Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Mehr Müll in Feld und Flur in Corona-Zeiten

Asoziales Verhalten: Wälder, Rastplätze, Straßenränder liegen voller Müll, den Menschen einfach fallenlassen oder in die Landsch
Asoziales Verhalten: Wälder, Rastplätze, Straßenränder liegen voller Müll, den Menschen einfach fallenlassen oder in die Landschaft werfen.

Von der Zigarettenkippe bis zum Autoreifen landet jede Menge Müll achtlos in der Landschaft. In Pandemiezeiten, in denen die Menschen vermehrt spazieren gehen, scheint diese Form der Umweltverschmutzung zuzunehmen. Beatrix Volkmann ärgert das massiv.

Richtig wütend wird Beatrix Volkmann, wenn sie ihre Beobachtungen schildert. Die Tierheilpraktikerin aus Hochspeyer findet es „extrem schlimm“, wie achtlos ihre Mitmenschen mit der Natur umgehen. Volle Müllsäcke, Essenstüten von Schnellrestaurants, Zigarettenkippen, Glasflaschen, all das und vieles mehr findet sie an den Straßenrändern, im Wald, auf Feldern und Fluren. „In Corona-Zeiten hat es unheimlich zugenommen“, stellt Volkmann fest.

Ihr junger Hund hatte vor kurzem sogar ein benutztes Kondom im Maul. „Das kann für meinen Hund, aber auch für andere Tiere im Wald lebensgefährlich sein, wenn es verschluckt wird“, ärgert sich Volkmann. „Mit großem Ekel“ habe sie es dem Hund wieder aus dem Maul ziehen können. „Ich rede mit den Leuten, um sie zu sensibilisieren und den Umweltschutz mehr ins Bewusstsein zu rücken.“ Leider kommt das oft bei ihren Mitmenschen nicht gut an. Freche Antworten seien die Regel.

Täter meist nicht zu ermitteln

Müll in der Natur sei ein „Dauerproblem“, sagt Michael Leschnig, der Leiter des Hauses der Nachhaltigkeit in Johanniskreuz. Sperrmüll, Bauschutt, Autoreifen würden regelmäßig im Wald entsorgt. „Es handelt sich dabei um eine Straftat“, so Leschnig. „Jedoch ist die Rückverfolgung ganz schwierig, wenn nicht gerade ein Hinweis auf Name oder Adresse, wie etwa ein Lieferschein oder eine Rechnung dabei liegen.“ Die Täter würden selten zur Verantwortung gezogen.

Und dann gibt es noch die zahlreichen Ausflügler. Diese hinterlassen in Corona-Zeiten vermehrt Müll. Seit den Pandemie bedingten Beschränkungen gebe es viel mehr Waldbesucher und dementsprechend auch deutlich mehr Müll als in den Vorjahren. Flaschen, Snackverpackungen, Papiertaschentücher und Corona-Masken – ein Großteil des Mülls liege vor allem an den Wanderparkplätzen und Waldzugängen, an Schutzhütten, Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten, so die Erfahrung der Forstämter. Leschnig betont, er möchte die Besucher des Waldes nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern als Partner ansprechen. „Wir sind gemeinsam Treuhänder des Waldes“, lautet seine Botschaft. Der nächste „Dreck-weg-Tag“ ist für Samstag, 18. September, am „World Clean-Up Day“, also dem Weltaufräumtag, geplant.

Überall Zivilisationsspuren zu sehen

Dem Frankensteiner Ortsbürgermeister Eckhard Vogel (FWG) macht die Umweltverschmutzung ebenfalls Sorgen. „Bei meinen Spaziergängen durch das Biosphärenreservat treffe ich vermehrt auf Menschen, die coronabedingt Erholung im Wald suchen. Ihre Zivilisationsspuren in Form von Papiertaschentüchern, Plastikbeuteln, Papptellern, Kaugummipapieren, leeren Glas- oder Plastikflaschen und Zigarettenkippen sind nicht zu übersehen.“ Im Bereich der Ortsgemeinde kümmerten sich die Gemeindearbeiter um diese Hinterlassenschaften. Immer wieder käme es auch vor, dass Kühlschränke und anderer Sperrmüll im Wald, besonders auch im Schliertal, entsorgt würden.

In Hochspeyer sind Gemeinschaftsaktionen der Bürger, des Gemeindebauhofs sowie von Vertretern der kommunalen Gremien und der Ortsspitze geplant. „Es wird dieses Jahr erstmals zwei Umweltaktionstage geben“, stellt Ortsbürgermeister Dominic Jonas (CDU) in Aussicht. Ursprünglich waren die Aktionen für die Zeiträume April/Mai und September/Oktober geplant. „Wir warten momentan noch die coronabedingte Entwicklung ab, um dann die genaue Terminierung vornehmen zu können.“

Militärgemeinde überaus engagiert

Überaus engagiert in puncto Umweltschutz zeigt sich die Sembacher Militärgemeinde. Der Leiter der Pfadfindergruppe, Patrick Thomas, startete im März ein neues Projekt für Naturschutz und Reinigung der Umwelt. Jeden Monat wollen die Pfadfinder künftig in einem anderen Gebiet rund um Kaiserslautern tätig werden. Am 7. März sammelten sie bereits eine riesige Menge von 175 Kilogramm Müll entlang einer Straßenstrecke von zehn Kilometern Länge rund um Sembach.

Sehr erfreut über das tolle Engagement von umweltbewussten Mitbürgern zeigt sich der Beigeordnete der Ortsgemeinde Enkenbach-Alsenborn, Alexander Roth (CDU). „Angeregt durch die vielen Müllsammelaktionen entstand mittlerweile hier vor Ort die Kultur, dass Einzelne immer mal wieder sammeln gehen, sich dann bei uns melden, um anzuzeigen, wo Müll gesammelt und zur Abholung bereitgestellt wurde.“ Roth hole den eingesammelten Abfall zumeist selbst ab und übergebe ihn zur Entsorgung den Bauhofmitarbeitern. „Als nächste Reinigungsaktion wollen wir am Gründonnerstag Spielplätze säubern.“

Hinweis

Für fleißige Müllsammler gibt es am 18. September beim Haus der Nachhaltigkeit das Buch „Unser grünes Herz – Geschichten aus den Wäldern der Südlichen Weinstraße“ zu gewinnen. Vier Autoren, darunter auch Michael Leschnig, zeigen ihr grünes Herz, jeder aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel. Das Buch ist auch im Handel und im Haus der Nachhaltigkeit zum Preis von 14,90 Euro erhältlich. Weitere Informationen unter Homepage: www.hdn-pfalz.de.

Haushaltsauflösung am Wegesrand: Bei Hochspeyer haben Unbekannte im vergangenen Jahr illegal Sperrmüll am Waldrand abgeladen.
Haushaltsauflösung am Wegesrand: Bei Hochspeyer haben Unbekannte im vergangenen Jahr illegal Sperrmüll am Waldrand abgeladen.
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