Kreis Kaiserslautern
Kreis Kaiserslautern kommt trotz vieler Einsätze bei Orkan „Sabine“ glimpflich davon
Im Dauereinsatz waren die Wehrleute im Gebiet der früheren Verbandsgemeinde (VG) Kaiserslautern-Süd: „An Schlaf war in dieser Nacht nicht zu denken. Besonders die Trippstadter Wehr hatte viel zu tun, unterbrach das Freischneiden aber zwischenzeitlich, weil es im Wald in der Nacht zu gefährlich wurde“, berichtete Wehrleiter Thomas Jung. Während es im Bereich der alten VG Landstuhl bei zwölf Einsätzen blieb, mussten die Brandschützer in den waldreichen Gebieten der VG Kaiserslautern-Süd 50-mal ausrücken, vor allem um umgestürzte Bäume zu beseitigen, die Straßen blockierten oder Stromleitungen zerrissen hatten. „Auch die Pfalzwerke waren massiv aktiv“, so Jung.
Viele Stunden ohne Strom
Denn der Sturm hatte mit Ausnahme von Queidersbach in allen Gemeinden der früheren VG für Stromausfälle gesorgt, die teils erst am Montagmorgen behoben werden konnten. „Das bedeutete für uns, dass in diesen Gemeinden die örtlichen Feuerwachen durchgängig besetzt gehalten werden mussten, um bei Sturmschäden oder anderen Notfällen als Anlaufstelle zu dienen.“ Diese Regel gelte immer dann, wenn in einer Gemeinde der Strom länger als 30 Minuten ausfällt, informiert Jung über eine in der Bevölkerung wenig bekannte Praxis. „Das ist bei uns Wehrleuten gang und gäbe, aber viele Leute wissen nichts davon.“
Pferde in Sicherheit gebracht
In der VG Ramstein-Miesenbach gab es nach Auskunft von Wehrleiter Thomas Preis zahlreiche Einsätze: Bäume waren umgestürzt, Trampoline waren weggeweht und Gartenhäuser wurden beschädigt. Siebenmal mussten die Helfer der Freiwilligen Feuerwehr Bruchmühlbach-Miesau in der Nacht ausrücken: Die Wehrmänner brachten mehrere Pferde von einer Koppel in Miesau, um die Tiere vor einer Plane zu schützen. Diese hatte sich von dem danebenliegenden Feld gelöst und flog durch die Gegend. In Lambsborn und in Martinshöhe gab es mehrere Stromausfälle. In Elschbach, Lambsborn und Gries mussten die Helfer etliche Straßen von umgestürzten Bäumen befreien.
Gartenhäuschen davongeweht
Auf 20 Einsätze bis Montagmittag kam die Feuerwehr in der VG Otterbach-Otterberg. Diese hätten sich über die ganze VG verteilt abgespielt, berichtete Wehrleiter Matthias Apfelbeck. Auch die Einsatzzentrale in Otterbach sei von Sonntagabend bis am Montag gegen 11 Uhr besetzt gewesen. Das Spektrum reichte von umgestürzten Bäume und größeren Ästen, die Straßen wie die L382 zwischen Niederkirchen und Schallodenbach blockierten, bis zu einem umgekippten Werbeschild und einem umgefallenen Bauzaun in Olsbrücken. Im Otterbacher Ortsteil Sambach hatte sich ein Gartenhaus selbstständig gemacht, kurz nach 3 Uhr in der Nacht zu Montag stand es auf der B270. Die Feuerwehr sicherte die Stelle ab und brachte das rund 20 Quadratmeter große Häuschen zurück auf sein angestammtes Grundstück. Damit es nicht wieder vom Wind weggetragen wird, wurde es mit Steinen beschwert. Direkt neben der Otterbacher Wache gab es ebenfalls einen Einsatz: Auf dem Dach der Hackschnitzelanlage waren mehrere Bleche lose, denen per Drehleiter zu Leibe gerückt wurde. Auch wenn die Feuerwehrleute gut zu tun hatten, meinte Apfelbeck: Im Hinblick auf das, was angekündigt worden war, sei alles noch glimpflich abgelaufen: „Es gab auch keine großen Schäden.“
Weniger Arbeit in der VG Weilerbach
Nicht so stark gefragt wie ihre Kollegen in anderen Teilen des Landkreises waren die Feuerwehrleute in der VG Weilerbach. Genau drei Einsätze hatten sie bis Montagnachmittag zu bewältigen. Die fanden alle am Sonntagabend statt, ab etwa kurz nach 21 Uhr. „Bis 22 Uhr waren alle wieder zuhause“, berichtete Wehrleiter Udo Strasser. In der Rodenbacher Baumschulstraße waren zwei Bäume Opfer des Sturms geworden – einer davon fiel auf ein Haus, aber laut Strasser ohne größere Schäden anzurichten. Und in Mackenbach, am Dansenberg, mussten Baustellen-Schilder eingesammelt werden. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“, stellte der Wehrleiter fest.
