Otterberg
Klaus Illig ist seit Jahrzehnten Lokführer
„Mein Opa hat damals am Bahnhof in Kaiserslautern Loks repariert. Das hat mich begeistert.“ Der heute 64-Jährige blickt auf seine Anfangsjahre zurück. In Erlenbach, heute ein Stadtteil Kaiserslauterns, wurde Klaus Illig geboren. Seit 1. September 1970 ist er bei der Bahn. Mit 14 Jahren, nach dem Ende der Hauptschule, begann er eine Lehre zum Maschinenschlosser, im Eisenbahnausbesserungswerk an der Pariser Straße in Kaiserslautern. Bereits damals war sein erklärtes Ziel: Lokführer werden. „Früher musste man vorher noch eine technische Ausbildung absolviert haben“, erzählt Illig. In Kaiserslautern gab es zu der Zeit noch Dampflokomotiven. Als Heizer hätte Klaus Illig in den Beruf einsteigen müssen. „Ich wollte keine Kohlen schippen. Deswegen bin ich mit 17 Jahren nach Mannheim. Da war die Laufbahn bereits offener.“ Für unverheiratete Männer gab es an der Neckarspitze eigene Wohnungen. „Das wurde Ledigheim oder Bullenkloster genannt“, berichtet Illig, der seit 1996 in Otterberg wohnt, schmunzelnd.
Zwischen 3 und 7 Uhr geht’s los
Früh-, Spät- und Nachtschichten prägten seine Arbeitszeit. Seit Jahren fährt Illig ausschließlich in der Frühschicht. Diese beginnt je nach Einsatz zwischen 3 und 7 Uhr morgens. Dadurch habe er nachmittags zu Hause sein können. „Es gibt nichts Schöneres. Ich konnte am Familienleben teilhaben“, sagt er mit Blick auf seine Ehefrau und Tochter.
Illig schaut auf viele Veränderungen während seiner langen Dienstjahre zurück. „Früher war ja alles zusammen. Da habe ich Personen- und Güterzüge gefahren und rangiert. Da war mehr Abwechslung. Intercity, Eilzug, Schnellzug, ein Güterzug nach Basel oder Köln – es gab viele Varianten.“ Im Zuge der teilweisen Privatisierung der Bahn wurden die einzelnen Bereiche getrennt. Cargo, Regio und Fernverkehr seien heute separate Bereiche. Im Regionalverkehr fahre er seit 2003 nun nicht mehr so weite Strecken.
Auf der längsten S-Bahn-Strecke Deutschlands unterwegs
Aktuell ist er vom Hauptbahnhof in Kaiserslautern aus mit der S-Bahn über Mannheim nach Osterburken, über Enkenbach-Alsenborn nach Bingen und unter anderem über Neustadt an der Weinstraße nach Karlsruhe unterwegs. Mit einer Länge von 202 Kilometern befährt er somit die längste S-Bahn-Linie Deutschlands.
Nie hatte Illig den Wunsch etwas anderes zu machen. „Es hat mir immer Spaß gemacht und macht mir heute noch Spaß.“ In einer langen Dienstzeit kommt es auch zu Unfällen. Drei davon mit Personenschäden. Illig lobt das Betreuungsprogramm der Deutschen Bahn zur Vermeidung posttraumatischer Belastungsstörungen. „Ich habe noch eineinviertel Jahre zu arbeiten. Ich hoffe, dass mir das nicht mehr passiert.“
Eines seiner Hobbys ist Tennis. Er spielt aktiv beim 1. Tennisclub Otterberg und ist Mannschaftsführer der Herren 60. Zur Feier seines Jubiläums hat sich Illig am 1. September einen Tag frei genommen. Ein längerer Urlaub ist im Anschluss geplant. Mit seinen ehemaligen Kollegen aus der Ausbildungszeit plant er ein Treffen, um in alten Erinnerungen zu schwelgen.