Sembach RHEINPFALZ Plus Artikel Lebosol: Firmenerweiterung in Sembach ist abgeschlossen

Geschäftsführer Rene Verdaasdonk vor dem gerade fertiggestellten Lebosol-Neubau in der Zeppelinstraße des Gewerbeparkes Sembach.
Geschäftsführer Rene Verdaasdonk vor dem gerade fertiggestellten Lebosol-Neubau in der Zeppelinstraße des Gewerbeparkes Sembach.

Die Firma Lebosol investiert fünf Millionen Euro in die Expansion ihrer Firmengebäude in Sembach. Doch wird gleichzeitig angekündigt: Künftige Produktionserweiterungen sollen nur noch außerhalb Deutschlands getätigt werden.

Salamitaktik, Schikanen und Verzögerungen regten ihn auf, sagt Lebosol-Geschäftsführer Rene Verdaasdonk: „Wenn Behörden nicht in der Lage sind, Sachen korrekt zu erledigen, und ein Fall nur von Schreibtisch zu Schreibtisch gereicht wird, dann platzt mir der Kragen.“ Der Geschäftsführer des Düngemittelherstellers, dem Flexibilität und akkurate, langfristige Planung wichtig sind, musste in den vergangenen drei Jahren einiges an Nerven lassen. Grund dafür ist das mittlerweile beinahe abgeschlossene Bauvorhaben seines Unternehmens am Standort Sembach. Das zog sich seit 2021 hin, und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden gestaltete sich aus Sicht Verdaasdonks äußerst schwierig.

Aber der Reihe nach: Die Lebosol Dünger GmbH ist ein mittelständisches, inhabergeführtes Unternehmen mit mittlerweile rund 130 Mitarbeitern, Firmensitz in Elmstein und drei autonomen Standorten in Sembach. Seit über 30 Jahren produziert Lebosol Blattdünger für die nachhaltige Ernährung von Pflanzen. Die Produkte werden weltweit an die professionelle Landwirtschaft verkauft.

Nicht mit derartigen Verzögerungen gerechnet

„Unsere eigentlichen Kunden sind die Pflanzen“, sagt Verdaasdonk. „Die Kulturen sollen weniger anfällig für Krankheiten werden. Und bei Pflanzen verhält es sich wie beim Menschen: je ausgewogener die Ernährung, desto gesünder.“ Dabei sei die Besonderheit, die Nährstoffe nicht auf das Blatt zu bringen, sondern ins Blatt zu bekommen.

Um dem kontinuierlichen Wachstum und der stetigen Verbesserung in der Forschung und Produktentwicklung gerecht zu werden, beschloss Lebosol 2021 die Erweiterung der Sembacher Firmengebäude. Dass Genehmigungsverfahren und Anträge sich über drei Jahre hinziehen, damit hatte damals noch keiner gerechnet. Hauptproblem war die Belastung der Böden mit PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen), extrem langlebigen Chemikalien, die eine Gefährdung für die Natur und die Gesundheit des Menschen darstellen. Dies ist zurückzuführen auf den Einsatz von Löschschaum auf dem ehemaligen Militärflughafen der US-Amerikaner, auf dem sich der Gewerbepark Sembach befindet.

Vertragsentwürfe gehen hin und her

Lebosol habe die Flächen vor Jahren von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gekauft – zu einem Zeitpunkt, zu dem die PFAS-Belastung noch nicht Gegenstand von Untersuchungen gewesen sei. Dadurch seien die ersten Neubauten von Lebosol auch unproblematisch verlaufen. Mittlerweile sei für früher erworbene Flächen eine etwaige Gewährleistung für Altlasten durch die Bima abgelaufen. Gesetzliche Regelungen, wer fortan in der Verantwortung stehe, fehlten hier. Der Kreis Kaiserslautern habe schließlich einen Baustopp verhängt.

Vertragsentwürfe über die weitere Vorgehensweise seien daraufhin zwischen Lebosol und der SGD Süd (Struktur- und Genehmigungsdirektion) hin und her gegangen. Verdaasdonk, der immer alle Eventualitäten im Auge behalte und abwäge, habe in Anbetracht der möglichen Umweltschäden durch PFAS Verständnis für die langwierigen Verhandlungen gezeigt. Er habe die Notwendigkeit gesehen, wollte aber auch Absicherung. „Ich mag nicht, wenn etwas auf Kante genäht ist. Das macht mich nervös. Ich will in Ruhe schlafen können“, betont der gebürtige Niederländer.