Stromausfälle auch in Neuhemsbach
Eine weggewehte Plane, mit der ein Haus in Sembach zum Teil abgedeckt gewesen war, und die Beseitigung mehrerer umgestürzter Bäume hielt die Wehrmänner in der VG Enkenbach-Alsenborn auf Trab, informierte Wehrleiter Thorsten Erlenbach. Zudem war gegen 20.30 Uhr in Neuhemsbach der Strom ausgefallen, weil mehrere Bäume auf Stromleitungen gestürzt waren, informierten die Pfalzwerke. Bis auf zwei Haushalte waren die Neuhemsbacher aber bis gegen 1 Uhr nachts wieder am Netz. Weil an den zwei betroffenen Häusern die Dachständer beschädigt worden waren, dauerte es bis Montagnachmittag, bis der Schaden wieder behoben war, so die Pfalzwerke.
Die Schulen entscheiden unterschiedlich
Angesichts der Sturmwarnungen hatten sich am Morgen viele Eltern gefragt, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken sollten und tauschten sich in Whats-App-Gruppen darüber aus. Denn die Schulen hatten diese Entscheidung ins Ermessen der Erziehungsberechtigten gestellt. Während in Absprache mit der Kreisverwaltung die Jakob-Weber-Schule in Landstuhl und die Hans-Zulliger-Schule in Enkenbach-Alsenborn – beides Förderschulen – geschlossen blieben, öffneten im Landkreis Kaiserslautern alle weiterführenden Schulen – mit Ausnahme der Weilerbacher Westpfalzschule – ihre Türen. Doch nicht überall fand auch Unterricht statt. „Es sind fast keine Schüler da“, hieß es in der Realschule plus in Queidersbach. „Wir haben aber für die Schüler, die nicht wieder nach Hause konnten, eine Notbetreuung eingerichtet“, gab Julia Gregow Auskunft. Am Sickingen-Gymnasium in Landstuhl fand dagegen der Unterricht ganz normal statt, wie Leiterin Andrea Meiswinkl berichtete: „Die Klassen sind zwar nicht voll, weil etliche Schüler fehlen. Doch die Lehrkräfte sind fast alle da.“ Auch das Reichswald-Gymnasium (RWG) und die Realschule plus in Ramstein hatten regulären Schulbetrieb.
In der VG Weilerbach waren neben der Westpfalzschule auch alle vier Grundschulen geschlossen. Es gab aber überall eine Notfallbetreuung, wie Kai Wiehn, Abteilungsleiter Bürgerdienste bei der VG-Verwaltung, betonte: Kein Kind habe vor verschlossenen Türen stehen müssen. An der Grundschule Weilerbach wurde diese Betreuung nach eigenen Angaben allerdings nur von drei Kindern genutzt. In Mackenbach sei nur ein Kind von 7.30 bis 8.15 in der Grundschule gewesen, teilte deren Leiterin Svenja Mühlenbrock mit. Dass der Unterricht am Montag aus Sicherheitsgründen ausfällt, sei am Sonntagabend beschlossen worden – eine schwierige Entscheidung, meinte die Schulleiterin. „Uns war es aber wichtig, dass die Eltern planen können.“ Dass sie rechtzeitig Bescheid bekommen. Also wurde über die Homepage, über die Klassenelternsprecher und eine „Telefonkette“ informiert. Anders als die Schüler waren die Lehrer aber am Montag alle in der Grundschule – und nutzten die Zeit, etwa für eine iPad-Schulung, sagt die Schulleiterin.
