Hochspeyer RHEINPFALZ Plus Artikel Köpfe der Region: Leopold Seeh aus Hochspeyer

Leopold Seeh
Leopold Seeh

Er war ein Pfälzer Jude und begeisterter Heimatfreund. Leopold Seeh verfasste als erster eine Ortsgeschichte von Hochspeyer, deren Manuskript leider verloren ging. Daneben veröffentlichte er zahlreiche Beiträge in der Beilage „Der 7. Tag“ der „Pfälzischen Volkszeitung“, die der Historiker Franz Neumer bearbeitete und 2003 unter dem Titel „Die heimatkundlichen Schriften von Leopold Seeh 1928-1933“ herausgab.

Leopold Seeh wurde am 7. Juni 1873 in Hochspeyer geboren. Seine Eltern waren der Kleinwarenhändler Salomon Seeh und dessen Ehefrau Veronika Rosenbaum. Leopold betrieb in der Trippstadter Straße von Hochspeyer ein Geschäft für Kurz-, Weiß- und Wollwaren und war Vertragshändler der Pfaff-Nähmaschinenfabrik in Kaiserslautern. Seeh heiratete 1895 Johannette Rubel, das Paar hatte vier Kinder.

Politisch engagiert

Der tüchtige Kaufmann genoss großes Ansehen und wurde im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik in den Gemeinderat von Hochspeyer gewählt. Er gehörte der Deutschen Demokratischen Partei an und war Fraktionssprecher einer Verbindung von bürgerlichen Parteien. Neben seiner politischen Tätigkeit engagierte sich Seeh in örtlichen Vereinen. Er war ein frühes Mitglied des Gesangvereins in Hochspeyer und bis März 1933 Schriftführer der Ortsgruppe des Pfälzerwaldvereins.

Als „Pfälzerwäldler“ organisierte Seeh viele geschichtliche Wanderungen in die Umgebung, über die er in der Wochenendbeilage der „Pfälzischen Volkszeitung“ berichtete. Der von Franz Neumer publizierte Sammelband enthält rund zwei Dutzend dieser Artikel und Aufsätze. Es handelt sich um kenntnisreiche und detaillierte Darstellungen zur Heimatgeschichte und Volkskunde, die Seeh anhand von alten Urkunden und mündlichen Überlieferungen erarbeitete.

Grundlagen für Historischen Wanderweg

Der Heimatforscher berichtet über die Beziehungen Hochspeyers zum Kloster Otterberg, über Heidengräber und Grenzsteine, über das Waldgebiet und die Mühle der Grafen von Leiningen. Er schildert Wanderungen durch das Ungertal und das Eistal, rund um den Beilstein und zu den Burgen Frankenstein und Diemerstein. Er beschreibt die Gebiete um Hochspeyer nach allen vier Himmelsrichtungen sowie Queidersberg, Daubenbornerhof und Fischbach. Seine Aufzeichnungen lieferten Hinweise für die weitere Forschung und die Grundlagen für den heutigen Historischen Wanderweg.

Nationalsozialismus setzt jähes Ende

Das verdienstvolle Wirken des Heimatforschers und Kommunalpolitikers fand 1933 durch den Nationalsozialismus ein jähes Ende. Seine Aktivitäten waren unter den neuen Machthabern nicht mehr erwünscht. Seeh stellte selbst fest: „Nun bin ich nur noch ein Jude.“ Seine Kinder wanderten nach Amerika aus. Leopold Seeh starb am 9. Mai 1937 in Hochspeyer, gerade einmal 64 Jahre alt. Sein Grab befindet sich im jüdischen Teil des dortigen Friedhofs und ist mit einer Gedenktafel versehen. Auf Anregung von Franz Neumer wurde zum 130. Geburtstag des ersten Chronisten von Hochspeyer auf dem Kirchplatz ein Findling mit einer gusseisernen Platte gesetzt und ein Eichenbaum gepflanzt.

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