Weilerbach RHEINPFALZ Plus Artikel Messe-Konditorei Hengärtner seit 100 Jahren auf den Kerwen in der Westpfalz

René Hengärtner kann sich auf seine Familie verlassen. Mit ihm schaut Nichte Anika durch die 100.
René Hengärtner kann sich auf seine Familie verlassen. Mit ihm schaut Nichte Anika durch die 100.

Ganze Generationen haben sich bei der Messe-Konditorei Hengärtner durchgenascht. Gerade hat das Ein-Mann-Unternehmen sein 100-Jähriges gefeiert. Dabei ist es schon viel älter.

Kerwen und Dorffeste sind das Zuhause von René Hengärtner aus Weilerbach. „Geschlafen wird aber daheim“, sagt er. Seine Messe-Konditorei Hengärtner sei etwas durch und durch Westpfälzisches: Das Bett steht fest in Weilerbach verwurzelt, der große bunte Verkaufswagen mit all den süßen Verführungen macht nur in der Region Halt.

Vom Ostermarkt über die beiden großen Kerwewochen bis zum Weihnachtsmarkt in Kaiserslautern läuft seine Saison. Dazwischen steht der Stand mal in Kusel, mal in Ramstein, mal in Trippstadt – wo immer es etwas zu feiern gibt und Süßigkeiten nicht fehlen dürfen. Und das schon seit 100 Jahren.

Verkaufstisch mit Zuckerstangen am Vogelwoog

„Am Anfang wurden Buden aufgebaut, der große Wagen kam erst später“, blickt René Hengärtner in die Geschichte der Familienfirma zurück – und korrigiert dabei überraschenderweise die 100 direkt mal. Zwar wurde die Messe-Konditorei im Jahr 1925 gegründet von seinen Urgroßeltern Anna – sie hatte einst im Café Sander in Landstuhl Konditorin gelernt – und Emil Hengärtner. Die Eltern von Urgroßoma Anna, eine geborene Klehr, hatten sich aber zuvor schon mit dem Herstellen und dem Verkauf von Süßigkeiten einen Namen gemacht. Die Vergangenheit der Familie Hengärtner ist somit schon länger als 100 Jahre süß geprägt.

„Die Bonbonmaschine und die Formen für Zucker- und Schokohasen habe ich bis heute“ – es klingt stolz, wenn der Messe-Konditor von der Vergangenheit berichtet. Urgroßmutter Anna und die Oma, die ebenfalls Anna hieß, bauten seinerzeit auch mal am Vogelwoog in Kaiserslautern einen Tisch auf, verkauften selbstgerollte Zuckerstangen und durften in glückliche Kinderaugen schauen. Selbstgemacht wird heute außer Popcorn und gebrannten Mandeln kaum noch etwas. Die Ware kauft René Hengärtner in der Region, gerne auch in Frankreich, um „auch mal was anderes“ anbieten zu können.

Von der Oma alles über die Geschäftswelt gelernt

„Ich bin, seit ich neun bin, immer mit der Oma im Wagen gewesen“, sagt Hengärtner. Er kennt das Geschäft schon aus den Kindertagen. Seine Oma Anna hat ihn großgezogen und ihm alles beigebracht, was es braucht, um in der süßen Geschäftswelt, die halt leider nicht immer nur süß ist, bestehen zu können. „Ich hatte die beste Lehrherrin, die man sich vorstellen kann“, ist er seiner vor einigen Jahren verstorbenen Oma dankbar – „einer großen Persönlichkeit“.

Sein Vater war früh gestorben, seine Mutter zog mit einem neuen Partner und mit Autoscootern über die Kerwewelt in Deutschland. Der kleine René blieb bei der Oma und wusste bereits mit neun, als sein Opa Günther ebenfalls früh gestorben war: „Jetzt gilt es für uns zwei.“ Als einige Zeit später auf der Kerwe in Lautern, genau gegenüber von Omas Wagen, ein Standplatz frei wurde, schlug René Hengärtner mit gerade mal 18 Jahren zu. Er kaufte einen kleinen Wagen, machte sich mit dem Verkauf von Waffeltüten selbstständig, ohne die Oma im Stich zu lassen.

Das Sortiment hat sich verändert

Inzwischen sind die beiden gegenüberliegenden Standorte eins geworden, natürlich am Platz, an dem die Hengärtners seit 100 Jahren zu finden sind. Der erste Verkaufswagen, der im Jahr 1962 in Worms gebaut wurde, ist übrigens noch immer im Einsatz. Das Sortiment wurde hie und da an den Zeitgeist angepasst. „Die Kinder wollen vor allem eine bunte Verpackung“, sagt René Hengärtner und lacht. Die Klassiker wie Magenbrot, gebrannte Mandeln und Schaumküsse seien nach wie vor gefragt, wenngleich sich die Namen der Waren teils geändert haben.

Der Ein-Mann-Unternehmer, der sich der Unterstützung durch die Familie sicher sein kann, liebt sein Leben. Das Lachen der Kinder, das Miteinander mit der Kundschaft, das erfüllt ihn. Aber – und das verschweigt er nicht – von Januar bis März hat er keinen Cent an Einnahmen. Läuft das Geschäft in den anderen Monaten nicht gut, muss er sich einschränken.

Früher mit eigener Eismaschine auf der Kerwe

An den heißen Tagen, an denen kaum jemand Appetit auf die Schokoware am Kerwestand hat, wäre die Eismaschine der Vorfahren nicht schlecht. Doch die Zeiten, in denen bei der Messe-Konditorei Eis selbstgemacht und verkauft wurde, sind vorbei. Ebenso wie die Zeiten, in denen die Menschen auf den Festen oder der Kerwe gerne mal ein bisschen mehr Geld ausgegeben hätten, sagt Hengärtner. „Heute, bei dieser Weltlage, haben viele Angst, halten das Geld zusammen oder bleiben aus Sicherheitsgefühlen gleich den Veranstaltungen fern.“ Das müsse er hinnehmen – ebenso wie die Tatsache, dass alles teurer geworden sei: die Einkaufspreise, die Energiepreise, die Standgebühren.

Obgleich dadurch auch das Preisniveau seiner Ware gestiegen sei, habe ihm die Kundschaft auf der Maikerwe in Kaiserslautern, wo er das 100-jährige Firmenbestehen gefeiert hat, mit vielen Dankesbriefen gezeigt: „Auch die Kerwestände sind relevant!“ Das habe ihn gerührt und darin bestärkt, immer nur im Heute zu leben. Ob und wie es irgendwann mal nach ihm mit der Messe-Konditorei weitergeht, daran verschwendet René Hengärtner (noch) keinen Gedanken.

Der große Wagen ist über 60 Jahre alt, die Firma 100. Heute ist René Hengärtner, der Urenkel der Gründer, das Gesicht inmitten d
Der große Wagen ist über 60 Jahre alt, die Firma 100. Heute ist René Hengärtner, der Urenkel der Gründer, das Gesicht inmitten der Süßigkeiten.
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