Kreis Kaiserslautern Kurzfristig Versorgung gesichert
Der Rettungshubschrauber, der seit Oktober 2018 von Sembach aus die Westpfalz versorgt, wird bis Ende April weiter dort stationiert sein. Die Johanniter Luftrettung hat mit den Krankenkassen einen Kompromiss zur Finanzierung gefunden. Danach soll für eine weitere rund einjährige Übergangszeit ein Anbieter für den Betrieb gefunden werden, bis ab frühestens April 2020 eine dauerhafte Lösung für die Westpfalz vom Land vorgesehen ist.
Bis Ende April bleibt erst einmal alles wie bisher: Die Johanniter fliegen mit ihrem „Air Rescue Pfalz“ ab dem Gewerbegebiet Sembach Rettungseinsätze und transportieren Intensivpatienten zwischen den Standorten des Westpfalz-Klinikums. Sie hatten angekündigt, den Betrieb Ende Februar einzustellen, wenn die Finanzierung nicht gesichert werde. (Wir berichteten am 14. Januar.) „Wir haben uns mit den Kostenträgern für die Übergangszeit auf einen Kompromiss geeinigt“, sagt Günther Lohre, Geschäftsführer der Johanniter-Luftrettung. Zwar bekommen sie immer noch nicht den vom Landesgesetz vorgeschriebenen Satz von 66 Euro pro Stunde, „aber wir können die Leute ja nicht im Stich lassen – der Hubschrauber wird ja gebraucht.“ Genau das ist für Landrat Ralf Leßmeister (CDU) eine Tatsache, das Land will jedoch ein Gutachten dazu erstellen. „Der Bedarf ist durch die Einsatzzahlen bewiesen!“, konstatiert Leßmeister: In den ersten 90 Tagen flog der Hubschrauber 220 Einsätze, also 2,5 täglich, rechnete Lohre vor. Alle Einsätze seien indiziert, bekräftigt Erste Kreisbeigeordnete Gudrun Heß-Schmidt (CDU), dass der Hubschrauber nur bei echten Notfällen fliegt. Da das Land vor einem dauerhaften Einsatz eines Rettungshubschraubers in der Westpfalz die Bedarfsanalyse abwarten will, muss für eine Übergangszeit ein Anbieter gefunden werden. Ausschreiben darf das Land jedoch nicht temporär, weil die Summe zu hoch wäre, erläutert der Landrat. „Umgangen wird diese Regelung, indem eine Konzession an einen Luftretter vergeben wird und jener sich dann mit den Kassen auf die Finanzierung einigt“, erklärt er den Kniff dieses Bieterwettbewerbs. Diese Interimslösung soll bis Ende März 2020, verlängerbar um drei Monate, gelten. Vor dessen Ablauf will das Land dann den Betrieb dauerhaft europaweit ausschreiben. „Sofern die Bedarfsanalysen zu einem positiven Ergebnis führen“, wie das Innenministerium einschränkt. Nicht nur das Gutachten, das den Bedarf eruieren soll, sorgt bei Leßmeister für Unverständnis, sondern auch die fehlende Zusage des Ministeriums, dass der Hubschrauber – sollte er denn dauerhaft kommen – im Rettungsbezirk Kaiserslautern stationiert wird. „Staatssekretär Stich hat mir zwar mündlich zugesagt, dass er dies unterstützt; aber eine verbindliche Zusage, dass der Hubschrauber tatsächlich hier stationiert wird, gibt das Ministerium nicht“, beklagt er. Lediglich bis zum Ende der Interimslösung in gut einem Jahr ist dies festgelegt. Doch Leßmeister und Heß-Schmidt betonen: Genau hier um die Leitstelle Kaiserslautern wäre der geeignete Standort, woanders wäre die Versorgung der Patienten nicht optimal abgedeckt. „Legt man die Radien der vorhandenen Rettungshubschrauber übereinander, sieht man genau hier einen weißen Fleck“, demonstrieren die beiden. Darin seien sich auch alle drei Landräte einig, spricht Leßmeister für seine Kollegen Otto Rubly (CDU) aus Kusel und Rainer Guth (parteilos) aus dem Donnersbergkreis. Es gebe keine internen Kämpfe um den besten Standort innerhalb der Westpfalz, im Gegenteil. „Sembach hat sich als ideal erwiesen.“ Der anfänglich gehandelte Standort Imsweiler im Donnersbergkreis liege dagegen „erstens zu nördlich, um das Saarland mitzuversorgen, und zweitens ist die Infrastruktur ungenügend“, zählt Leßmeister auf. Zudem habe man in Kaiserslautern das notfallmedizinische Personal und erprobte Strukturen. „Wo der Standort letztlich sein wird, hängt auch von der Ausschreibung ab“, macht Leßmeister die Verantwortung des Landes deutlich. Und fügt hinzu: „Man wäre ja mit dem Klammerbeutel gepudert, würde man einen erprobten, funktionierenden Hubschrauber abziehen!“ Dass dies bevorzugt ein leistungsstarker Intensivtransporthubschrauber (ITH) wie der jetzige, in dem die Patienten schon während des Fluges behandelt werden können, sein sollte, auch daraus machen die beiden keinen Hehl. Unverständlich bleibt ihnen auch die Routingzeit für den „Air Rescue Pfalz“. „Die Routingzeit ist die Zeit, die der Hubschrauber fürs Warmlaufen und die Besatzung bis zum Abheben braucht“, erläutert Heß-Schmidt. Gewöhnlich rechnet man vier Minuten; analog zu dem unter ähnlichen Vorzeichen gestarteten Hubschrauber am Nürburgring bekam der Pfälzer „einen Aufschlag von zehn Minuten“. „In der Leitstelle wird diese Zeit angegeben; aber die zehn Minuten werden wieder rausgerechnet – damit nicht tatsächlich ein weiter entfernter Hubschrauber startet, der länger braucht!“, beruhigt sie. Dass der Hubschrauber keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung zu bodengebunden Rettungen sei, versichert Leßmeister. „Ja, wir haben viele Notarzt-Abmeldungen“, gibt Heß-Schmidt zu; das liege an der in Rheinland-Pfalz schlechten Bezahlung im Vergleich zu den Nachbarländern. „Ein Notarztsicherstellungsvertrag wäre nötig, den wir seit Jahren wollen, aber die Akteure nicht kriegen“, sagt Leßmeister. „Die Kassen müssten den Kliniken, die Ärzte stellen, mehr zahlen. Das Land ist hier gefordert.“