Enkenbach-Alsenborn
Kita-App: Leistet Beitrag zur Gleichstellung
Anna-Maria von Lauppert, die Leiterin der kommunalen Kindertagesstätte (Kita) in Alsenborn, hat dieser Tage Grund zur Freude. Die auf ihre Anregung hin entwickelte Bienenstock-App wurde gerade von der Unfallkasse Rheinland-Pfalz und vom Bildungsministerium in Mainz gewürdigt. Die digitale Anwendung läuft seit fast zwei Jahren in der Kita und genauso lange musste die Einrichtung auch schon nicht mehr kurzfristig wegen Personalmangels schließen.
In anderen Kitas sieht das anders aus. Wenn sich dort Erzieherinnen morgens kurzfristig abmelden, zum Beispiel weil sie krank sind, greift ein sogenannter Maßnahmeplan. Im schlimmsten Fall müssen dann Gruppen oder ganze Häuser an diesen Tagen schließen, denn pro einer bestimmten Menge an Kindern muss eine bestimmte Menge an Erzieherinnen anwesend sein. Das ist im Kita-Gesetz des Landes geregelt. Zu keinem Zeitpunkt darf eine Einrichtung in eine personelle Unterdeckung geraten.
Ampel steht fast immer auf grün
Zu gewährleisten, dass immer genügend Personal im Dienst ist, dabei hilft in Alsenborn die App. Im Prinzip ersetzt sie eine Kraft, die am Eingang steht und zählt, wie viele Personen rein- und rausgehen und diese Zahl mit dem vorgeschriebenen Personalschlüssel abgleicht. Denn Eltern, die ihre Kinder bringen, müssen sich ebenso einloggen wie die Erzieher, die zur Arbeit kommen. Passen die Zahlen zusammen, leuchtet die in der App eingebettete Ampel grün, droht ein Engpass, springt sie auf gelb um. Für die Eltern bedeutet das: Wenn ihr Kind an diesem Tag unbedingt betreut werden soll, müssen sie es früh abgeben. Wer hingegen die Möglichkeit hat, das Kind anderweitig unterzubringen oder an diesem Tag selbst zu versorgen, sollte das tun. Rot würde die Ampel nur dann leuchten, wenn wirklich geschlossen werden müsste. Das sei aber seit der Einführung der Applikation noch nie vorgekommen, sagt die Kita-Leiterin.
Auch an Tage, an denen das gelbe Licht leuchtet, kann sich von Lauppert kaum noch erinnern. „Wir kommen fast gar nicht mehr in die Lage, priorisieren zu müssen. Das reguliert sich allermeist von sich aus.“ Ihre Theorie, die der App zugrunde lag, dass in Zeiten, wenn viel Personal ausfällt, auch viele Kinder nicht in die Kita kommen können – weil auch sie zum Beispiel krank sind –, werde damit seit Mai 2024 voll und ganz bestätigt. Deshalb laufe die Bienenstock-App, die außer der Anwesenheit keine Daten speichere, wie von Lauppert betont, mittlerweile auch in der zweiten kommunalen Kita in Enkenbach sowie in Einrichtungen in Sembach, Mehlingen und in der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg.
Weitreichendes Potenzial
Was die Kita-Leiterin nun aber besonders freut: Das Bildungsministerium habe bei seinem Besuch in Alsenborn die App nicht nur für das gelobt, was sie auf der rein praktischen Ebene leistet, sondern eine weitere Dimension angesprochen. „Sie haben festgestellt, dass sie viel für die Gleichstellung der Frauen und für die Bildungsgerechtigkeit macht“, sagt von Lauppert und erläutert, was damit gemeint ist: für die Gleichstellung deshalb, weil noch immer meistens die Frauen zu Hause bleiben, wenn Kita oder Schule kurzfristig ausfallen; für die Bildungsgerechtigkeit, weil durch das App-System alle Eltern gleichermaßen angesprochen sind, auf Engpässe zu reagieren. Vor der Einführung der App seien hingegen meist die nicht berufstätigen Eltern zuerst angerufen worden, um sie zu bitten, ihre Kinder an diesem Tag nicht zu schicken.
Durch die digitale Anwendung sei es nun für alle Seiten stressfreier: für Eltern, Erzieher und Kita-Leitungen. Das wiederum könne sich auch positiv auf die Familien auswirken, in denen es dadurch zum Beispiel weniger Streit gebe. „Das war eine Dimension, die wir anfangs gar nicht bedacht haben“, ist von Lauppert selbst ein wenig überrascht, welches Potenzial die von ihr angestoßene Erfindung hat. Sie hofft, dass sie vielleicht noch breiter zum Einsatz kommt. Der Vorschlag von Norbert Herhammer (CDU), daraus ein landesweites Projekt zu machen, gefällt ihr jedenfalls. Da Herhammer bei der Landtagswahl sein Direktmandat in dem Wahlkreis gewonnen hat, zu dem auch die VG Enkenbach-Alsenborn gehört, kann er sich dafür nun in Mainz einsetzen.