Kreis Kaiserslautern
Margit Mohr: Eine unermüdliche Kämpferin für die Westpfalz wird 75
Rank und schlank, tatkräftig und voller Energie: Margit Mohr wirkt beileibe nicht wie 75, wie sie da lebhaft plaudernd durch ihre Küche fegt und die Kaffeetafel richtet. „Meine Enkel halten mich jung“, sagt die vierfache Oma verschmitzt. Zwei davon sind schon groß und studieren, doch die beiden Kleinen im Alter von zwei und acht Jahren wohnen in der Nachbarschaft und sind fast täglich zu Gast bei den Großeltern, deren Einfamilienhaus genau gegenüber der Grundschule liegt, die der ältere der Buben besucht. „Ich koche jeden Tag für uns und die ,Enkelcher’“, erzählt sie von ihrem jetzigen Alltag.
Aber auch wenn sie gerne kocht, sich um die Familie und den weitläufigen Garten kümmert, ist Margit Mohr freilich alles andere als eine „normale“ Hausfrau im Rentenalter. „Ich bin jetzt ganz privat“, betont sie zwar gleich mehrfach ihren Rückzug aus Politik und Öffentlichkeit. Dass sie jedoch nach wie vor dafür brennt, kann sie dennoch nicht verhehlen. Schnell kommt das Gespräch auf die bevorstehende Bundestagswahl, auf den Wahlkampf, auf Kandidaten und deren Chancen. Da zeigen ihre blitzenden Augen, ihre Gestik und Mimik, dass Margit Mohr bei aller Bodenständigkeit auf diesem Feld noch immer ganz in ihrem Element ist.
Erst spät in die Partei
Dabei hat die gebürtige Bruchmühlbacherin, die nach eigener Aussage keiner klassischen SPD-Familie entstammt, politisch erst spät Farbe bekannt: Sie war bereits 41 Jahre alt, als sie 1990 in die SPD eintrat. „In diesem Alter überlegt man, ob man noch mal was Neues machen will“, sagt sie rückblickend. Und sie wollte: 1994 errang Mohr Mandate in Gemeinderat und Kreistag (war dort später Fraktionschefin), 1999 wurde sie zudem Beigeordnete in ihrem Heimatort. Dass die engagierte SPD-Frau noch deutlich mehr Potenzial hatte, wurde in der Partei schnell erkannt, wenn auch nicht von allen Genossen gleichermaßen, wie sie mit Blick auf ihre erste Kandidatur anmerkt: „Manche in der SPD fanden, ich hätte noch nicht genügend Plakate geklebt.“ Doch der damalige SPD-Landtagsabgeordnete Roland Lang aus Steinwenden sah dies anders und habe sie gefördert.
2001 wurde Margit Mohr Langs Nachfolgerin im Mainzer Landtag und war dort bis 2014 als Vertreterin des Wahlkreises 45 (Kaiserslautern-Land) eine engagierte, beharrliche Fürsprecherin für die Belange der Westpfalz. Mohr erwies sich als geschickte Strippenzieherin, die umfangreiche Netzwerke aufbaute und pflegte. Obwohl sie stets den Ideen der SPD treu blieb, eckte sie in der eigenen Fraktion auch schon mal an, wenn sie bei dem ein oder anderen Thema anderer Ansicht war und mit dieser Meinung nicht hinterm Berg hielt. „Das kam nicht immer gut an“, erinnert sie sich lachend. Ihr kämpferisches Selbstbewusstsein, ihre Ausdauer und ihre Beharrlichkeit seien damals zuweilen missverstanden worden: „Viele haben behauptet, ich sei ehrgeizig und wolle vor allem in der ersten Reihe stehen. Aber das stimmt nicht: Ich war nicht ehrgeizig, sondern zielgerichtet und habe es einfach als meine Aufgabe angesehen, etwas zu bewirken“, betont Margit Mohr: „Weggedrückt habe ich nie jemanden!“
