Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kriegsende im Landkreis Kaiserslautern: Bombenangriff auf Miesenbach

Das Rathaus auf der rechten Straßenseite – hier ein Foto aus dem Jahr 1950 – war wohl das Ziel der Bomben. Getroffen wurde aber
Das Rathaus auf der rechten Straßenseite – hier ein Foto aus dem Jahr 1950 – war wohl das Ziel der Bomben. Getroffen wurde aber ein Wohnhaus, das einst hinter dem Gebäude auf er linken Straßenseite stand.

Das Kriegsende im Landkreis: 15. März 1945, 8.35 Uhr: Bomben fallen auf Miesenbach. Zahlreiche Tote und Verletzte hatte die Gemeinde kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges dadurch zu beklagen. Im „Historischen Lesebuch“ schildern Zeitzeugen, was damals geschah.

In vielen Gemeinden gibt es vom Kriegsende keine oder kaum verlässliche Textquellen. Zahlreiche Einzelschicksale sind nach 75 Jahren in Vergessenheit geraten. Zeitzeugen, die darüber noch berichten könnten, leben nur noch wenige. So ist es für die lokale Geschichtsschreibung von großer Bedeutung, wenn diese Erlebnisse einzelner Familien rechtzeitig gesammelt und niedergeschrieben wurden. In Miesenbach hatte vor rund 15 Jahren Gerhard Schirra diese Arbeit unternommen. Anlässlich der 750-Jahr-Feier des Ortes veröffentliche Lothar Röhricht im Jahr 2005 ein „Historisches Lesebuch“, in dem viele Miesenbacher zu Wort kamen und so einen Teil der Historie des Ramstein-Miesenbacher Stadtteils der Nachwelt erhalten haben.

Gerhard Schirra war einer der Autoren. „Bittere Stunden“ überschrieb er den Artikel über jene Zeit, in der auch in Miesenbach Bomben fielen. Dabei ließ er zahlreiche Zeitzeugen und Betroffene zu Wort kommen, von denen viele mittlerweile verstorben sind. Die Erzählungen schildern Einzelschicksale, die in jenen Märztagen 1945 in vielen westpfälzischen Gemeinden so oder ähnlich ebenfalls vorgekommen sind.

Bewohner hatten Erdstollen angelegt

„Miesenbach selbst, der Ort, war aber bisher von kriegerischen Auseinandersetzungen und damit verbundenen Zerstörungen verschont geblieben“, schreibt Schirra einleitend. Zwar sei bereits ein nächtlicher Angriff eines Bomberverbandes erfolgt gewesen, doch hätten die Bomben den Ort verfehlt und keinen Schaden angerichtet. Die Bewohner hatten an drei Stellen Erdstollen angelegt, die Teilen der Bevölkerung Schutz bieten sollten.

„Zwei Tagesereignisse waren es dann, die Tod und Zerstörung in den Ort hinein trugen.“ Mit diesen Worten beginnt der Autor die Schilderungen der Zeitzeugen über die Bombenangriffe, von denen der erste bereits am 19. Februar 1945 erfolgte und an mehreren Häusern Schäden verursachte, jedoch keine Menschenleben forderte. Ganz anders gestalteten sich die Fliegerangriffe am 15. März 1945, vier Tage vor dem Ende der Kampfhandlungen in dieser Region. Von den folgenden detaillierten und umfangreichen Darstellungen, bei denen über hohe Sachschäden und zahlreiche Todesopfer und Verletzte an unterschiedlichen Stellen des Ortes berichtet wird, sei hier eine exemplarisch herausgegriffen.

