Kreis Kaiserslautern
Kreis Kaiserslautern: Die „Lieferdienste“ haben immer auch ein bisschen Wärme im Gepäck
Zugegeben, das Christkind und der Weihnachtsmann haben als heimliche Geschenkboten viel um die Ohren. Allerdings nur am 24. Dezember. Andere sind hingegen das ganze Jahr über zu Diensten: Blumenhändler, Apotheker, Pizzaboten, Postzusteller, Pfarrer bringen Schönes, Leckeres, Wichtiges – und oft ein Stückchen menschliche Wärme.
Der Wagen ist proppenvoll. Mit Briefsendungen, Päckchen und Paketen. In Hanna Beckmanns Job herrscht derzeit Hochkonjunktur. Sie bringt den Leuten die Post. „Wir haben das ganze Jahr gut zu tun, aber vor Weihnachten ist es natürlich extrem“, sagt die Fachkraft für Kurier-, Express- und Postdienstleistungen. Denn zum Fest spielt sie auch das Christkind und liefert die Geschenke an.
Morgens um sieben Uhr beginnt ihr Dienst im Zustellstützpunkt Rodenbach. Als Teamleiterin muss sie sich erst einmal um die Planung und den Ablauf kümmern. Schnell soll das gehen, denn Zeit ist kostbar. Dann schwärmt die Flotte der gelben E-Streetscooter aus, um 28 Bezirke zu versorgen.
Post-Zustellerin Hanna Beckmann ist für manche Menschen die einzige Ansprechpartnerin
Seit fünf Jahren ist Hanna Beckmann dabei und kennt ihre Route aus dem Effeff. „Trotzdem ist jeder Tag anders. Vor allem, weil man es mit Menschen zu tun hat. Viele kenne ich, da ich ja immer dieselbe Tour fahre.“ Von manchen wird die 24-Jährige schon herbeigesehnt. Weil sie wichtige Post erwarten oder froh sind, etwas zu plaudern. „Das sind vor allem ältere Menschen, die allein leben. Sie haben niemanden zum Reden, für sie bin ich oft der einzige Ansprechpartner am Tag“, sagt sie und denkt dabei an eine Frau, deren Mann vor nicht allzu langer Zeit verstorben ist. „Sie fühlt sich einsam und freut sich, wenn ich komme.“ Trotz Hektik und Stress nimmt sich Hanna Beckmann einen Moment, um ein paar Worte zu wechseln. „Ich bekomme recht viel mit von den Menschen und aus ihrem Leben. Ich erfahre, wann sie Geburtstag haben, sehe die Kinder größer werden, kriege Trennungen und Todesfälle mit.“
Die Auslieferungstour wird an Weihnachten oft zum Kraftakt
In der Weihnachtszeit kann die Auslieferungstour schon mal zum Kraftakt werden. „Wenn es hundert Pakete pro Tag sind, kann ich noch froh sein. Teils sind echte Schwergewichte darunter, da hab’ ich ganz schön zu schaffen.“ Ist ein Päckchen mal beschädigt, kann der Empfänger ungemütlich werden. Aber das kommt zum Glück selten vor. „Manche fahren mir auch hinterher, weil sie wissen, dass ein Geschenk in der Post sein muss. Dann suche ich es ihnen heraus, vorausgesetzt, es ist nicht ganz hinten im Wagen. Denn die Sendungen sind entsprechend meiner Route geladen.“
Für ihr Entgegenkommen und die immer freundliche Art wird Hanna Beckmann belohnt. Zu Weihnachten gibt es oft eine Aufmerksamkeit. „Meistens Gebäck oder Süßigkeiten, davon kann ich noch eine ganze Weile zehren. Natürlich freue ich mich darüber, es ist eine schöne Geste. Aber ich erwarte es nicht, mir macht mein Beruf auch so Spaß.“
Janette Janke bringt blumige Überraschungen zum Fest der Liebe
Überraschungen bringt der Fleurop-Dienst von Blumen Janke in Weilerbach ins Haus. „Wir bekommen Aufträge aus der ganzen Welt, durch die Nähe zu Ramstein sind viele aus den USA darunter“, sagt Janette Janke, die mit ihrem Mann das Blumenhaus betreibt. „Dreimal im Jahr ist besonders viel los. Zu Ostern, Muttertag und jetzt in der Weihnachtszeit. Momentan sind vier Leute damit beschäftigt, die Bestellungen auszufahren, bis nach Niederkirchen, Altenglan und Landstuhl.“
Sie sind gern gesehen. Die meisten Leute freuten sich natürlich über ein Blumen- oder Pflanzengeschenk und darüber, dass jemand an sie denkt. „Zum Dank bieten viele etwas zum Trinken an. Besonders ältere oder alleinstehende Menschen nutzen die Gelegenheit, um ein bisschen zu erzählen, weil sie sonst nicht viel Ansprache haben.“
Ab und zu komme es auch vor, dass jemand die Lieferung still und kommentarlos entgegennehme. „Das sind vielleicht Leute, die sich aus Blumen nicht viel machen“, mutmaßt Janette Janke. In ganz seltenen Fällen wird der Strauß gar nicht erst angenommen. „Dann haben diejenigen sicher ihren guten Grund. Den Auftraggeber informieren wir selbstverständlich darüber.“
Amaryllis und Christrosen sind jetzt der Renner
Wie in anderen Bereichen gebe es auch in puncto Blumen bestimmte Trends. Zu Muttertag sei die Farbe Rosa beliebt, wobei osteuropäische Kunden Rot mit Weiß bevorzugen. An Ostern sollen es kurzgebundene Sträuße sein, in der Adventszeit sind Amaryllis und Christrosen der Renner. „Auch zu Weihnachten schenken immer mehr Kinder ihren Eltern Blumen oder eine schöne Pflanze. Denn ab einem bestimmten Alter ist ein Haushalt ja mit allem ausgestattet. Aber Blumen passen immer.“
Kulinarische Genüsse ohne Arbeit bietet der Otterberger Heimservice
Auch auf den Tisch, an dem ein leckeres Essen genossen werden kann, ohne in der eigenen Küche einen Finger zu rühren. Das ermöglichen Marlene di Fede und ihr Mann, die mit ihrem Team seit 2004 in dem Otterberger Heimservice Pisa bei Salvatore für das leibliche Wohl ihrer Kunden sorgen.
