Kreis Kaiserslautern „Keinesfalls ein Kavaliersdelikt“

Placeholder-Image

Der Einsatz von Herbiziden auf Gehwegen, Hofflächen und Zufahrten ist strikt verboten. Völlig zu recht, findet RHEINPFALZ-Gartenexpertin Sabine Günther. „Was ist eigentlich so störend an dem Grün in den Fugen?“, fragt sie.

Zwischen den Pflastersteinen sprießt es im Sommer flugs aus allen Ritzen. Her mit dem überall frei käuflichen Herbizid, denken manche. Schon machen unerwünschtes Gras & Co den Abgang. Eine einfache Sache – aber was viele noch immer nicht wissen: Es ist streng verboten. Bei Zuwiderhandlung droht ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. „Herbizide auf versiegelten Flächen auszubringen, das geht gar nicht“, sagt dazu die Leiterin der Stadtgärtnerei Landstuhl, Sabine Günther. Sie verweist darauf, dass es sich hier „keinesfalls um ein Kavaliersdelikt“ handelt, sondern um ein klares Vergehen gegen das Pflanzenschutzgesetz. Dort ist geregelt, dass Pflanzenschutzmittel nur auf Flächen ausgebracht werden dürfen, die land-, forstwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzt werden. Heißt im Klartext: Versiegeln Pflastersteine den Boden, sind Herbizide tabu. Das Verbot gilt übrigens auch für selbst hergestellte Kochsalz- oder Essiglösungen und für Pflanzenschutzmittel, die laut Produktinformation „umweltfreundlich“ oder „biologisch abbaubar“ sind. Und das mit gutem Grund. Schließlich werden die Wirkstoffe der Mittel nur auf einem gewachsenen Boden abgebaut. „Auf dem Pflasterbelag bildet sich dagegen ein Herbizid-Film, der mit dem nächsten Regen ohne Rückhalt in die Oberflächenwässer gespült wird und dort nachweislich die Ökosysteme belastet“, erläutert die Expertin. Sabine Günther kann ohnehin nicht verstehen, warum Fugen nicht grün bewachsen sein dürfen. „Es gibt kein Unkraut! Jede Pflanze dient vielen Tieren als Lebensraum und Nahrung. Das genau ist unsere ökologische Verantwortung.“ Etwas mehr Naturnähe direkt vor der Haustür, im Hof, vor der Garage, auf dem Gehweg würde vor allem auch den in Bedrängnis geratenen Bienen helfen − „und damit uns allen“, appelliert Günther, mal die eigene Sichtweise zu überdenken: „Es sieht doch gut aus, wenn es hier und da ganz ungeplant ein wenig blüht.“ Die leidenschaftliche Gärtnerin geht noch weiter. „Warum die Fugen nicht mal strategisch je nach persönlicher Vorliebe mit Gräser- oder Kräutermischungen, Thymian, Mauerpfeffer oder Mastkraut eingrünen?“, fragt sie. Für die breiteren Fugen an den Rändern hält Günther sogar das Einsäen von Stockrosen für geeignet. Dem grünen Wildwuchs zwischen den Platten ein Schnippchen zu schlagen und gezielt auszusäen, macht zwar aus einem ungeordneten Grün ein Blühen mit Absicht, ist aber nicht jedermanns Sache. Auch hier weiß die Meisterin Rat: „Kehren Sie die Flächen regelmäßig kräftig ab und das Gras wächst erst gar nicht.“ Die Betonung liegt auf „regelmäßig“. Wer nur alle paar Wochen kehre, dürfe sich über das Sprießen neuen Grüns nicht wundern. „Früher, als jeden Samstag gekehrt wurde, ist kein Gras gewuchert, wo es nicht sollte“, erklärt sie. Doch was tun, wenn die Pflanzen schneller waren als der Besen? „Sportliches Bücken und Auszupfen tun dem Körper gut“, meint Sabine Günther. Mit dem Schrubber dem ungeliebten Pflanzenwuchs zu Leibe zu rücken, bringe ebenfalls Erfolg. Alternativ wird zum Fugenkratzer gegriffen: „Es sollte aber ein vernünftiges Gerät sein.“ Gleiches empfiehlt sie für den Einsatz eines Freischneiders. Der setze indes das Geschick des Anwenders voraus. Einfacher sei da das Abflammen der Pflanzen. In jedem Baumarkt gebe es mittlerweile geeignete Gerätschaften: „Alles aber keine Wundermittel, die nach einmaligem Gebrauch die Gräser für die gesamte Saison verschwinden lassen.“ Wer seine Fugen wirklich frei von allem Grün haben will, müsse in kurzen Abständen das aufkeimende Kraut beseitigen, macht Günther keine allzu großen Hoffnungen auf die Einmaligkeit einer Anwendung. Abschließend stellt sie noch einmal die Frage: „Warum darf die Fuge eigentlich nicht grün sein?“ (thea)

x