Kreis Kaiserslautern
Kreis: Hilfe für Flüchtlinge muss koordiniert werden
Inzwischen hat sich die Anzahl der ukrainischen Staatsangehörigen, die in der Ausländerbehörde der Kreisverwaltung registriert worden sind, von 57 vergangener Woche auf 460 (Stand Freitag) erhöht. Davon sind 193 männlich und 267 weiblich. 246 Menschen sind unter 18 Jahre alt.
Um den Geflüchteten aus der Ukraine schnellstmögliche Hilfe zukommen zu lassen und die entsprechenden Abläufe in der Verwaltung zu koordinieren, hat Landrat Ralf Leßmeister (CDU) in der Kreisverwaltung einen Ukraine-Krisenstab einberufen, teilt die Kreisverwaltung mit. Das wöchentliche Treffen diene der Abstimmung und gegenseitigen Information. Zu dem Krisenstab gehören demnach neben Landrat Leßmeister und der Ersten Kreisbeigeordneten Gudrun Heß-Schmidt (CDU) auch der Büroleiter sowie Mitarbeiter der Ausländerbehörde, des Sozialamts, Katastrophenschutz, ärztlicher Versorgung und Öffentlichkeitsarbeit.
Geflüchtete: Bei der Ausländerbehörde melden
„Die große Hilfsbereitschaft privater Personen und Organisationen, geflüchtete Menschen aus der Ukraine beziehungsweise den Nachbarländern direkt in den Landkreis zu bringen, ist für unsere Verwaltung eine große Herausforderung. Strukturierte Abläufe und vor allem der Überblick über den Zustrom der Geflüchteten sind Voraussetzung für schnelle Hilfe. Daher ist es wichtig, die Ankunft der Geflüchteten im Landkreis möglichst umgehend bei der Ausländerbehörde anzumelden, bitte per Mail an: auslaenderbehoerde@kaiserslautern-kreis.de“, appelliert Landrat Leßmeister. Nur so könnten alle Abläufe gesteuert und die notwendigen Voraussetzungen geschaffen werden, um Wohnraum mit Unterstützung der Verbandsgemeinden zu organisieren, die Kita- und Schulversorgung der minderjährigen Kinder auf den Weg zu bringen oder, wenn benötigt, ärztliche Betreuung zu ermöglichen.
Zusätzliche Meldestelle im Alten Rathaus
Wichtig sei, dass sich die Menschen aus der Ukraine ihren Status als Geflüchtete bei der Kreisverwaltung bestätigen ließen, danach sollten sie sich bei den jeweiligen VG-Verwaltungen anmelden, unterstreicht auch Ralf Hechler (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach. Man rechne mit einer Aufnahme von rund 130 Flüchtlingen in der nächsten Zeit in der Verbandsgemeinde. Um einen guten organisatorischen Ablauf zu gewährleisten, werde im Alten Rathaus in Ramstein eine zusätzliche Meldestelle eingerichtet. „Die Hilfsbereitschaft quer durch die ganze Verbandsgemeinde ist nach wie vor gigantisch“, schildert der Bürgermeister. Die Stadt und die Verbandsgemeinde unterstützten einen Hilfskonvoi der Deutschen Humanitären Stiftung in der Südwestpfalz. Von dort wurden die Sachen am Sonntag mit an die polnisch-ukrainische Grenze gebracht.
Mehrere Hilfskonvois aus dem Kreis unterwegs
Auch in den anderen Verbandsgemeinden im Kreis läuft die Hilfe für die Menschen in der Ukraine auf Hochtouren. Vielerorts sammeln Firmen, Vereine und Privatleute Sach- und Geldspenden, um mitzuhelfen, dass Hilfsgüter in das Kriegsgebiet gelangen. Zum Teil bringen die freiwilligen Helfer die Spenden selbst direkt an die polnisch-ukrainische Grenze und nehmen dann Flüchtlinge mit zurück.
Spendenaktionen und bisher zwei Hilfstransporte mit dem schuleigenen Bus hat unter anderem auch die Waldorfschule Otterberg organisiert und Sachspenden nach Warschau in Polen gebracht, von wo aus die Hilfsgüter von polnischen Freunden ins Grenzgebiet transportiert wurden. Geldspenden kamen zusätzlich bei einem Ponyreiten für Kinder zusammen: Eine Waldorflehrerin hatte sich spontan angeboten, ihre Pferde und Koppel für die Aktion anzubieten. Waldorfeltern hätten sich auch bereit erklärt, Flüchtende aufzunehmen. Es sei gewährleistet, dass Kinder aus der Ukraine, die mit dem Hilfstransport zurück nach Otterberg kämen, in den jeweiligen Waldorfklassen aufgenommen und integriert werden könnten, heißt es von der Waldorfschule.
Ein Lkw und fünf Sprinter bringen Hilfsmittel
Eine private und öffentliche Hilfsaktion zugunsten von Menschen in der Ukraine hatten das Unternehmen Rainer Scheidt, Claus Schermer, Walter Münch, die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg und der Morlauterer Ortsvorsteher Alexander Lenz gestartet. „Innerhalb von vier Tagen haben das Haus der Jugend und Soziales in Otterberg und einzelne private Sammelstellen so viel Spenden an festgelegten Waren gesammelt, dass die Aktion bereits nach vier Tagen und damit einen Tag früher beendet werden musste“, berichtet Harald Westrich, Bürgermeister der VG Otterbach-Otterberg (SPD). Wegen der großen Spendenbereitschaft sei die Anzahl der Transportfahrzeuge erhöht worden. „Drei Fahrzeuge waren ursprünglich geplant. Am Ende waren es der Lkw der Verbandsgemeinde und fünf weitere Sprinter mit privaten Fahrern, die den Transport der Hilfsgüter übernommen haben“, so Westrich. Um hundertprozentig sicherzugehen, dass die Sachspenden auch in die richtigen Hände gelangten, wurden die Waren nicht wie ursprünglich geplant, beim Logistikzentrum in Polen abgegeben, sondern am Montag an bekannte Kontaktpersonen direkt an der Grenze umgeladen und übergeben. Die Fahrer haben laut Westrich 21 Flüchtlinge einschließlich ihrer Kinder aufgenommen und waren am Dienstag auf dem Rückweg.
