Vor der Landratswahl
Medizinische Versorgung auf dem Land: Woran es krankt
44 Prozent der Hausärzte im Landkreis und in der Stadt Kaiserslautern sind 60 Jahre und älter. Gerade mal sieben Prozent sind jünger als 40. Die Sorge um die ärztliche Versorgung treibt um. Frage an die Kandidaten für die Wahl des Landrats Kaiserslautern am 18. Mai: Was tun sie, um die Sorge zu mindern?
Laut der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz, die die Versorgungsgebiete in sogenannte Mittelbereiche einteilt und deshalb gesondert Zahlen für Kaiserslautern und Umland und Landstuhl ausweist, lag der Versorgungsgrad durch Hausärzte Ende vergangenen Jahres für Landstuhl bei 109 Prozent, für Kaiserslautern aber nur noch bei 97 Prozent. Bei Fachärzten, je nach Fachrichtung, sind hilfesuchende Patienten mitunter mit schmerzhaft langen Wartezeiten konfrontiert. Und: Mit 39 Prozent im Alter von 60 Jahren und älter fällt die Alterspyramide bei Orthopäden, Hautärzten, Gynäkologen, Radiologen und anderen Fachkollegen nicht wesentlich günstiger aus als bei den Allgemeinmedizinern. Hat ein Landrat, der die Daseinsvorsorge in seinem Kreis umfassend sicherzustellen hat, überhaupt Einfluss?
Leßmeister: Stipendien-Programm ist akute Nothilfe
Ralf Leßmeister, Kandidat der CDU für die Wahl am 18. Mai und seit 2017 Landrat des Kreises Kaiserslautern, verweist auf die in seiner Amtszeit gegründete Initiative „Ärzte für die Westpfalz“. Seit 2023 ermöglicht der Verein es ausgewählten Stipendiaten, durch ganz oder teilweise Übernahme von Studiengebühren, ein humanmedizinisches Studium an der ungarischen Universität in Pésc. Im Gegenzug verpflichten sich die Stipendiaten, nach der Approbation mindestens drei beziehungsweise fünf Jahre in der Westpfalz oder im der Initiative beigetretenen Kreis Bad Kreuznach zu praktizieren. „Das hilft uns in der Region enorm, die ärztliche Versorgung sicherzustellen“, sagt Leßmeister. Die Gründung sei ein Akt der Nothilfe gewesen, weil die Landesregierung sich der gemeinsam aus der Westpfalz vorgetragenen Bitte, die Ausbildungskapazitäten im Land zu erweitern, verschlossen habe. Deutschlandweit kämen auch nur 1,0er- oder 1,1er- Abiturienten bei Bewerbungen um einen Studienplatz der Humanmedizin zum Zuge. Das sei beim deutschsprachigen, qualitativ hochstehenden, weil an deutschen Studienordnungen orientierten Studium in Ungarn nicht erforderlich. Es gebe geeignete Ärzte in spe, die so eine Chance bekämen – und damit erhalte auch die Gesundheitsversorgung im Landkreis Kaiserslautern eine Chance, unterstrich Leßmeister am Mittwoch beim RHEINPFALZ-Podium zur Landratswahl in Ramstein den beiderseitigen Nutzen. Erweitert werde dies nun durch eine Kooperation der Semmelweis-Universität Budapest mit dem Westpfalz-Klinikum Kaiserslautern, bei dem eine Medical School angesiedelt wird. Bei der 2025 startenden neuen Kooperation ist die Regelstudienzeit hälftig aufgeteilt: die ersten drei Jahre in Budapest, die Studienjahre vier, fünf und sechs dann in Kaiserslautern. Deutsche Studierende der ungarischen Hochschulen absolvieren darüber hinaus frühe Praktika in Kaiserslautern. Das, so hofft Leßmeister, verstärke weiter den „Klebeeffekt“.
Haferanke: Ungarn-Initiative reicht alleine nicht
Thorsten Haferanke, der sich als Sozialdemokrat für das Amt des Landrats Kaiserslautern bewirbt, sieht in der Initiative und im Verein „Ärzte für die Westpfalz“ eine sehr gute Ergänzung anderer, weitergehender Initiativen, Ärzte zu finden und zu binden. Man müsse – gleichwohl – immer danach suchen, wie man die so elementare Grundversorgung sicherstellen könne, schauen, „wo es konkret klemmt“, also ganz eng im Austausch mit den Ärzten, der Kammer und den Interessensvertretungen sein. Konkrete Ansätze weiterer Initiativen, für die er sich als Landrat einsetzen würde, benannte er beim RHEINPFALZ-Podium nicht. Was er beschrieb, war seine Sorge, dass die Strukturen im Landkreis Kaiserslautern vielleicht nicht attraktiv genug für junge Ärzte sind. Bei der Initiative „Ärzte für die Westpfalz“ sei nun mal die Krux: „Was ist nach der Verpflichtungszeit von drei, von fünf Jahren? Bleiben sie dann?“ Genau darauf gelte es mit weiteren Maßnahmen hinzuwirken.
Ralf Leßmeister sieht noch immer einen strukturellen Nachteil für die Westpfalz durch Entscheidungen der SPD-geführten rheinland-pfälzischen Landesregierung. Die Ausbildungskapazitäten in der Humanmedizin im Land lägen in Mainz, neuerdings am Bundeswehrkrankenhaus in Koblenz und für die fortgeschrittenen Studierenden der neunten und zehnten Fachsemester in Trier. „Das spielt sich also alles im Norden ab. Da kann man sich denken, was das für die Westpfalz bedeutet“, leitet der CDU-Kandidat politischen Korrekturbedarf seitens der amtierenden oder einer künftigen Landesregierung ab.
RHEINPFALZ-Wahlblog
Wissenswertes rund im die Landratswahl im Kreis Kaiserslautern finden Sie in unserem RHEINPFALZ-Wahlblog unter www.rheinpfalz.de/blogland. Weitere Berichte zur Podiumsdiskussion folgen dort und auch in der gedruckten Zeitung.