Kreis Kaiserslautern Kompliziert, aber zukunftsweisend
Als eine „Win-Win-Situation“ beschreibt Johannes Heger, geschäftsführender Gesellschafter der Gießereien der Heger-Gruppe und Vorsitzender des Arbeitgeberverbands Pfalz-Metall, den Tarifabschluss in der Metall- und Elektrobranche.
Am Dienstag war in Stuttgart der Pilottarifvertrag zwischen der IG Metall und dem Arbeitgeberverband ausgehandelt worden (die RHEINPFALZ berichtete gestern im überregionalen Teil). Mit dem Ergebnis, das nun auf die anderen Bundesländer übertragen werden soll, ist Johannes Heger zufrieden, wie er gegenüber der RHEINPFALZ sagt. „Wir sind seit langer Zeit mal wieder mit Forderungen in eine Tarifrunde gegangen“, erläutert er. „Deswegen ist der Abschluss auch so kompliziert.“ Für die Arbeitgeber habe die Frage „Wie können wir das Arbeitsvolumen erhöhen?“ im Mittelpunkt gestanden – „und darauf haben wir eine gute Antwort gefunden, also unser Ziel erreicht“. Die deutlich höhere Flexibilität bei der Arbeitszeitgestaltung komme einerseits den Angestellten in ihren sehr unterschiedlichen Lebensumständen zugute – zum Beispiel können sie in Erziehungs- und Pflegezeiten reduzieren. Andererseits haben Arbeitgeber mehr Möglichkeiten, die Arbeitszeit zu erhöhen: „Der Abschluss bringt uns mehr Arbeitsvolumen und den Mitarbeitern mehr Flexibilität, deswegen bin ich zufrieden damit.“ Diese Anpassung an die unterschiedlichsten Bedürfnisse mache den Tarifabschluss so kompliziert, aber gerade dadurch sei er auch „zukunftsweisend für die Arbeitswelt“, urteilt der Enkenbacher. Unter den vielen Punkten, die ausgehandelt wurden, hebt Heger das Recht der Arbeitnehmer hervor, die Arbeitszeit von 35 auf bis zu 40 Stunden pro Woche zu erhöhen: „Bei Fachkräftemangel zum Beispiel werden wir den Anteil auf 25 Prozent anheben können, derzeit haben wir einen Stand von 13 Prozent“. Die Lohnerhöhung von 4,3 Prozent sei der guten Konjunktur angemessen. Aber sie sei „schon schmerzlich“, gibt er zu, denn sie gelte auch in konjunkturell schlechteren Zeiten „und dann fehlt das Geld für Investitionen“. Bei den Einmalzahlungen hingegen habe der Arbeitgeber Spielraum für magere Zeiten. Allerdings kann er nicht einfach mit der Behauptung, der Firma gehe es gerade nicht so gut, das Geld kürzen oder streichen. „Das muss ausgehandelt werden, sowohl die IG Metall als der Betriebsrat müssen zustimmen“, macht Heger klar, dass willkürliche Arbeitgeber-Entscheidungen nicht möglich sein werden. Am Freitag wird der Arbeitgeberverband Pfalz-Metall mit der IG Metall wegen der Übernahme des Pilottarifvertrags verhandeln. „Natürlich sind Anpassungen für Rheinland-Pfalz nötig“, sagt der Verbandspräsident. Er sieht aber keinen Grund zur Sorge, dass es nicht zur Einigung kommt. „Der Sozialausschuss von Pfalz-Metall muss den Tarif annehmen“, erklärt Johannes Heger und rechnet damit, dass er in der kommenden Woche, am Aschermittwoch, für die Pfalz übertragen wird, nachdem sich IG Metall und Pfalz-Metall geeinigt haben werden. So vielschichtig auch der Tarifabschluss ist, deutlich komplizierter ist laut Heger der Umgang mit der Klage, die der Arbeitgeberverband gegen die Streiks der IG Metall eingereicht hat. „Bei der Klage geht es ja allgemein um Schäden, die Unternehmer durch Streikende erfahren“, erläutert er. Die jetzige Klage richtet sich jedoch nicht gegen Einzelne, sondern gegen die IG Metall. Deshalb könne Pfalz-Metall nicht so einfach unterschreiben, die Klage zurückzunehmen, denn einzelne Arbeitgeber könnten sich geschädigt fühlen. „Damit werden sich die Juristen noch zu beschäftigen haben“, prophezeit er.