Ukrainischer Helfer dankt mit einem Gedicht
Von der polnisch-ukrainischen Grenze, genauer von dem Ort Rawa Ruska in Polen, ist ein Hilfskonvoi aus Mehlingen in der Nacht von Samstag auf Sonntag inzwischen wieder zurückgekehrt. Zwei Lkw und sechs weitere Fahrzeuge, darunter mehrere Kleintransporter, hatten sich am Freitag dorthin aufgemacht, um Kleidung, Decken, Lebensmittel und Medikamente an einen Hilfskonvoi aus der Ukraine zu übergeben, schildert Mehlingens Ortsbürgermeisterin Monika Rettig (SPD) das abenteuerliche Unterfangen. Nachdem die ukrainischen Laster in dem Kriegsgebiet aber nicht so schnell vorankamen und die Mehlinger bereits zwei Stunden gewartet hatten, wurden die Sachen schließlich zu einer Lagerhalle gebracht, von wo sie in das Krisengebiet gebracht werden. Medikamente und Verbandsmaterial hätten sie an einen Ukrainer an der Grenze übergeben können, der es direkt in die von Bomben zerstörten Gebiete fahren wolle. Dabei sei es für die Mehlinger Helfer zu einem sehr emotionalen Moment gekommen, schildert Rettig weiter. „Der alte Mann hat alle Fahrer zusammengerufen und ihnen ein ukrainisches Gedicht vorgetragen.“ Es sei zu spüren gewesen, wie bewegt er von der Hilfe gewesen sei.
Nicht jede Familie schafft es bis zur Grenze
Auf dem Rückweg konnte der Konvoi noch 24 Flüchtlinge, davon 16 Kinder, mitnehmen. „In Deutschland lebende Verwandte hatten das organisiert. Leider haben es nicht alle geschafft, an die verabredete Stelle an die Grenze zu kommen“, schildert die Bürgermeisterin die Schwierigkeiten vor Ort. Eine Familie war in ein Gefecht geraten, hatte sich in einem Keller versteckt. „Es wäre zu gefährlich gewesen, diesen wieder zu verlassen“, erklärt einer der Mehlinger Fahrer, Jens Niederberger. Dafür hätten sie aber noch eine andere Familie mitnehmen können, die an einem anderen, 35 Kilometer entfernten Grenzort gewartet habe. Die Geflüchteten seien an der Grenze in Zeltlagern untergebracht, die Zustände dort ziemlich chaotisch. Mitfahrgelegenheiten würden dort per Durchsagen organisiert, dabei der Zielort und die Anzahl der freien Plätze durchgegeben. Viele der Geflüchteten wollten lieber in die Großstädte wie Berlin und Frankfurt, anstatt aufs Land, so die Erfahrung der Helfer. „Die Angst der Menschen zu sehen, das prägt einen“, sagt Niederberger, der froh war, dass sein ukrainisch sprechender Arbeitskollege Sergei Henn dabei war. „Die Menschen haben viel durchgemacht und natürlich hatten gerade die geflüchteten Frauen auch Angst, zu uns Fremden ins Auto zu steigen.“ Sein Kollege habe ihnen diese etwas nehmen können. Die Geflüchteten seien völlig erschöpft gewesen, die Kinder auf der Rückfahrt im Auto sofort eingeschlafen, sagt Niederberger.
Nachtlager in der Mehlinger Mehrzweckhalle
In der Nacht von Samstag auf Sonntag kam der Konvoi zurück nach Mehlingen, wo für die Flüchtlinge in der Mehrzweckhalle ein Nachtlager vorbereitet war. Am nächsten Morgen seien alle Menschen von Freunden und Verwandten abgeholt worden. Zwei Familien seien nach Gelsenkirchen und Frankfurt weitergefahren. Insgesamt elf Personen sind laut Rettig jetzt privat in Mehlingen untergekommen. „Die Frauen vermissen ihre Männer, die sie im Krieg zurücklassen mussten“, schildert Rettig. Eine große Hilfe sei, dass es in der Gemeinde russisch und ukrainisch sprechende Bürger gebe, die sich mit den Geflüchteten in ihrer Muttersprache verständigen könnten. Über Spenden des Vereins „Mehlingen hilft“ sind die Ukrainer in der ersten Woche mit Essen versorgt, danach müsse man weiter sehen, so die Ortsbürgermeisterin.
Landrat bittet darum, freien Wohnraum zu melden
Auch wenn bisher ein großer Teil der Flüchtlinge bei Verwandten und Freunden untergekommen ist: Mit Blick auf die noch zu erwartenden Fluchtbewegungen weist Landrat Leßmeister darauf hin, dass weiterhin dringend Wohnraum benötigt wird. Er bittet daher alle Bürger im Landkreis, freien Wohnraum – egal welcher Art – zentral über die Mailadresse asyl@kaiserslautern-kreis.de an die Kreisverwaltung zu melden. Gesucht werden auch Personen, die die ukrainische oder russische Sprache sprechen und beim Übersetzen helfen können. Wer die Verwaltung hier unterstützen möchte, soll sich per Mail an: auslaenderbehoerde@kaiserslautern-kreis.de melden, schreibt die Kreisverwaltung.