Kreis Kaiserslautern
Mündliches Abitur: Bekannte Personen aus dem Kreis geben Tipps bei Prüfungsangst
Der Arzt für innere Medizin, Psychiatrie und psychosomatische Medizin Hartmut Jatzko musste sogar zweimal durch die Abiturprüfungen – obwohl er beim ersten Mal bereits bestanden hatte: „Ich hatte mein Abitur in der damaligen DDR gemacht und wollte dort schon Medizin studieren“, erzählt er. Dann habe er jedoch flüchten müssen.
In Westberlin angekommen, habe er dann erfahren, dass sein Abitur hier nicht anerkannt wird. „Also bin ich 1957 nochmal durch alle Prüfungen.“ Der Stress sei riesig gewesen: „Wir schrieben ja alle Arbeiten an einem Tag“, erinnert er sich. „Morgens um acht Uhr ging es los und irgendwann am Nachmittag waren wir fertig.“ Mathematik, Deutsch und Biologie waren Jatzkos Abiturfächer. Mündlich sei er in Biologie geprüft worden. Da das aber sein Lieblingsfach gewesen sei, habe er vor der mündlichen Prüfung gar keine Angst gehabt.
Natürlich sei er aufgeregt gewesen, aber er habe sich – wie auch später bei seinem Medizinexamen – immer in Gelassenheit geübt: „Ich habe mir gesagt, dass ich genug gelernt habe und mich dann regelrecht der Prüfung hingegeben.“ Er habe sich gedacht: „Jetzt kommt es darauf an, dass ich auch das notwendige Glück habe.“
Sybille Jatzko: „Andere Sorgen haben im Vordergrund gestanden“
Jatzkos Ehefrau Sybille kann sich nur noch nebulös an ihr Abitur erinnern. Ihr Vater sei genau in dieser Zeit gestorben, andere Sorgen hätten damals im Vordergrund gestanden. „Ich wollte einfach nur noch durch. Was ich noch weiß ist, dass die Lehrer sehr verständnisvoll reagiert haben“ , erinnert sich Sybille Jatzko.
1979 machte Andrea Meiswinkel, die Schulleiterin des Sickingen-Gymnasiums in Landstuhl, ihr Abitur in Nordrhein-Westfalen. Sie selbst habe auch oft unter Prüfungsangst gelitten. Schriftlich geprüft wurde sie damals in ihren zwei Leistungskursen Mathematik und Physik sowie im Grundkurs Religion.
„Das Unangenehmste war für mich die mündliche Prüfung“, gesteht die Oberstudienrätin. Sie habe sich gar nicht vorbereitet gefühlt dafür: „Wir haben vorher überhaupt nicht erfahren, wie so eine mündliche Prüfung überhaupt abläuft. Wir wurden einfach ins kalte Wasser geschmissen.“ Ins Mündliche ging Meiswinkel damals mit Erdkunde. „Es lag nicht an dem Fach, sondern wirklich nur an der unbekannten Situation.“ Sie rät Schülern heute, dass man – wenn man sich genügend vorbereitet hat – keine Prüfungsangst haben müsse. Dann könne auch nicht viel schiefgehen.
Bürgermeister Emich ging freiwillig in ein mündliche Prüfung
„Das ist so lange her“, meint Erik Emich (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bruchmühlbach-Miesau. Er hat sein Fachabitur 1995 berufsbegleitend gemacht: „Das war also nicht mit dem üblichen Abiturstress vergleichbar.“ Aufgeregt sei er gewesen, gesteht er, aber Prüfungsangst habe er keine gehabt.
In Mathematik oder Betriebswirtschaftslehre sei er sogar freiwillig in die mündliche Prüfung gegangen: „Da stand ich zwischen zwei Noten und wegen der Vornoten hätte ich die schlechtere bekommen. Das konnte ich aber noch herumreißen“, erinnert sich Emich. Um welches Fach es tatsächlich ging, weiß er jedoch nicht mehr.
Auch der Polizeichef von Landstuhl, Siegfried Ranzinger, hat sein Abitur 1990 in Abendform gemacht und fand die Doppelbelastung auch zur Prüfung noch erträglich: „Mein Dienstherr kam mir da auch sehr entgegen, so dass ich auch mal einige freie Tage hatte.“ Geprüft wurde er in den Fächern Mathematik, Deutsch, Englisch und Betriebswirtschaftslehre. Dabei habe ihm Deutsch am ehesten gelegen. „Aber die anderen Fächer waren auch alle keine Angstfächer“, so Ranzinger.