Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kerwe in Ramstein-Miesenbach: In der Kerwerede wird die Politik aufs Korn genommen

Vor dem Alten Rathaus in Ramstein ziehen Kerweredner Tobias Layes und Lukas Wagner auch über den US-Präsidenten Donald Trump her
Vor dem Alten Rathaus in Ramstein ziehen Kerweredner Tobias Layes und Lukas Wagner auch über den US-Präsidenten Donald Trump her. Foto: VIEW

Wie dem 1. FCK neues Leben einhauchen? Die Antwort weiß die Straußjugend in Ramstein. Am Sonntagnachmittag gab es in der Kerwerede vor dem Alten Rathaus amüsante Anekdoten und kritische Kommentare zum Stadt- und Weltgeschehen zu hören.

„Was wäre, wenn die Amis abziehen?“, fragen die Kerweredner Lukas Wagner und Tobias Layes. Davon ginge in Ramstein laut ihren Prognosen die Welt nicht unter. Das scheinbar endlose Bauprojekt des Hauptstadtflughafens in Berlin könnte in Ramstein ein glückliches Ende finden. Die Verlegung sei ein Kinderspiel. „Hier is jo schunn alles fertisch.“

Im US-Hospital könne man eine Uniklinik ansiedeln. Die Mall würde zur weltgrößten Bar umfunktioniert. Es mangelt den Kerwerednern nicht an Ideen. Und in den bestens ausgebauten Sportstätten auf der Air Base könnte sicherlich dem FCK neues Leben eingehaucht werden, sind sich Wagner und Layes einig.

Trump als „Twitterdiktator“

Doch alle Hoffnung schwindet dahin, „weil in Washington ä ahnungsloser Dollbohrer regiert, werd des nix werre“. Der US-Präsident Donald Trump bekommt sein Fett ab. Als „vorlauter Vollidiot“ und „Twitterdiktator“ scheint er wenige Sympathien zu erwecken.

Der Abriss des ehemaligen Central Kinos wird beklagt. Doch es gibt auch Lichtblicke. „Es kummt die gonze Welt zu uns!“ Das sei nach der mehr als einer Million Euro teuren Neuordnung für das Areal zwischen dem Congress Center Ramstein und westlich der Bahnhofstraße zu erwarten. „Ä Fünf-Sterne-Luxus-Hotel mit Massasche uffm Klo“, werde hier entstehen, spötteln die Redner. Das Publikum wiegt sich mit der Musik der Ramsteiner Straßenmusikanten im Takt.

„Schön, dass es die Kerwe hier noch gibt“, sagt Hubertus Schroth, langjähriger Senatspräsident des Karnevalsvereins Bruchkatze. „In den Jahren zuvor waren mehr Besucher da“, stellt er fest und meint, dass wohl die knapp 30 Grad Celsius Spätsommerhitze manch einen vom Besuch der Kerwe abgehalten haben. Die Mundschenke Anna Hirdt und Dana Lang haben denn auch alle Hände voll zu tun, die durstigen Kehlen der Redner nicht austrocknen zu lassen.

Straußjugend tanzt um Helmut Kohl herum

Etwa 25 „Straußbuwe und Straußmäd“ klatschen und machen Stimmung. In den Redepausen tanzen sie um Helmut Kohl. So heißt der diesjährige Kerwestrauß. „Groß, mäschtisch, awwer net hohl, nenne mer disch Helmut Kohl“, rufen Layes und Wagner ins amüsierte Volk.

Zu guter Letzt wird ein knallrotes T-Shirt versteigert. Das Anfangsgebot lautet passend zur Jahreszahl: 20,19 Euro. In Windeseile steigen die Gebote. „Wo ist der Ralf?“ Suchend halten die Zuschauer Ausschau nach Bürgermeister Ralf Hechler (CDU). In den vergangenen Jahren hatte er bereits das T-Shirt für sich ersteigert. „Zum Erschte, zum Zwädde, un zum Dridde!“, wechselt das knallrote Hemd für 90 Euro den Besitzer. „War wohl nicht seine Farbe“, kommentiert ein Zuschauer augenzwinkernd die Zurückhaltung Hechlers beim Ersteigern.

Heute schließt sich dem fünftägigen Kerwespektakel in Ramstein der Familientag mit vergünstigten Fahrpreisen an. Um 20.30 Uhr gibt es eine Grabrede mit anschließender Beerdigung der Kerwe.

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