Kreis Kaiserslautern Kinderstube für Käfer & Co.

Das Grün vor der Tür kann aus seinem Besitzer einen Hotelier machen. Auch beim Golfclub Barbarossa in Mackenbach ist dies so geschehen, denn vor drei Jahren gab Sabine Günther, Gärtnermeisterin und Pflanzendoktorin der rheinland-pfälzischen Gartenakademie, den Anstoß dazu, ein Insektenhotel auf dem Gelände zu bauen. Sie kennt die Bedeutung dieser Unterkünfte und wünscht sich noch viele mehr – auch in Privatgärten. Mit über vier Meter Höhe ist das Insektenhotel des Golfplatzes schon ein Hochhaus, das nach Günthers Plänen entstanden ist und in dem viele verschiedene Arten willkommen sind. Damit fügt es sich in die naturbelassenen Zonen auf dem Gelände ein, die teils unter Schutz gestellt sind. Der Bau, der auf Holzpfosten im Erdreich verankert ist, wird auch „Lebensturm“ genannt. Das Mobiliar der vier Stockwerke ist an die Bewohner angepasst. Im Erdgeschoss sind Sandsteine aufgehäuft, die Echsen, Schnecken oder auch Kröten ein Dach überm Kopf, ein Quartier für die Winterzeit oder ein sicheres Sonnenplätzchen bieten. Die beiden Stockwerke darüber sind mit Ästen, Steinen, Schilf, Bambusröhren und noch einigem mehr angefüllt, was teils als Gartenabfall auf den Kompost oder in die Biotonne wandert. Bienen, Schmetterlinge, Käfer, Spinnen und zahllose weitere Insekten haben es sich darin gemütlich gemacht und bereiten hier das Bett für ihren Nachwuchs. Das Dachgeschoss ist mit Stroh und Heu ausgelegt und wurde von einem Nilgans-Paar bezogen. „Der Standort im Halbschatten ist ideal“, weiß Günther. Wichtig ist auch, dass die Anflugschneisen gen Süden hin vor zu viel Sonneneinstrahlung mit einem kleinen Dach geschützt sind. Überhaupt darf es den Bewohnern in der Sommerhitze nicht zu heiß werden. „Die Löcher müssen immer zwei Öffnungen haben“, betont sie und bemängelt, dass dies bei gekauften Insektenhotels häufig nicht der Fall ist. Heute hat sie Material mitgebracht, mit dem der „Lebensturm“ aufgewertet werden kann. So dienen Lavendelzweige als duftendes Lockmittel und Lochsteine bieten kleineren und größeren Kriech- und Krabbeltieren Unterschlupf. Hierfür sind auch die Tontöpfe gedacht, die mit Reisig, Holzwolle oder ähnlichem gefüllt sind und mit der Öffnung nach unten aufgehängt werden, um so Ohrwürmer willkommen zu heißen. „Viele der Insekten sind Nützlinge“, betont Günther. Überhaupt macht sie sich für die meist wenig beliebten Kriech- und Krabbeltiere stark. „Die Insektenwelt hat abgenommen, weil ihr der Lebensraum fehlt.“ Viele Gärten seien überdüngt, leer und ausgeräumt. Hinzu kommen nicht heimische Gehölze, Steingärten oder Gabionen, die zwar pflegeleicht, aber „ökologisch tot“ seien, also in keiner Weise den Tisch für Bienen und Co. decken. Vielmehr nehmen diese „Steinwüsten“ Vögeln die Nahrungsquelle und somit die Lebensgrundlage. Dahinter steht häufig der Wunsch nach wenig Zeitaufwand. „Eine Gärtnerregel besagt: Für jeden Quadratmeter braucht es eine Stunde Arbeit im Jahr. Es gibt keinen Garten, der keine Pflege braucht“, verdeutlicht Günther. Dabei braucht es gar nicht viel, um zum Gastgeber zu werden. „Jetzt sollte man damit beginnen“, rät die Fachfrau. Zunächst gilt es, einen Platz zu finden, der vor Regen und Wind geschützt ist. Schön, wenn in der Nähe ein Teich oder ein Bach ist, aber eine Vogeltränke für durstige Insekten tut es auch. Sind Gefäße mit feuchtem Sand und Lehm aufgestellt, unterstützt man die Baumeister beim Verschließen ihrer Höhlen. Überhaupt plädiert sie dafür, auch mal Laub im Herbst liegen zu lassen, eine Wildblumenecke anzulegen und bei der Auswahl der Gehölze nach Weißdorn, Birke, Salweide, Esche, Eiche oder Apfelbaum zu greifen. Wenn dann noch in der Umgebung ein Flieder verführerisch duftet oder blühreiche Nutz- und Ziergärten liegen, bleiben die Bewohner nicht fern. „Ein Bauerngarten, wie es früher viele gab, ist ein Paradies für Insekten“, bringt sie den Nutzen für Mensch und Tier zur Sprache. Doch ganz so groß muss es gar nicht sein. „Ein Insektenhotel kann auch auf Balkon und Terrasse seinen Platz finden.“ Dann jedoch sollte in Kästen und Kübeln „Futter“ in Form von leckeren Blüten angeboten werden. Die verwendeten Materialien sollten ausschließlich natürlichen Ursprungs und unbehandelt sein. „Man kann alles verwenden, was einem gefällt, und auch kreativ gestalten“, macht sie Lust aufs Ausprobieren. Damit die Vielfalt groß ist, sollten für Wildbienen Bambusstöcke, für Florfliege und Schmetterling ein Kasten mit breiten Schlitzen oder Rillen Bestandteil sein. Es können aber auch spezielle Behausungen für Hummeln, Igel und Fledermaus gebaut werden. „Die kleine Zwergfledermaus frisst pro Nacht etwa 1500 Stechmücken“, berichtet die Fachfrau vom mächtigen Hunger des kleinen Flugsäugers. Wer ein Insektenhotel selbst bauen will, findet im Internet zahlreiche Anleitungen. „Aber bitte auf seriöse Quellen zurückgreifen, damit es auch wirklich geeignet ist.“