Enkenbach-Alsenborn RHEINPFALZ Plus Artikel Kein einheitlicher Glasfaserausbau in der VG Enkenbach-Alsenborn

Die Zukunft ist bunt: Die Glasfasertechnik sorgt dafür, dass in vielen Haushalten schnell im Internet gesurft werden kann. Guido
Die Zukunft ist bunt: Die Glasfasertechnik sorgt dafür, dass in vielen Haushalten schnell im Internet gesurft werden kann. Guido Hartmann von der Vega-Net ermöglicht einen Blick ins Innere eines Verteilers.

Zehn Jahre VG Enkenbach-Alsenborn: In Sachen Breitbandausbau ist noch zu erkennen, welche Orte früher zur alten Verbandsgemeinde (VG) Enkenbach-Alsenborn und welche zur VG Hochspeyer gehörten, es gibt zwei verschiedene Ausbaumodelle. Die Gründe dafür liegen in der Vergangenheit und der Topographie.

Ob an einem Ort schnelles Internet zur Verfügung steht oder nicht, entscheidet immer häufiger darüber, ob sich Gewerbetreibende und Privatleute dort ansiedeln. In der Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn sind der Ausbau der dafür notwendigen Infrastruktur und die Versorgung mit den entsprechenden Diensten eine kommunale Angelegenheit – zumindest in den vier Orten, die bis 2014 die alte VG bildeten. Enkenbach-Alsenborn, Mehlingen, Neuhemsbach und Sembach hatten sich schon 2009 zusammengeschlossen und eine Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) sowie, gemeinsam mit der alten VG, die Gesellschaft Vega-Net, die als Telekommunikationsdienstleister fungiert, gegründet. Das Ziel: für eine bessere Breitbandversorgung sorgen. Seither wurde zu fast allen der 52 Kabelendverteiler in den Gemeinden eine schnelle Glasfaserleitung gelegt. Mittlerweile sind eine extra dafür gegründete AöR und die Vega-Net auch im von Bund und Land geförderten Glasfaserausbau aktiv.

„Man kann bis zu 1000 Mbit/s buchen“

Als nun 2014 die VG Hochspeyer eingegliedert wurde, habe sich gezeigt, dass der Weg, den Ausbau in die eigene Hand zu nehmen, richtig und erfolgreich gewesen sei. Denn es habe ein großer Unterschied im Bereich der Breitbandversorgung zwischen den Gemeinden im Norden – denen der alten VG Enkenbach-Alsenborn – und den Orten im Süden – denen der alten VG Hochspeyer – bestanden, erinnert sich der Kommunalpolitiker Hartwig Pulver. Er ist mittlerweile ein Experte in Sachen Breitbandausbau, begleitet die Entwicklung von den Anfängen in Enkenbach-Alsenborn bis heute und ist derzeit unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der Vega-Net.

Zwar sei nicht der gesamte, neu hinzugekommene Südteil internettechnisch abgehängt gewesen. Der Kern von Hochspeyer sei beispielsweise schon damals von der Telekom recht gut versorgt worden, derzeit baut das große Telekommunikationsunternehmen dort sein Netz im Zuge der Straßensanierung aus. In weiteren Teilen des Ortes sowie in Fischbach und Waldleiningen hätten die Einwohner über Koaxialkabel, die vom Kabelfernsehen bekannt sind, guten Zugang zu digitalen Daten. Hauptanbieter sei hier Vodafone. Das bestätigt Oswald Kullmer, der bisherige Ortsbürgermeister Waldleiningens: „Die Ortsgemeinde wird seit Jahren von Vodafone mit schnellem Internet versorgt. Man kann bis zu 1000 Mbit/s buchen.“

