Ramstein-Miesenbach
Kita-Förderverein besucht Einrichtung im Ahrtal
„In der Fußgängerzone in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist gerade mal ein Geschäft geöffnet!“, sagt Petra Göttel, sichtlich betroffen. Die Vorstandsvorsitzende der Kindertagesstätte (Kita) „Pinocchio“ in Ramstein zeigt sich regelrecht geschockt darüber, wie sehr die Folgen der Flutwelle im vergangenen Jahr dort noch immer zu sehen sind.
Göttel und zwei ihrer Vorstandskolleginnen waren Mitte September nach Bad Neuenahr-Ahrweiler gereist. Mit im Gepäck hatten sie eine finanzielle Zuwendung für die dortige Kita „Arche Noah“, die sie mit dem Verkauf von Trinkbechern mit dem Logo ihrer eigenen Kita erwirtschaftet hatten.
Die Stadt Ramstein hatte den Kontakt zu Björn Zentner, dem Leiter der evangelischen Kindertagesstätte „Arche Noah“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler, vermittelt. Wie so viele andere Gebäude war auch die Kita in der Flutnacht massiv beschädigt worden – in diesem Falle so sehr, dass seitdem ein Kindergartenbetrieb nicht mehr möglich ist.
Viele helfende Hände gereicht
Zentner und seinen Kollegen war es aber wichtig, den Kindern und ihren Eltern schnellstens wieder einen geregelten Tagesablauf zu ermöglichen. So konnten die betroffenen 120 Jungen und Mädchen drei Monate nach der Flutkatastrophe schon die bereitgestellten Container beziehen. „Dort ist allerdings alles recht eng“, berichtet Göttel.
Die Benefiz-Aktion in Ramstein lief an und so reichten die Kinder der Kita „Pinocchio“ denen der „Arche Noah“ in Form von vielen kleinen gemalten Händen im übertragenen Sinn ihre Hände. Denn das Plakat wurde Petra Göttel und ihren Kolleginnen als kleines Geschenk mit auf die Reise gegeben. Im Gegenzug für die rührende Geste gab es von den Kindern der „Arche Noah“ für die „Pinocchios“ ein gemaltes Bild mit all den Tieren – Fröschen, Löwen, Bären –, die für die verschiedenen Gruppen der Einrichtung stehen.
Hat ein Kind Probleme, kommt der Psychologe
Die alte Kindertagesstätte in Bad Neuenahr-Ahrweiler ist immer noch stark beschädigt und aktuell im Rohbau-Zustand. Da ist jede Zuwendung willkommen. Wann die Kinder wieder in ihre alte Heimat umziehen können, steht derzeit noch in den Sternen.
Auf die Frage, wie die Kinder denn die Flutkatastrophe weggesteckt haben, erklärte Zentner den Gästen, dass die meisten von ihnen damit gut abgeschlossen hätten. Sollte doch einer ihrer Schützlinge Probleme haben, würde sich ein Psychologe um die Kleinen kümmern.
Zentner hat die drei Besucherinnen noch weiter durch die arg gebeutelte Stadt geführt, in der die Auswirkungen der Flut allenthalben zu sehen sind. Wo etwa einst eine solide Brücke die Ahr zum Kurpark hin überspannte, führt jetzt eine Behelfsbrücke über das (nun wieder friedlich dahinfließende) Gewässer. Auch hier wird es noch dauern, bis die entsprechende Infrastruktur an Brücken und Straßen wieder vollständig hergestellt ist.
Wiederaufbau wird noch lange dauern
Dennoch schauen die Bürger von Bad Neuenahr-Ahrweiler offenbar positiv in die Zukunft. Statt Kaffee im stationären Café etwa, gibt es das heiße Getränk jetzt eben aus einem „Coffee to go“-Wagen – und dessen Nutzung wollte der nette Besitzer noch nicht einmal bezahlt haben.
Den Besucherinnen aus Ramstein ist es wichtig zu zeigen, dass das Ahrtal nicht vergessen wird. Mag auch die Flutkatastrophe bei vielen Menschen jetzt nicht mehr so in den Köpfen präsent sein, so werden die real eben durchaus noch vorhandenen Folgeschäden noch über Jahre hinweg zu sehen und abzuarbeiten sein. Von daher freuen sich die Menschen vor Ort gewiss über Hilfen jedweder Art – auch und speziell jetzt die Kindergartenstätte „Arche Noah“.
Die beiden Kitas, „Pinocchio“ in Ramstein und „Arche Noah“ in Bad Neuenahr-Ahrweiler, wollen auf jeden Fall miteinander in Kontakt bleiben. Und wer weiß: Vielleicht entstehen hier ja dann trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Umstände noch neue Freundschaften, die es so sonst in dieser Form nicht gegeben hätte.