Kaiserslautern
Kreisbauernverbandsvorsitzender Jürgen Vogelgesang zu den Nachtfrösten
In den Gärten und im Stadtgrün zeigt sich der Frost der vergangenen Tage mit matschigen Blütenständen. Das war es dann also mit der Pracht an Magnolie, Kirsche und Co. Dort wo es die bereits geöffneten Obstblüten kalt erwischt hat, werden die Bäume wohl in diesem Jahr keine Früchte tragen.
„Bei uns in der Region ist es sicher nicht ganz so dramatisch, wie bei unseren Obstbaukollegen in der Vorderpfalz oder Rheinhessen“, ordnet Jürgen Vogelgesang, Vorsitzender im Kreisbauernverband Kaiserslautern, den Frost der letzten Nächte ein. Zwar habe es hier auch einige Obstbäume getroffen, vor allem die Kirschblüte, oder auch einige Pflaumen seien schon weit gewesen, aber das sei nicht vergleichbar mit den doch leicht milderen und deshalb in der Vegetation schon weiter fortgeschrittenen Regionen.
Den Winterraps hat es zum Teil erwischt
Auf dem Acker hat es in der Westpfalz auf einigen Standorten den Winterraps frostig erwischt. „Da waren die Stängel schon hochgewachsen, teils war bereits die Blütenknospe angesetzt“, sieht Vogelgesang die Gefahr, dass vor allem die Stängel durch den Frost aufgeplatzt sind. Wie es sich auswirkt, das kann er noch nicht sagen. „Das kommt immer darauf an, wie es witterungsbedingt weitergeht. Sicherlich ist der Raps aber nun anfälliger gegen Krankheiten und Schädlinge.“
In diesem Jahr hängt laut dem Bauernverbandsvorsitzenden die Vegetationsentwicklung im Vergleich zu den Vorjahren hinterher. Nach dem Frost durchaus vorteilhaft. Der Mais ist noch gar nicht ausgesät, da kann kein Minusgrad was ausrichten. Die Zuckerrübensaat ist zwar draußen, aber in den allermeisten Fällen noch gut unter der Erde. Gleiches gilt für die Kartoffeln. „Da passiert nichts“, sagt Vogelgesang.
Natur kann wieder aufholen
Ansonsten hat aus seiner Sicht die Natur, bevor sie so richtig explodiert, erst noch einmal eine Vollbremsung gemacht. Wenn auch das Getreide genau wie das Gras auf Wiesen und Weiden einen „Dämpfer“ erhalten hat, das kann die Natur locker wieder aufholen. Da ist sich der Bauer sicher, allerdings nur wenn der Wetterfrosch den Regen nicht vergisst. So hofft Jürgen Vogelgesang auf warmen Landregen. „Warmer Landregen ist für die Natur der goldene Bringer“, verdeutlicht der Landwirt, dass noch immer viel zu wenig Wasser im Boden ist.
Da stimmt die alte Bauernregel „Regen im April, jeder Bauer will!“ ziemlich genau. „Sicher, das passt, wir sind Regen gegenüber wirklich sehr wohlgesonnen“, lacht Vogelgesang und gibt zu, dass er durchaus ein Auge und ein Ohr für die alten Bauernregeln hat. Hier handle es sich immerhin um Aufzeichnungen über Jahrhunderte hinweg, das sei schon interessant, aber gerade in den vergangenen Sommern immer weniger zutreffend.
In alten Bauernregeln steckt ein Kern Wahrheit
Realistisch stellt der Bauer zudem fest, dass es dem Wetterdienst kaum gelingt, eine Prognose für die nächste Woche abzugeben, da könne eine Aufzeichnung über Jahrhunderte kaum treffsicher sein. Allerdings an manchen der überlieferten Regeln stecke etwas, was bis heute die Landwirte bewege. Dazu zählt für Jürgen Vogelgesang auch die alte Bauernweisheit „Fröste zu Anfang April bringen den Teufel ins Spiel!“.
„Frost ist im Frühjahr bei keinem von uns willkommen. Nie. Wenn wir im Wetterbericht die Vorschau betrachten und Frost wird angekündigt, da läuft es zumindest mir schon schaurig den Rücken runter“, unternimmt der Martinshöher Bauer einen Versuch zu erklären, was die Bauernzunft aus früheren Zeiten hier mit dem Teufel gemeint hat. Wer nach dem jüngsten Geschehen, die zerstörten Blüten in seinem Garten ansehen muss, der hat vielleicht ja auch den leisen Fluch „Teufel nochmal“ auf den Lippen.