Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Krimirätsel: Kommissar Wolfram Tannenberg und ein Münzexperte

Mit dem Wissen über Münzen geprahlt: Etwas stimmt nicht an der Geschichte von Karl Greiner. Foto: Franzinger
Mit dem Wissen über Münzen geprahlt: Etwas stimmt nicht an der Geschichte von Karl Greiner.

„Guten Morgen, Wolf“, begrüßte Michael Schauß seinen Vorgesetzten. „Ich habe hier etwas, das dich sicherlich sehr interessieren wird“, schmunzelte der junge Kommissar, während er mit einem Blatt Papier vor Tannenbergs Nase herumwedelte.

„Und was ist das?“, antwortete der Leiter des K 1 mit gequältem Gesichtsausdruck, schließlich war er ein leidenschaftlicher Morgenmuffel.

Schauß’ Grinsen wurde noch breiter. „Eine Anzeige wegen Körperverletzung.“

„Ja und? Was soll ich damit? Wir sind die Mordkommission, falls du das nicht gemerkt haben solltest“, kam es geknurrt zurück.

„Das hier wird dich trotzdem interessieren.“ Michael Schauß zog die Brauen hoch und legte dem Leiter des K 1 das ausgefüllte Formular auf den Schreibtisch. „Bei dem Beschuldigten handelt es sich nämlich um keinen geringeren als deinen werten Herrn Vater.“ „He?“ „Ja, mein lieber Wolf, dein alter Herr wird der vorsätzlichen Körperverletzung bezichtigt.“ Michael machte auf dem Absatz kehrt. „Wer hätte das gedacht, wo er doch ein so ein netter alter Mann ist“, sagte er über die Schulter hinweg.

Tannenbergs Vater wurde wegen Körperverletzung angezeigt

Der Chef-Ermittler traute seinen Augen nicht. „Jacob Tannenberg wird bezichtigt, den Rentner Karl Greiner, wohnhaft in Erlenbach …“, murmelte er vor sich hin. Dann sprang er wie von einem Katapult geschossen in die Höhe, schnappte sich seine Jacke und stürmte an seiner verdutzten Sekretärin vorbei ins Treppenhaus.

Genau acht Minuten später traf er hechelnd wie ein erfolgloser Jagdhund in der Küche seiner Eltern ein. Der vermeintliche Übeltäter saß am Küchentisch und löste in aller Seelenruhe ein Kreuzworträtsel.

„Sag mal, bist du wahnsinnig geworden?“, stieß Tannenberg mit sich überschlagender Stimme aus. Wutschnaubend knallte er die Anzeige auf das Kreuzworträtsel. Doch Jacob zuckte noch nicht einmal mit der Wimper, sondern schob kommentarlos das Blatt zur Seite. „Hast du dazu denn gar nichts zu sagen?“ „Nee“, kam es einsilbig zurück.

Sein Sohn grunzte wie der steinalte Keiler im Kaiserslauterer Wildpark. „Warum bist du nach Erlenbach gefahren und hast einem gewissen Karl Greiner mit einem brutalen Faustschlag das Nasenbein gebrochen?“

„Na, warum wohl, Junior?“, erwiderte Jacob und fügte auch gleich die Antwort hinzu. „Weil er es verdient hat.“

Wolfram Tannenberg blies die Backen auf und schüttelte den Kopf. Dann ermahnte er sich zur Gelassenheit. „Und warum hat er es deiner Meinung nach verdient?“, schob er bedeutend unaufgeregter nach. „Weil er mich unglaublich genervt hat.“ „Und warum hat er dich unglaublich genervt?“, setzte der Kriminalbeamte nach.

Dem Kommissar ist die Anzeige ungemein peinlich

„Weil er deinen Vater provoziert hat“, mischte sich Margot ein.

Tannenberg stemmte die Hände in die Hüften. „Also dir hat er die Geschichte erzählt.“ Seine Mutter nickte. „Und warum hat dein Mann mir gegenüber kein Sterbenswörtchen darüber verlauten lassen?“, wollte Tannenberg wissen. Er raufte sich die Haare. „So was Peinliches“, empörte er sich. „Meine Kollegen lachen sich schlapp!“

„Jetzt mach aber mal halblang, Junior“, blaffte Jacob. „Erstens hab ich gar nicht gewusst, dass ich ihm derart eins auf die Nuss gegeben habe und zweitens konnte doch niemand wissen, dass dieses Weichei gleich Anzeige erstattet.“

Sein Sohn konnte sich nicht beruhigen „Mann, Mann, Mann, ist das so megapeinlich!“, zeterte er, während er wie Rumpelstilzchen durch die gemütliche Wohnküche seiner Eltern stapfte.

„Dieser Kerl hat deinen Vater unheimlich provoziert“, riss Margot erneut das Wort an sich.

„Und womit?“

Jacob machte eine wegwerfende Handbewegung. „Er hat im Tchibo rumgetönt, dass er der größte Münzexperte weit und breit sei.“

„Na und?“

„Ich hab ihm nur ein paar Fragen gestellt.“

„Zum Beispiel?“, wollte der Ermittler wissen.

„Zum Beispiel hab ich ihn gefragt, welche Währung auf einer Münze steht, die er aus den folgenden fünf europäischen Ländern, nämlich Dänemark, Schweden, Norwegen, Schweiz und Großbritannien mit nach Hause bringt.“ „He?“ Jacob klopfte sich feixend auf die Schenkel. „Der hat genauso blöd geklotzt wie du gerade.“ Er räusperte sich. „Und dann hat er in einem derart arroganten Ton geantwortet, als ob ich nicht mehr alle Tassen im Schrank hätte: Euro natürlich, hat er gesagt.“

Tannenberg senior spricht von reiner Notwehr

„Ja, und dann?“

„Dann habe ich ihm zu Hause einen Überraschungsbesuch abgestattet und wollte mir seine exklusive Münzensammlung anschauen. Aber die hatte er natürlich nicht vorzuweisen, dafür ist er gleich ziemlich pampig geworden. Und als er mich am Schlafittchen gepackt hat, habe ich ihm eins auf sein Lügenmaul gegeben. Das war reine Notwehr, Herr Hauptkommissar.“ Jacobs Grinsen ging von einem Ohr zum anderen. „Dabei habe ich natürlich vorher schon gewusst, dass er ein elender Aufschneider ist, der nicht die geringste Ahnung von Münzen hat.“

„Woran hast du das gemerkt?“, fragte sein Sohn.

„Diese Frage beleidigt meine Intelligenz, Junior.“ Jacob nahm den Kugelschreiber auf und wandte sich wieder seinem Kreuzworträtsel zu. „Und so einer ist bei der Polizei“, grunzte er abschätzig.

Lösen Sie den Fall

Was meint Jacob? Schicken Sie uns Ihre Antwort per Post an DIE RHEINPFALZ, Redaktion „Marktplatz regional“, Pariser Straße 16, 67655 Kaiserslautern oder per E-Mail an redkai@rheinpfalz.de oder per Fax an die Nummer 0631/3737246. Einsendeschluss ist Donnerstag, 11. Juli. Unter allen richtigen Einsendungen verlosen wir Bernd Franzingers Roman „Pilzsaison“.

Lösung Juni

Freddy Kühn meinte im vergangenen Mordfall auf der sicheren Seite zu sein, weil er sich für den Tatzeitraum ein falsches Alibi verschafft hatte. Die Presse wurde jedoch noch nicht über die Straftaten und den Tatzeitraum informiert. Folglich kannte nur der Täter den genauen Tatzeitpunkt. Gewonnen hat Joachim Merz aus Enkenbach-Alsenborn.

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