Ausbau wäre nicht wirtschaftlich

Aber einige Flecken wie die Waldleininger Annexe Stüterhof und insbesondere der Ort Frankenstein standen, was die Internetversorgung anbelangte, vor zehn Jahren schlecht da. Nur über Funkzellen sei es dort laut dem scheidenden Frankensteiner Ortsbürgermeister Eckhard Vogel möglich gewesen, wenigstens das Ortszentrum ausreichend zu versorgen. Hätte es da nicht nach der Fusion nahegelegen, dass die kommunalen Akteure auch dort tätig geworden wären, ihren Aktionsradius also auf die ganze neue VG ausgedehnt hätten? Das sei eine berechtigte Frage, sagt Pulver, gibt aber zu bedenken: „Dort, wo weite Strecken im Spiel sind, hat keiner der großen Diensteanbieter für eine entsprechende gute Breitbandanbindung gesorgt.“ Das habe einen einfachen Grund: Es ist nicht wirtschaftlich. Und dieses Kriterium gelte eben auch und ganz besonders für die kleine Vega-Net.

Nach Frankenstein sind es von Enkenbach-Alsenborn aus rund elf Kilometer. Die Leitungen hätten aber bis Weidenthal, also nochmal drei Kilometer weiter, bis zum dortigen Hauptverteiler und dann wieder zurück nach Frankenstein verlegt werden müssen, berichtet Guido Hartmann, Geschäftsführer der Vega-Net und Breitbandkoordinator der neuen VG. In Frankenstein selbst gebe es nämlich keinen solchen Knotenpunkt. Um die Kosten für diese langen Leitungswege wieder hereinzuholen, wären viele Anschlüsse notwendig. Das aber gebe der ländliche Raum mit vielen Einfamilienhäusern kaum her. Insbesondere dann nicht, wenn schon, wie in Hochspeyer, durch das die Trasse hätte führen müssen, Mitbewerber Kunden entlang der Strecke versorgten.

„Wir wollten keine Doppelstrukturen schaffen“

Und Pulver nennt einen weiteren Grund, warum dort keine Kabel im Auftrag der AöR in die Erde gebracht wurden: weil es eben schon welche von der Telekom gab. „Wir wollten keine Doppelstrukturen schaffen“, sagt der SPD-Mann. Das sei Verschwendung volkswirtschaftlichen Vermögens und müsste, seiner Meinung nach, politisch ganz klar geregelt werden. Hartmann ergänzt: „Es gibt ein Gasnetz, ein Wassernetz, ein Stromnetz, ein Fernwärmenetz und dann hat es auch nur ein Glasfasernetz zu geben.“ Liege die Infrastruktur, könne sie von jedwedem Anbieter gegen Entgelt genutzt werden.

Die Option, das kommunale Betreibermodell auf die gesamte VG Enkenbach-Alsenborn zu übertragen, wurde also verworfen. Dass die Frankensteiner – und auch der Stüterhof – mittlerweile trotzdem mit schnellen Datenleitungen versorgt werden, liegt daran, dass Land und Bund seit einigen Jahren den Ausbau fördern. Sie übernehmen 90 Prozent der Kosten, weshalb nun doch, eben auf Staatskosten, die großen Telekommunikationsunternehmen die Netze ausbauen. Frankenstein wird über das sogenannte Kreiscluster des Landkreises Kaiserslautern von der Deutschen Glasfaser nach und nach an das schnelle Glasfasernetz angebunden. Eckhard Vogel ist damit zufrieden. Jeder Hauseigentümer, der den Antrag gestellt habe, werde – für ihn kostenfrei – angeschlossen. Und die Erschließung sei schon weit fortgeschritten: „Wir hoffen bis spätestens Ende des Jahres auf den funktionalen Anschluss an das Glasfasernetz.“ Aufgrund dieser Entwicklung stimmt er Pulver zu, der die gesamten acht Gemeinden der Verbandsgemeinde in Sachen Breitband gut aufgestellt sieht.

Die Serie

Aus zwei mach eins: Zehn Jahre ist es her, dass die alte Verbandsgemeinde Hochspeyer in die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn eingegliedert wurde. Eine Liebeshochzeit war es nicht, sondern ein vom Land erzwungener Akt. In der Mini-Serie „Zehn Jahre VG Enkenbach-Alsenborn“ beleuchten wir das Ereignis noch einmal von verschiedenen Seiten.

x