Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kundgebung zum Jahrestag der Abschiebung von Zhasmin

60 Teilnehmer waren bei der Kundgebung am Busbahnhof erlaubt.
60 Teilnehmer waren bei der Kundgebung am Busbahnhof erlaubt.

Vor einem Jahr wurde Zhasmin Petrosian zusammen mit ihrer Familie nach Russland abgeschoben. Der Schock und der Schmerz sitzen bei ihrer ehemaligen Schulgemeinschaft des Ramsteiner Reichswald-Gymnasiums immer noch tief. Anlässlich des Jahrestages am Donnerstag haben die Schüler am Busbahnhof zu einer Kundgebung unter dem Namen „ Deutschland ist Zhasmins Zuhause“ aufgerufen.

Die Kreisverwaltung hatte unter Einhaltung der Coronavorgaben 60 Teilnehmer für die Veranstaltung erlaubt. Jasmin Schmidt (17) und Paula Schording (17) leiteten in ihrer Funktion als Schülersprecher die Kundgebung. Schmidt erinnerte an die Unterschriftenaktionen und die Unermüdlichkeit der Schulgemeinschaft beim Sammeln von Unterschriften für eine Rückkehr ihrer Klassenkameradin. „4200 Unterschriften sollten am 13. März in Berlin dem Petitionsausschuss übergeben werden. Corona machte leider dem Vorhaben ein Ende“, sagte Schmidt.

Die Kinder sprechen akzentfrei Deutsch

Ramstein-Miesenbachs Bürgermeister Ralf Hechler hatte sich um das Wohl der Kinder und der Familie bemüht, die zehn Jahre in der Gemeinde lebten. „Wenn auch die Eltern einige Fehler machten, so ist es doch schwer verständlich, dass die Kinder, die hier total integriert waren, dieses nun büßen müssen“, meinte er bei der Kundgebung. „Den kleinen Leo hatte ich vier Jahre als Trainer betreut und zu den Spielen immer zuhause abgeholt. Die Kleinste war im Montessori-Kindergarten und die Mutter hatte nach einem erfolgreichen Sprachkurs eine Ausbildungsstelle bekommen, die sie jedoch ohne Aufenthaltserlaubnis nicht antreten durfte.“ Die Kinder sprächen akzentfrei Deutsch. Zhasmin sei drei Jahre alt gewesen, als sie nach Deutschland kam. Mit 14 Jahren wurde sie abgeschoben. Das Verfahren habe sich über zehn Jahre hingezogen, betonte Hechler. „Auch wenn die Abschiebung rechtlich in Ordnung war, hat sie mich persönlich betroffen gemacht und menschlich in der Gemeinde schwere Gräben aufgeworfen. Alle politischen Gruppierungen in der Gemeinde hatten auch mit Hilfe von Mitgliedern des Bundestages versucht, die Abschiebung rückgängig zu machen“, sagte Hechler weiter.

Freundinnen berichten: Zhasmin ist verzweifelt

Sehr emotional und tränenreich wurde es auf der kleinen Bühne, als Sophie Altherr und Lisa Wirschke, die besten Freundinnen von Zhasmin, über ihre häufigen Kontakte per Telefon mit ihr berichteten und wie sehr sie verzweifelt sei. Denn ohne Russischkenntnisse sei sie völlig der Willkür der Lehrkräfte dort ausgesetzt. Ein wenig Hoffnung in der Angelegenheit konnte Jochen Meier verbreiten. Der ehemalige Verbindungslehrer versucht momentan zusammen mit Landrat Ralf Leßmeister und der Beigeordneten Gudrun Heß-Schmidt, einen Schüleraustausch zu ermöglichen, der für Zhasmin die Möglichkeit schaffen würde, ihr Abitur in Ramstein zu machen. Michael Strake, Lehrer im Ruhestand und bei Pax Christi aktiv, berichtete über die Bemühungen kirchlicherseits. „Die Übergabe der Unterschriftenliste in Berlin dürfte ebenfalls in den nächsten Wochen möglich werden“, hob Meier hervor . „Wir kämpfen weiter für Zhasmin“ war die Devise zum Ende der Veranstaltung.

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