Mit der offiziellen Öffnungszeit um 17 Uhr beginnt das Telefon zu klingeln und steht nur selten still. Eine Bestellung nach der anderen trudelt ein. „An guten Tagen sind 70 Kunden zu beliefern. Das geht dann Schlag auf Schlag. Da bleibt für ein Gespräch keine Zeit. Das ist zwar schade, aber die Auslieferer müssen schnell weiter. Schließlich warten die Leute auf ihr Essen.“
Währenddessen läuft in der Küche der Betrieb auf Hochtouren. Die Speisekarte ist groß. 15 Salate, 27 verschiedene Pizzen und gut 40 Pastagerichte stehen zur Wahl, dazu noch Flammkuchen, Steaks und über 20 Schnitzelvarianten samt Beilagen. „Wir bereiten alles frisch zu und klopfen die Schnitzel noch selber. Tiefgefrorenes gibt es bei uns nicht“, sagt die Chefin. Entsprechend gut muss der Küchenbetrieb organisiert sein.
Um ihn zu wuppen, wird das Personal am Wochenende auf sechs Mitarbeiter aufgestockt, und die Auslieferer sind fast nonstop unterwegs. Etliche Adressen kennen sie schon auswendig. „Es gibt viele Stammkunden, manche haben ein Lieblingsgericht, das sie jede Woche ordern.“ Weil sie etwas Leckeres im Gepäck haben, sind die kulinarischen Boten immer beliebte Besucher.
Der Otterbacher Apotheken-Lieferservice wird oft sehnsüchtig erwartet
Das gilt ebenso für Irene Bremus und Maike Staab von der Bahnhof-Apotheke in Otterbach. Zwar bringen sie den Menschen nichts zum Genießen, sondern Medikamente ins Haus. Mit ihnen aber auch ein Stückchen menschliche Wärme. Auch sie erfahren immer wieder, wie froh manche Menschen für ein bisschen Ansprache sind. „Kranke und ältere, alleinlebende Leute, die nicht mehr mobil sind, kommen nur noch wenig aus dem Haus. Da tut es ihnen gut, wenn man die Welt zu ihnen heim bringt und sich ein Weilchen Zeit nimmt, soweit der Auslieferungsplan es erlaubt“, sagt Irene Bremus, pharmazeutisch-technische Assistentin und Frau des Apothekeninhabers. „Deshalb werden wir von vielen schon ungeduldig erwartet.“
Dienstags und donnerstags sind die beiden mit dem Auto unterwegs, liefern im Umkreis aus, was für die Gesundheit gebraucht wird. „In Otterbach fahren wir auch schon mal täglich, wenn jemand aus dem Krankenhaus entlassen wird oder in anderen dringenden Fällen.“ Ansonsten steht ihre Route fest. „Kunden, die wir regelmäßig beliefern, wissen schon, wann sie in etwa mit uns rechnen können. Teils rufen sie uns an, falls es sich mal etwas verzögert, andere geben für donnerstags noch eine Bestellung auf, obwohl wir gerade bei ihnen waren“, erzählt Maike Staab. Weil sie dankbar seien für etwas Gesellschaft, selbst wenn es sich nur um wenige Minuten handele. „Manche Leute wachsen einem mit der Zeit ans Herz, wenn es sie nicht mehr gibt, geht einem das schon nah“, räumt die technisch-kaufmännische Angestellte ein. „Es gibt immer wieder Schicksale, die einen berühren.“
Weil sie um die Wichtigkeit der menschlichen Komponente wissen, erledigen sie auch mal Extradienste, holen ein Rezept beim Arzt ab oder bringen ein Patientenkärtchen hin. Die Dankbarkeit der Menschen belohnt sie dafür.
Pfarrer Bös hat bei Hausbesuchen ein offenes Ohr für die Menschen
Nicht gegenständlicher Art ist das, was der Mackenbacher Pfarrer Oliver Böß den Menschen zuteil werden lässt. „Ich komme ins Haus, wenn es darum geht, Menschen in den Knotenpunkten des Lebens zu begleiten. Das können Glückwünsche zum Geburtstag sein, Besprechungen im Vorfeld einer Taufe, Hochzeit oder auch Beerdigung.“
Der seelsorgliche Aspekt seines Berufs liegt dem Pfarrer sehr am Herzen. Dazu gehört für Oliver Böß, den Menschen Zeit und ein offenes Ohr zu schenken. „Mir ist es wichtig, ihnen zu zeigen, dass ich an ihrem Leben interessiert bin. Ich möchte mich mit ihnen freuen, Verständnis entgegenbringen, wenn jemand in einer schwierigen Situation steckt und den Schmerz, Kummer und die Ohnmacht mit aushalten, wenn etwas Schlimmes passiert ist.“ In ihrer häuslichen, vertrauten Umgebung falle es den Menschen leichter, sich zu öffnen, über ihre Gefühle oder Sorgen zu reden. „Deshalb gehe ich lieber zu den Leuten nach Hause, als sie zu mir kommen zu lassen. Außerdem verfechte ich die Geh-Struktur der Kirche und das bedeutet, dass die Kirche auch zu den Menschen kommt.“