Kreis Kaiserslautern Kein Kneipensport, sondern Präzision

Keine ruhige Kugel schieben Lukas Lamnek, Ernst Niederberger und Matthias Tiedemann auf der Bahn in Sembach.
Keine ruhige Kugel schieben Lukas Lamnek, Ernst Niederberger und Matthias Tiedemann auf der Bahn in Sembach.

«SEMBACH.» Fast 120 Mitglieder zählt der 1970 gegründete Verein „Kegelfreunde Sembach“. Weg vom Image des „Kneipensports“ hin zur wettkampforientierten Präzisionssportart, lautet das Ziel. Mit Nachwuchsförderung soll dies gelingen.

Fast lautlos schiebt sich die Poliermaschine über die Bahn. „Früher hat man das von Hand gemacht“, holt Lukas Lamnek, Pressesprecher und Sportwart der Kegelfreunde, zum Exkurs über die Bahnpflege aus. „Die Maschine reinigt, trägt Wachs auf und poliert, damit die Kugel wieder gut rollt. Das sollte regelmäßig gemacht werden.“ Spätestens jetzt wird jedem klar, dass Kegeln eng mit Technik, nicht nur mit Spieltechnik, verbunden ist. Vier moderne Bahnen gilt es in Sembach zu bespielen. Bis in die 1980er Jahre hinein stellten in Deutschland „Kegeljungen“ die Kegel auf und rollten die Kugel zurück. „Das gibt es hier schon lange nicht mehr“, erzählt Ehrenvorsitzender Ernst Niederberger. Computergesteuerte, vollelektronische Anlagen übernehmen den kompletten Spielablauf vom Aufstellen der Kegel bis zum Zählen der Punkte. Acht Männer gründeten im Februar 1970 im Gasthaus „Zur Post“ in Sembach den Verein. Anfangs wurde auf der Bahn in der früheren Gaststätte „Blaulicht“ in Münchweiler/Alsenz gespielt. Bereits zwei Monate nach Vereinsgründung entstand der Wunsch nach einer eigenen Anlage. Als der Bau der Mehrzweckhalle in Sembach anstand, engagierten sich die Kegelfreunde dort für eine eigene Bahn. Im November 1974 war es so weit: Die Einweihung der Kegelbahn wurde gefeiert. 2001 erfolgte ein Erweiterungsanbau an die Mehrzweckhalle. Die heutige, vergrößerte Anlage ging in Betrieb. Die Baukosten von stattlichen 200.000 Mark wurden aus vereinseigenen Mitteln und mit Zuschüssen vom Sportbund gestemmt. „Insgesamt 120 Mitglieder, davon 30 Frauen, die allerdings überwiegend passive Mitglieder sind“, zählt der Verein laut Vorsitzendem Matthias Tiedemann heute. Ist Kegeln eher eine Männerdomäne? „Bei anderen Vereinen überwiegen Frauen“, verneint Lamnek. 29 Sportkegler haben die Sembacher insgesamt: 25 Männer und vier Frauen, aufgeteilt in vier Mannschaften; sie bilden das sportliche Fundament. „Der Frauenanteil ist zu dünn für eine eigene Damenmannschaft. Deshalb haben wir gemischte Teams“, so Lamnek. Der Anteil älterer Mitglieder sei recht hoch. „In diesem Jahr sind aber wieder mehr Jugendliche dabei“, schaut Tiedemann nach vorne. Über das Ferienprogramm der Verbandsgemeinde hätten die Kegelfreunde Werbung fürs Spaßkegeln gemacht. „Zwölf sind hängengeblieben“, so Tiedemann. Sie seien momentan noch im Training, wollten demnächst auch in einer Mannschaft spielen. Im Bereich Hobbykegeln spricht Lamnek von „einem ziemlich großen Aderlass“. „Ich kann mich noch erinnern, dass wir fast täglich die Bahnen voller Hobbykegler hatten.“ Mittlerweile komme alle paar Wochen mal eine Gruppe. „Die Leute werden älter“, sucht Tiedemann nach Erklärungen und räumt ein: „Kegeln ist eine Randsportart. Junge wollen sich nicht so binden oder sie haben zu viel.“ Und Lamnek glaubt: „Bowling hat uns den Rang ein bisschen abgelaufen.“ Seit fast dreißig Jahren richtet der Verein über Christi Himmelfahrt alljährlich die Dorf-Kegelmeisterschaft aus. Straßenmannschaften, Vereine und Familienmannschaften treten in einem Turnier gegeneinander an. Ein großes Plus in Sembach sei die vereinseigene Gastronomie, für Kegelvereine „eher selten“. „Viele haben Probleme mit ihrem Wirt und müssen Bahnen schließen, wie kürzlich in Zweibrücken“, berichtet Lamnek. Hier in Sembach gebe es belegte Brötchen, Würstchen, Frikadellen – das alles leiste ein „geregelter Thekendienst“. Und als Schmankerl versorgt das Restaurant „Kochlöffel“ im selben Gebäude die Kegler bei Bedarf über einen Essensaufzug. Zur Auslastung der Anlage konnten die Kegelfreunde für Training und Wettkämpfe die Anlage an die Post SG aus Kaiserslautern untervermieten. Die reguläre Spielrunde begann am vergangenen Wochenende und geht bis April. Es gibt etliche sportliche Erfolge zu verzeichnen. Einer davon ist der Aufstieg der ersten Mannschaft in die Zweite Bundesliga Süd in der Spielrunde 2014/15. In der darauffolgenden Saison war dieses Kapitel bereits wieder beendet, aber der Stolz so hochklassig gespielt zu haben, ist den Vorstandsmitgliedern noch deutlich anzumerken. Info www.kegelfreundesembach.de

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