Kreis Kaiserslautern
Kaiserslautern: Wirtschaftsförderung mit Philip Pongratz
Schreibtisch-Gespräche: Der bayrische Akzent ist unverkennbar. Philip Pongratz, der promovierte Politikwissenschaftler und Betriebswirtschaftler, hat seine alte Heimat München zunächst für Berlin verlassen, bevor ihn 2004 die Pfalz lockte. Oder besser, er hat sich von der Geschäftsführerstelle bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfK) Stadt und Landkreis Kaiserslautern anlocken lassen.
Von der „attraktiven, einnehmenden, lebens- und liebenswerten Großstadt Berlin“, so Philip Pongratz, hat es ihn mitten ins Herz des vergleichsweise kleinen Kaiserslautern verschlagen. Zumindest steht der Schreibtisch des WfK-Geschäftsführers direkt neben der Fruchthalle, mit bestem Blick auf den Trubel am Busbahnhof und vor allem mit kurzen Wegen in alle Richtungen.
„Fußläufig zum Landrat und Oberbürgermeister“
„Fußläufig zum Landrat und Oberbürgermeister, das ist ideal“, ist für ihn der WFK-Standort ganz optimal gewählt. In der „handlich sympathischen“ Stadt Kaiserslautern hat er anfangs auch gewohnt, mittlerweile lebt er im Landkreis in Hütschenhausen, hat sich quasi in seinem „Revier“ niedergelassen. Denn er ist hauptsächlich für die Förderung der Wirtschaft im Landkreis zuständig, kümmert sich um Neuansiedlungen, berät bei Umsiedlungen oder Expansionen, hilft, wo es vorwärts gehen soll. Das heißt nun auch: Sein Schreibtisch sieht ihn nicht den lieben langen Arbeitsalltag. „Ich bin schon viel draußen bei den Betrieben unterwegs“, ordnet er seine Arbeitsweise ein.
Dann wartet der Stapel Arbeit eben bis er wieder kommt. Tatsächlich liegt noch richtiges Papier zum Anfassen in einer Ecke des Tisches. „Es läuft vieles nur noch am Computer. Firmenansichten oder Pläne lassen sich ausgedruckt aber einfach komfortabler einsehen“, lautet seine Erklärung für den Packen Papier. Der Motorradhelm neben den Unterlagen muss nicht weiter erläutert werden, zumal die Lederjacke auf dem Stuhl ausharrt und ein gerahmtes Motorradfoto die Wand ziert.
Mit dem Motorrad zur Arbeit
„Spaßfahrten unternehme ich eher weniger. Ich fahre mit dem Motorrad zur Arbeit“, ordnet er das Zweirad ein. Spaß steckt aber sicher auch dahinter, immerhin fährt Pongratz einen englischen Oldtimer aus den 70er Jahren, daheim steht gar noch ein zweites altes Schätzchen. Seine anderen Hobbys verrät der Schreibtisch nicht. Vielleicht das Dart-Spiel? Zumindest steht auf dem Schrank in der Ecke eine kleine Dartscheibe mit Pfeilen. „Nein, das war mal ein Geschenk“, winkt er ab und berichtet von seinem Pferd, das er gemeinsam mit der Tochter reitet und der ganz großen Leidenschaft, die er fürs Rennradfahren hegt.
So gesehen ist er in Stadt und Landkreis ganz gut aufgehoben. Schöne Reitwege, perfektes Radklima (meist jedenfalls) und über Land mit dem Motorrad nach Kaiserslautern, das ist doch entspannend.
Pongratz kann der Pfalz noch deutlich mehr abgewinnen. Die offene Art etwa, mit der ihm die meisten Menschen begegnen und sein Job bei der WfK, der ihm immer dann eine „stille Befriedigung“ beschert, wenn es ihm gelingt, einen Betrieb – egal ob einen kleinen Handwerker, einen Mittelständler oder ein großes Unternehmen – positiv zu begleiten. „Das tut gut!“
„Es muss produziert werden“
Kürzlich hat Pongratz seinen Schreibtisch verlassen, um nach Sembach zur Jubiläumsfeier von Heger-Ferrit zu fahren. Seit zehn Jahren werden dort riesige Gusskomponenten vor allem für Windkraftanlagen gefertigt. „Da hat sich was entwickelt, Menschen von hier haben dort Arbeit gefunden. Das zu sehen und zu wissen, an dieser Entwicklung durfte ich, durfte die WfK mitarbeiten, das ist ein gutes Gefühl“, sagt der Geschäftsführer. So wie in Sembach müsse die Produktion im Landkreis gehalten werden. „Es muss produziert werden, auch das braucht die Wirtschaft!“ Auch dafür sitzt er an seinem Schreibtisch in der Fruchthallstraße in Kaiserslautern.
Die Serie
Schreibtische sind Arbeitsplätze. Viele Berufstätige verbringen dort Stunden, Tage, Wochen, Jahre und haben sich ihren Schreibtisch deshalb speziell eingerichtet: auf ihren Job abgestimmt oder auch sehr persönlich. In unserer Serie „Schreibtisch-Gespräche“ besuchen wir Menschen an ihrem Schreibtisch, betrachten Bilder, Gegenstände, Kuriositäten und suchen die Geschichten dahinter. Heute gewährt der Geschäftsführer der WFK, Philip Pongratz, Einblick in sein Arbeitsreich.