eine Ansiedlung auf dem Gewerbepark Sembach, auf Mehlinger Gemarkung, investiert, und bekomme nun wegen der Kontamination keine Genehmigung. Dreyer versprach, „auf jeden Fall“ den Präsidenten der zuständigen Behörde in Neustadt zu kontaktieren. Ob sie damit Erfolg haben wird, bezweifelte Wenzel, denn er sieht im Bund als Grundstücksbesitzer den passenderen Ansprechpartner.