Landstuhl
Karla Gortner arbeitet seit 50 Jahren in den Werkstätten des Ökumenischen Gemeinschaftswerks
Die Augen blitzen, wenn Karla Gortner lacht. Das tut sie gern, oft und aus vollem Herzen. Sie scheint ein Energiebündel zu sein. Daran ändern auch ihre 65 Jahre nichts. Von Rente will sie noch nichts wissen. „Zuhause würde mir ja die Decke auf den Kopf fallen“, sagt sie. „Außerdem gefällt mir meine Arbeit.“ Ihr Platz ist in der Textilpflege der Landstuhler Werkstätten. „Da wird gewaschen und gebügelt. Bettwäsche, Tischdecken und andere große Teile werden gemangelt. Das mache ich besonders gern. Es ist ein sauberer Job, alles riecht gut.“
Karla Gortner kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn sie davon erzählt, was ihre täglichen Aufgaben sind. Dazu trägt auch das Team ihrer Gruppe bei, mit dem sie sich bestens versteht. „Nette Kollegen sind wichtig“, meint sie und strahlt. Dass eine Hirnblutung bei ihrer Geburt nicht ohne beeinträchtigende Folgen geblieben ist, machen ihre positive Ausstrahlung und ihre quirlige Art wett.
Sie ist viel herumgekommen
Seit 50 Jahren ist sie Teil der Werkstätten, war an Standorten in Landstuhl und Ramstein beschäftigt, bevor sie 1985 in das neu erbaute Gebäude in der Landstuhler Bruchwiesenstraße wechselte. „Ich habe erlebt, wie die Werkstätten immer größer geworden sind.“ Mit ihnen ist auch sie selbst gewachsen. Denn als sie 1970 in die Werkstätten kam, war sie ein 15-jähriger Teenager, aber schon viel in Deutschland herumgekommen, weil die Familie der Arbeit folgte. Nach Stationen in Hamburg, Stuttgart und Bremen ging es zurück in die Pfalz nach Höhfröschen.
Den Ort hat Karla Gortner hinter sich gelassen, lebt im Wohnheim in Ramstein. „Da ist vor kurzem auch eine junge Kollegin eingezogen. Mit ihr frühstücke ich jetzt immer zusammen“, beschreibt sie den Tagesauftakt, den sie „richtig schön“ findet. Das Wochenende verbringt sie mal im Wohnheim – „im Sommer sitze ich oft auf dem Balkon und rede mit den Blumen. Das mögen die“ – mal bei einer ihrer drei Schwestern. Mit denen verreist sie auch gern. „Wenn’s nicht so weit weg ist und ich es finanzieren kann.“ In Büsum ist die muntere Seniorin schon Stammgast, fährt aber auch gern in die Berge. „Dann machen wir Gewaltmärsche oder drehen eine kleine Runde, je nachdem wie ich in Form bin.“
Im vergangenen Jahr sollte es für einen Tag nach Paris gehen. „Aber dann war Streik und die Züge sind nicht gefahren. Das war schade. Ich wollte so gern auf dem Eiffelturm Kaffee trinken. Der ist nämlich mein Liebling.“
Essen in der Turnhalle
Jetzt macht die Corona-Pandemie manchen Dingen einen Strich durch die Rechnung. So fallen zwei Gruppenangebote der Werkstätten weg, an denen Karla Gortner gern und regelmäßig teilgenommen hat. Doch den Schutzmaßnahmen entsprechend dürfen sich Gruppen nicht mehr mischen, sondern müssen für sich bleiben. Das habe auch Vorteile, meint die 65-Jährige. „Für unsere Gruppe gibt’s das Essen jetzt in der Turnhalle. Da haben wir mehr Platz und mehr Ruhe als sonst im Speisesaal.“ Auch auf den Kaffee mittags freut sie sich. „Ich liebe Cappuccino und esse gern was Süßes dazu. Aber nicht so viel – wegen der Figur“, sagt sie und tippt lachend auf den Hosenbund. Einen Wermutstropfen gibt es aber: die Ungewissheit in Sachen Weihnachtsfeier. „Ich habe immer mitgeholfen, den Gottesdienst vorzubereiten und eine Fürbitte gesprochen. Wenn die Weihnachtsfeier jetzt ausfällt, wird daraus nichts.“
Dafür stieg am 5. Oktober eine kleine gruppeninterne Feier – eigens für die Jubilarin. Sekt-Orange zum Anstoßen und eine Urkunde für 50 Jahre Zugehörigkeit zu den Werkstätten gab es. Die kommt zu den anderen Urkunden, die Karla Gortner über die Jahrzehnte schon erhalten hat. Eine beachtliche Sammlung, auf die sie stolz sein kann.