„Ich bin ein Arbeitstier“
Die 13 Jahre im Landesparlament bezeichnet die Sozialdemokratin rückblickend als „schöne, spannende, aber auch sehr arbeitsintensive Zeit“. Von Montag bis Donnerstag sei sie in der Regel vor Ort in Mainz geblieben. Schon wegen der langen Anfahrt – die A63 war damals noch nicht fertig –, aber auch „weil ich ein Arbeitstier bin und es so viel zu tun gab“. Unter anderem war Mohr von 2006 bis 2011 stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaft und Verkehr und ab 2011 Vorsitzende im Ausschuss für Medien und Netzpolitik. Von 2007 bis 2009 engagierte sie sich zudem als Vorsitzende der Enquete-Kommission „Klimawandel“: „Diese Themen haben mich unheimlich interessiert und ich musste mich auch immer sehr gut vorbereiten, weil die Grünen damals in der Opposition saßen und mir detaillierte Fragen gestellt haben.“ Selbst eine schwere Erkrankung konnte das Energiebündel aus der Westpfalz nicht ausbremsen. „Ich war die ganze Zeit über im Landtag, dann eben mit Perücke. Gemerkt hat das keiner.“
Als sie sich dem Rentenalter näherte, sei für sie jedoch klar gewesen, dass mit 65 Schluss sein muss. „Das habe ich so entschieden.“ Mitten in der Wahlperiode legte Mohr im Februar 2014 ihr Mandat nieder und ermöglichte damit Daniel Schäffner, ihrem B-Kandidaten aus Mackenbach, den Einzug in den Landtag. „So konnte sich Daniel bis zur nächsten Wahl einarbeiten.“ Mit dem Ruhestand nach all den arbeitsreichen Jahren habe sie anfangs ihre Probleme gehabt, bekennt sie: „Ich habe eine Weile gebraucht, um das zu verdauen, hatte ein schlechtes Gewissen, daheim zu sitzen und dafür Geld zu kriegen.“
Für mehr Frauenrechte
Doch es fanden sich neue Aufgaben: Die begeisterte Gärtnerin war eine Weile Vizepräsidentin der Obst- und Gartenbauvereine und engagiert sich noch heute im Weißen Ring, wo sie gerade Frauen, die in ihrer Familie oder in einer Beziehung Gewalt erfahren haben, zur Seite steht, ihnen Mut macht und sie lehrt, sich zur Wehr zu setzen. Auch hier ist Margit Mohr in ihrem Element, denn den Kampf für die Rechte der Frauen, ihr Fortkommen im Beruf und ihre gleichberechtigte politische Teilhabe hatte sie sich zeitlebens auf die Fahne geschrieben. „In meiner Familie war klar, dass wir Mädchen höchstens Lehrerin werden können, während mein Bruder Medizin studieren durfte“, hat sie – Jahrgang 1949 – schon früh die deutlichen Unterschiede kennengelernt, die in ihrer Generation noch zwischen den Geschlechtern gemacht wurden. Margit Mohr wurde Erdkunde- und Sportlehrerin, unterrichtete vor ihrer politischen Laufbahn an Gymnasien (zuletzt in Landstuhl) und bekam mit ihrem Mann Manfred zwei Söhne: „Um meine Buben habe ich nie ein Gedöns gemacht“, betont sie. Der eine ist heute Notar, der andere sogar Manager im Vorstand von Volvo Schweden. „Es ist also trotzdem was aus ihnen geworden“, meint sie und ermuntert gerade junge Frauen, wie sie selbst in die Politik zu gehen: „Es braucht dort unbedingt mehr Frauen“, ist die 75-Jährige überzeugt und hofft, dass sich künftig – nach Rückgängen bei der jüngsten Kommunalwahl – wieder mehr Frauen trauen, für ein politisches Amt zu kandidieren.