Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Müllsammelaktion im Gewerbepark bringt Ekliges zum Vorschein

Einen ganzen Berg Müll haben die freiwilligen Helfer am Samstag im Gewerbepark aufgesammelt.
Einen ganzen Berg Müll haben die freiwilligen Helfer am Samstag im Gewerbepark aufgesammelt.

Der Gewerbepark in Sembach ist zum beliebten Treffpunkt für osteuropäische Lkw-Fahrer geworden. Viele verdienen so wenig, dass sie sich ein Hotel nicht leisten können oder das Geld lieber nach Hause zur Familie schicken. Deshalb verbringen sie die Nächte und Wochenenden in ihren Lastern, oftmals auf Parkplätzen entlang der Lindbergh-Allee. Ohne Wasseranschluss, Duschen, Toiletten – und ohne ihre Hinterlassenschaft ordnungsgemäß zu entsorgen. Am Samstag stand eine Reinigungsaktion an.

„Ja, das ist unser größtes Problem“, sagen die knapp 20 ehrenamtlichen Helfer bei der Reinigungsaktion. „Mehr als die Hälfte von allem, was hier gesammelt wurde, stammt von Lkw-Fahrern aus Polen, Litauen und Rumänien.“ Klaus Stemmler und Gemeinderatsmitglied Kurt Mautschke (SPD) ärgern sich gewaltig. „Das ist so eklig, was wir teilweise eingesammelt haben“, schildern sie die Funde der Sammelaktion.

Eine große Menge Wodkaflaschen, Dosen und Gläser nutzten die Fahrer, um sich ihrer Notdurft j zu entledigen. Dies mache beinahe den Großteil des Mülls aus. Plastiktüten, Sperrmüll, Elektroschrott, Corona-Masken, davon vieles auch fälschlicherweise auf der Grünabfallsammelstelle entsorgt, seien ebenfalls ein großer Faktor.

Wenig Hoffnung auf Besserung

Doch wie dem Problem mit den Lkw-Fahrern beikommen? „Das sind arme Kerle. Die wissen ja nicht, wohin“, zeigt Ortsbürgermeister Fritz Hack (SPD) Verständnis für die Situation der Fahrer. Doch im Gewerbepark könne es so nicht weitergehen. Besonders in der Lindbergh-Allee seien bereits 21 Bäume und zwei Lichtmasten entlang der Straße umgefahren worden. „Die Parkplätze sind einfach nicht für Lkw ausgelegt“, meint Mautschke. Stemmler berichtet, dass er bereits Landrat Ralf Leßmeister (CDU) angeschrieben und um Hilfe gebeten habe. Dessen Antwort habe wenig Hoffnung auf Veränderung gemacht.

Eine mögliche Lösung sei, das Befahren des Gewerbeparks lediglich für Anlieger und Anlieferverkehr zu erlauben. Auch das Aufstellen von Abfallcontainern für die Lastwagenfahrer sei angedacht. Es bestünde jedoch die Gefahr der Zweckentfremdung, räumt Stemmler ein. Und wie sieht es mit dem Aufstellen von Miettoiletten aus? Der Ortsbürgermeister hält nicht viel von dieser Lösung. „Das ist nicht so leicht umsetzbar. Da müssten wir alle einhundert Meter eine aufstellen, und das kostet mehrere tausend Euro im Jahr.“

Vorm Sammeln ein Corona-Test

Bevor die Helfer bei der Sammelaktion loslegten, nutzten sie die Möglichkeit, sich an der Drive-in-Teststelle des Arbeiter-Samariter-Bunds (ASB), Ortsverein Sembach, kostenlos auf Corona testen zu lassen. Jeden Samstag von 9 bis 12 Uhr sei dies ohne Anmeldung auf der Freifläche am ehemaligen Tower vom eigenen Fahrzeug aus möglich, erläutert Christine Blaese vom ASB.

Für die Sammelaktion stellte die Ortsgemeinde Handschuhe, Greifzangen und Behältnisse zur Verfügung. Rund eine Tonne Abfall lagen gegen 12 Uhr auf dem Traktoranhänger des Bürgermeisters. Mittels eines Merkblattes informiert die Kreisverwaltung, wie mit den verschiedenen Kategorien an Müll bei Ortsrandreinigungsaktionen verfahren werden soll.

Bevor die Abfälle getrennt entsorgt wurden, gab es belegte Brötchen und Getränke zur Stärkung der Helfer. Und irgendwie hat die ganze Aktion wohl auch Spaß gemacht. Zumindest finden das die drei Kinder, die Gemeinderatsmitglied Thomas Hanke (FWG) und seine Frau Jeannette begleiten. Die Kleinen freuen sich schon aufs nächste Jahr, denn dann wird es wieder eine Reinigungsaktion geben, meint Hack.

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