Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Lautertal: Initiative fordert zuverlässigen Bahnverkehr

Einen verlässlichen Zugverkehr im Lautertal fordert die Klimainitiative „Um(welt)Denken“ aus Olsbrücken: (von links) Lothar Sorg
Einen verlässlichen Zugverkehr im Lautertal fordert die Klimainitiative »Um(welt)Denken« aus Olsbrücken: (von links) Lothar Sorger, Bärbel Kloos und Gerhard Scheer am Olsbrücker Bahnhof.

Nach wochenlangen Ausfällen fahren im Lautertal derzeit zwar wieder ganztags die Züge, aber die Olsbrücker Initiative „Um(Welt)denken“ fordert in einem Offenen Brief an die Bahn „endlich“ eine nachhaltige Lösung. „Und zwar jetzt!“

15.30 Uhr am letzten Donnerstag im Januar: Auf der B270 schiebt sich im beginnenden Berufsverkehr eine lange Fahrzeugkolonne durchs Lautertal. Streckenweise stauen sich die Autos und Lkw vor den Kreiseln. Auf den parallel verlaufenden Gleisen der Lautertalbahn tut sich hingegen gar nichts: Seit 23. Dezember fahren nachmittags ab 14.30 Uhr und abends keine Züge zwischen Kaiserslautern und Lauterecken-Grumbach. Der Grund: Personalmangel im elektronischen Stellwerk in Neustadt.

Bis Ende Januar hieß es daher für die Menschen im Lautertal: aufs Auto umsteigen oder den Schienenersatzverkehr, sprich die Busse, nutzen. „Ein Unding!“, findet Lothar Sorger aus Olsbrücken. Er ist Sprecher der Initiative „Um(Welt)denken“, eine Umwelt- und Klimagruppe, die sich 2024 in Olsbrücken gegründet hat. Der fünfwöchige Ausfall der Lautertalbahn am Nachmittag und Abend war für ihn und seine rund 25 Mitstreiter der Anlass, einen Offenen Brief zu verfassen und eine grundlegende Verbesserung einzufordern. Seit 1. Februar fahren die Züge zwar wieder regulär durchs Lautertal, aber dies ist für Sorger kein Grund, von seinem Forderungen abzurücken, denn er geht davon aus, dass der nächste Ausfall nicht lange auf sich warten lässt. „Die fünf Wochen waren ja kein Einzelfall. Wie haben hier einfach schon seit Jahren keinen zuverlässigen Bahnverkehr mehr. Und es ist nicht wirklich zu erkennen, dass es in Zukunft funktionieren wird“, fürchtet der Olsbrückener, „dass das Lautertal abgehängt wird“.

„Dramen auf dem Bahnhof“

Von allerlei Pannen können auch Sorgers Mitstreiter ein Liedchen singen: „Was ich hier auf unserem Bahnhof schon Dramen erlebt habe!“, berichtet Gerhard Scheer kopfschüttelnd von Bahnreisenden, die in Olsbrücken plötzlich gestrandet sind und nicht mehr weiter wussten. Auch Ortsfremde waren darunter. Schließlich startet hier die „Teufelstour“, ein 15 Kilometer langer Premiumwanderweg, den auch Auswärtige gerne unter den Schnürschuh nehmen. „Um Ausflügler und Urlauber ins Lautertal zu bekommen, sind wir auf die Bahn angewiesen“, findet Scheer, der selbst gerne Touren mit dem E-Bike unternimmt und für weiter entfernte Ziele in seiner Heimatgemeinde erstmal mit dem Rad den Zug besteigt. „Wenn man das Bike bei uns hier überhaupt ins Abteil reinkriegt!“

Denn: Alle Bahnhöfe im Lautertal wurden zwar schon vor Jahren für viele Millionen Euro barrierefrei ausgebaut, doch die auf der Strecke oft eingesetzten betagten Züge passen nicht dazu. „Anfangs fuhren noch neue Züge, die sogar Gemeindenamen wie ,Hirschhorn‘ trugen“, erinnert sich Scheer. „Doch nun sind es schon geraume Zeit nur noch alte vergammelte Schrubber!“ Da bei diesen Fahrzeugen zwischen Bahnsteigkante und Eingangstür ein breiter Spalt klafft, sei es „eine echte Herausforderung, das schwere E-Bike in den Zug zu bekommen“. Das gelte freilich ebenso für Rollatoren, Rollstühle oder Kinderwägen, merkt Mitstreiterin Bärbel Kloos an. Somit seien die umgebauten Bahnsteige für die Passagiere, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, „schlicht wertlos“.

„Lasten gleichmäßig verteilen“

„Sobald es beim Personal oder Material, sprich den Zügen, irgendwo ein Problem gibt, wird die Lautertalbahn zum Lückenbüßer, zur Manövriermasse“, ärgert sich Lothar Sorger darüber, dass bei Engpässen in anderen Teilen des Landes die Verbindungen zwischen Kaiserslautern und Lauterecken ausfielen oder alte Züge eingesetzt würden. „Schwächer frequentierte Strecken wie unsere müssen dann offenbar nach Ansicht der Bahn mit einer Art Selbstverständlichkeit die ,Last‘ tragen“, schimpft der Olsbrückener und fürchtet: „Wenn sich diese Verfahrensweise manifestiert, dann haben wir ein dauerhaftes Problem.“ Seine Forderung: „Wenn die Verantwortlichen nicht in der Lage sind, die beiden Hauptprobleme, Personal und Fahrzeuge, zu lösen, dann müssen die Lasten wenigstens gleichmäßig über alle Strecken verteilt werden.“ Dann, so seine Überzeugung, würde „der notwendige Druck entstehen, damit dauerhafte Lösungen gefunden werden“.