Ende 2022 sei es an einem runden Tisch mit den Verantwortlichen der SGD Süd zur finalen Vertragslegung gekommen. Der Kreis Kaiserslautern sei laut Verdaasdonk froh darüber gewesen, diene dieser Vertrag doch nun als Blaupause für andere derartige Fälle.

Bauanträge bleiben monatelang unbeantwortet

Das Sanierungskonzept lautete: großflächige Versiegelung des Geländes mit Beton, damit eine Versickerung von Regenwasser in den Boden verhindert würde. Doch die Anfang Februar 2023 eingereichten Bauanträge seien vier Monate unbeantwortet geblieben. Dann habe es geheißen, ein Antrag sei in Bearbeitung und der andere sei verschwunden. Seitdem fahre ein Mitarbeiter von Lebosol bei Bedarf angeforderte Papiere zu den Behörden und gebe sie persönlich ab.

Bis im September dann mit den Baumaßnahmen begonnen werden konnte, fühlte sich der Geschäftsführer noch mehrere Male von der Kreisverwaltung schikaniert. Ob fehlende Kopien oder Brandschutz- beziehungsweise Lärmschutzgutachten – alles sei in der Manier der Salamitaktik angefordert worden. Ein Lärmschutzgutachten sei zudem überflüssig gewesen, was die Analyse auch gezeigt habe: Die Lärmspitze sei das Zuschlagen einer Lkw-Fahrertür gewesen. Aufgrund der Verzögerungen habe das Unternehmen größtenteils in den Wintermonaten bauen müssen.

Kreisverwaltung spricht von EDV-Problem

Mit den Vorwürfen konfrontiert, verweist die Kreisverwaltung darauf, dass die Bauabteilung ihrerseits sogar einen Anhörungstermin zwischen Lebosol und der SGD Süd vereinbart habe, um das Verfahren bezüglich der PFAS-Problematik zu beschleunigen. Am Ende der Verhandlungen haben das Sanierungskonzept und der Abschluss des neuen öffentlich-rechtlichen Vertrages zwischen Lebosol und dem Land Rheinland-Pfalz gestanden.

Ein EDV-Problem habe letztendlich zu den Verzögerungen bei der Bearbeitung der Bauanträge geführt, räumt die Pressestelle ein. Diese würden zuständigkeitshalber vom Bauherrn bei der Verbandsgemeinde (VG) Enkenbach-Alsenborn eingereicht. Nach der digitalen Erfassung und dem Erteilen eines Aktenzeichens seien die Bauanträge, wie üblich, auf elektronischem Weg von der VG an die Kreisverwaltung weitergeleitet worden. Ein Softwarefehler bei der Datenübermittlung habe die Bearbeitung aber zunächst unmöglich gemacht. Erst als der Antrag mit den Plänen in Papierform vorlag, habe ein EDV-Dienstleister diese mit den digitalen Unterlagen synchronisieren können, was dann zur finalen Bearbeitung geführt habe.

Produktionsausbau zukünftig im Ausland

Mittlerweile seien – bis auf ein paar Kleinigkeiten – alle Bauarbeiten abgeschlossen, bestätigt Verdaasdonk. Lebosol verfüge jetzt zusätzlich über eine neue Halle für Leergebinde, eine moderne Werkstatt, erweiterte Laborräume inklusive Technikum sowie neue Sozialräume für Mitarbeiter und Lkw-Fahrer. Dass die Neubauten mit Photovoltaik und Wärmepumpen ausgestattet sind, sei für Verdaasdonk eine Selbstverständlichkeit. „Mit den neuen Gebäuden stärken wir unseren Standort in Sembach für Jahrzehnte“, erklärt der Geschäftsführer. Ziel sei es auch gewesen, die Arbeitsbedingungen für jüngere Mitarbeiter attraktiver zu gestalten.

Zukünftig werde man den Produktionsausbau aber dennoch ins Ausland verlagern. Derart langwierige Genehmigungsverfahren und hohe Auflagen trieben die Kosten in die Höhe und gefährdeten die internationale Wettbewerbsfähigkeit. Bei den bereits vorhandenen reinen Lagerstandorten in Bulgarien und Rumänien plane man nun Produktionsstätten. Dies sei auch nötig, um die Arbeitsplätze in Sembach nicht in Gefahr zu bringen. „Wir können irgendwo auf der Welt produzieren, aber von Sembach aus wird es gesteuert“, versichert Rene Verdaasdonk.

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