Auch Kitas teilweise geschlossen
In Weilerbach hatten auch die beiden kommunalen Kindertagesstätten zu. Wäre wegen des Unwetters etwas passiert, hätte man sich schließlich Vorwürfe gemacht, meinte Ortsbürgermeister Horst Bonhagen. Die Schließung sei am Sonntag mit den Kita-Leitungen entschieden worden. Eltern hätten da auch schon Bedenken wegen der Sturmwarnung geäußert. 120 Eltern habe dann die Kita Arche Noah verständigen können. Die Notgruppe besuchten letztlich zehn Kinder. Die Entscheidung sei richtig gewesen, zumal auch die Schulen nicht offen hatten, fand Bonhagen am Montagmittag.
In der VG Otterbach-Otterberg waren laut Verwaltung alle Schulen geöffnet – bis auf die Otterberger Grundschule. Diese wird derzeit umgebaut, mitten auf dem Schulhof entsteht ein Anbau. Kein Wunder also, dass es bei dem Sturm auf der Schul-Homepage heißt: Wegen der Baustelle sei kein gefahrloser Zugang ins Gebäude möglich. „Eine Notbetreuung kann aus diesem Grund ebenfalls nicht angeboten werden.“
„Weil etliche Schulkinder von ihren Eltern zu Hause gelassen wurden, sind viele Geschwisterkinder heute auch nicht gekommen“, lautete am Montag die Auskunft aus der Kita „Sterntaler“ in Niedermohr. Ein ähnliches Bild zeigte sich in allen anderen Kindertagesstätten in der VG Ramstein-Miesenbach. Diese hatten am Montag ausnahmslos geöffnet. An den Grundschulen in Spesbach, Hütschenhausen und Steinwenden fand Unterricht statt – ebenfalls mit weniger Kindern als sonst: In der Grundschule Steinwenden waren am Montag von insgesamt 131 Kindern 25 da, sagte Schulleiterin Christine Schöfer. Vor allem die Gestaltung der Pausen sei bei dem stürmischen Wetter schwierig. „Wir haben viele Bäume um den Schulhof herum stehen. Die Kinder dann auf den Schulhof zu lassen, wäre zu gefährlich.“
Nur rund die Hälfte aller Grundschüler waren laut VG-Bürgermeister Erik Emich in der VG Bruchmühlbach-Miesau am Montag in die Schule gekommen. Von den insgesamt 315 Schülern der Adam-Müller-Realschule in Miesau hatten es 60 in die Schule geschafft. „Die Schule hat einen großen Einzugsbereich und viele Busse sind morgens nicht gefahren“, so Emich.
Der Sturm ist noch nicht vorbei
Auch wenn der Wind derzeit abgeflaut ist, der Sturm ist noch nicht vorbei: „Am Montagabend kommt noch ein Schnellläufer rein“, warnt Meteorologe Agne und erwartet zwischen 18 Uhr und Mitternacht Windspitzen bis zu 100 Stundenkilometern. „In freien Lagen auf der Sickinger Höhe sind auch nochmal 110 Stundenkilometer drin.“ Der abendliche Sturm ist gepaart mit kräftigen Regengüssen, in die sich Schnee und Graupel mischen. Laut Agne ist es auch am Dienstag noch immer stürmisch, „wenn auch nicht so extrem“. Und für die kommenden Tage hat der Lambsborner ebenfalls keine guten Aussichten im Gepäck: „Am Donnerstag erwarten wir schon wieder ein kleines Tiefdruckgebiet, das es in sich haben könnte“, sagt er. Auch am Wochenende bleibe es windig.
Nils erklärt: Wann ist ein Sturm ein Sturm