Angriffe beginnen gegen 8.35 Uhr

Begonnen hatten die Angriffe gegen 8.35 Uhr, beschreibt Schirra eine Szenerie in der Kottweiler Straße. Durch einen Bombenvolltreffer im östlichen Teil wurde das Wohnhaus völlig zerstört und unbewohnbar. Nur Scheune und Stall blieben beschädigt stehen. Glücklicherweise überlebten alle Bewohner den Angriff unverletzt. Durch eine zweite Bombe wurde die Wasserleitung in der Kottweiler Straße durchtrennt. Das gegenüberliegende Rathaus trug so schwere Schäden davon, dass es für den Dienstbetrieb nicht mehr nutzbar war. Eine dritte Bombe schlug bei einem Anwesen in der Mackenbacher Straße ein und verfehlte das Wohnhaus nur knapp. Das Dach der an das Wohnhaus angebauten Scheune stürzte ein. Die weiteren in der Nähe liegenden Gebäude trugen leichtere Schäden davon.

„Etwa gegen 8.30 Uhr war ein Bomberverband aus Richtung Steinwenden/Kottweiler auf Miesenbach angeflogen“, schildert die damals 21-jährige Tochter des Hausbesitzers, Lina Lang, geborene Kleemann. „Da kurz zuvor eine Warnmeldung durchgegeben worden war und immer gesagt wurde, im Keller sei man sicher, eilten meine Mutter, meine Großmutter und meine Schwester Anneliese in diesen. Meine ältere Schwester Else verblieb im Obergeschoss unseres Hauses; sie lag nämlich mit Fieber im Bett.“

Mitsamt dem Bett aus Fenster in den Hof geschleudert

Beim Überflug seien zwei Bomben ausgeklinkt worden, von denen eine das gesamte Wohnhaus zum Einsturz gebracht habe. Die zweite Bombe habe unmittelbar daneben in der Kottweiler Straße einen tiefen Krater gerissen und die Hauptwasserleitung zerstört, sodass innerhalb kurzer Zeit alles überflutet gewesen sei, beschrieb Lang. „Meine ältere Schwester Else lag ja noch in ihrem Bett im Obergeschoss. In ihrem Zimmer befand sich eine Dachgaube mit Fenster zur Hofseite. Durch die Druckwelle wurde meine Schwester mitsamt ihrem Bett in den Hof geschleudert. Dort kam dieses zum Stehen. Sie selbst lag immer noch darin. Wie durch ein Wunder wurde sie dabei nicht ernstlich verletzt.“

Zu diesem Zeitpunkt befanden sich noch Soldaten in Miesenbach. Einer davon war Karl Nonnenmacher aus Singen/Hohentwiel in Baden-Württemberg. „Er beobachtete den Bombenabwurf und die Zerstörung unseres Hauses. Als er erkannte, dass zudem die Hauptwasserleitung getroffen war und alles unter Wasser setzte, rannte er schnell zu unserem zusammengefallenen Haus. Durch einen Mauerdurchbruch kroch er dann in den Keller. Meine Mutter und Großmutter fand er auf dem Boden liegend, aber unverletzt. Sie konnten sich dann selbst auf dem gleichen Weg ins Freie retten. Nachdem er einige Balken zur Seite geräumt hatte, konnte er meine Schwester Anneliese aus dem Schutt herausziehen. Anschließend brachte er auch sie durch die Luke aus dem Keller. Keine Minute zu früh, denn das hereinströmende Wasser der zerstörten Wasserleitung überflutete diesen Augenblicke später.

Nach wie vor zu Retter Kontakt

Die gerettete Schwester Anneliese ergänzt in dem Miesenbacher Heimatbuch die Schilderungen: „Zu dem Soldaten, dem ich mein Leben verdanke, haben wir nach dem Krieg Verbindung aufgenommen. Sowohl wir als auch er haben uns gegenseitig auch mehrmals besucht. Natürlich haben wir auch regelmäßig telefonischen Kontakt zueinander“, berichtete sie 2005. Immer, wenn sie ihn angerufen und gefragt habe, wer denn am Telefon sei, habe er in seinem schwäbischen Dialekt geantwortet: „I werd’ doch mei klein’s Mädle net vergesse!“

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