Dass die Lautertalbahn ob ihrer Unzuverlässigkeit von immer weniger Menschen genutzt wird und damit als Strecke immer mehr an Bedeutung verliere, merke man auf der B270: „Wir haben natürlich keine Verkehrszählung gemacht, aber unser Eindruck – und da sind wir nicht alleine – ist, dass der Verkehr merklich zugenommen hat“, sagen die Drei und wissen „von einigen Leuten, die ihr Deutschland-Ticket gekündigt haben“ und wieder aufs Auto umgestiegen seien. „Das Risiko, ob der Zug fährt oder nicht, ist vielen einfach zu hoch.“

Mit Schulklasse gestrandet

Wie das dann im schlimmsten Fall endet, davon kann auch Bärbel Kloos berichten. Sie ist Lehrerin an der Mehlbacher Grundschule. „Um mit den Schülern Ausflüge, zum Beispiel auf die Gartenschau, zu machen, sind wir auf die Bahn angewiesen.“ Wenn diese dann plötzlich ausfällt, sei der Ärger groß: „Wir sind mal von Kaiserslautern mit einer ganzen Schulklasse nicht mehr heimgekommen. Da mussten dann die Eltern ihre Kinder in der Stadt abholen“, erzählt sie und kritisiert: „Sowas geht gar nicht. Die Eltern sind schließlich auch berufstätig und können nicht gerade springen, nur weil der Zug nicht fährt.“ Das sei im Übrigen für viele Berufstätige auch ein Grund, wieder mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, fügt Scheer an. „Zumal die Bahn, wenn sie fährt, auch noch oft unpünktlich ist und Anschlusszüge verpasst werden.“ Nicht jeder Chef habe dafür Verständnis.

„Wir fordern einen verlässlichen Bahnverkehr im Lautertal – jetzt“: Diese Kernbotschaft steht als Überschrift über dem Offenen Brief, den „Um(Welt)denken“ an Katrin Eder, die Mainzer Ministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie und Mobilität, an Maik Dreser, Vorsitzender der Regionalleitung Deutsche Bahn Regio Mitte, sowie an Dietmar Seefeldt und Michael Heilmann von Zweckverband öffentlicher Personennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd, geschickt hat. Darin bewertet die Gruppe die Situation auf der Lautertalstrecke „nicht nur als eine mangelhafte Verkehrsdienstleistung, sondern auch als massive Beschädigung des Projekts Verkehrswende und damit eine weitere vergebene Chance, die Umweltbilanz im Verkehrssektor zu verbessern.“

Schlechte Verträge?

Im Zentrum der Kritik steht die Deutsche Bahn, deren Führungskräfte „sich augenscheinlich damit zufrieden geben, die Situation zu erklären und zu entschuldigen, anstatt ihrer Aufgabe gerecht zu werden, eine ausreichende Personaldecke zu organisieren, um einen stabilen Bahnverkehr sicherzustellen“. Aber auch den Zweckverband klagt die Initiativgruppe an: Dieser sei „offensichtlich nicht in der Lage, die Deutsche Bahn zur Erbringung einer korrekten Dienstleistung zu verpflichten.“ Entweder habe man dort „zu viel unangebrachtes Verständnis“ für die Probleme der Bahn. „Oder man hat schlechte Verträge gemacht, die ein hartes Einfordern der Dienstleistung, etwa mit Konventionalstrafen, nicht ermöglichen.“

Der Brief, in dem die Initiative betont, dass sie aus Umwelt- und Klimaschutzgründen „Freund, nicht Feind der Bahn“ sei, endet versöhnlich – mit der Hoffnung, dass es der Bahn gelingen möge, „mal positive Meldungen zu produzieren“. Und in Erwartung „einer konstruktiven Antwort“ auf den Brief.

Keine Reaktion auf Resolution

Diese steht bislang aus, berichtet Lothar Sorger. Und hofft, dass es der Gruppe besser ergeht als den Bürgermeistern aus dem Lautertal, deren Klage über die Missstände im Frühjahr 2024 unbeantwortet geblieben war, wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, Harald Westrich (SPD), auf Anfrage bestätigt: „Im Februar und März haben wir im Verbandsgemeinderat und nachfolgend in den Ortsgemeinderäten Resolutionen verfasst und an die Bahnspitze verschickt. Eine Reaktion darauf gab es bis heute nicht.“

„Hauptsächlich alte vergammelte Züge“ verkehren auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Lauterecken, kritisiert Gerhard Sche
»Hauptsächlich alte vergammelte Züge« verkehren auf der Strecke zwischen Kaiserslautern und Lauterecken, kritisiert Gerhard Scheer.
Nicht barrierefrei: Zwischen Bahnsteig und Zug klafft bei alten Wagen eine Lücke.
Nicht barrierefrei: Zwischen Bahnsteig und Zug klafft bei alten Wagen eine Lücke.
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