Kreis Kaiserslautern
Kaiserslautern/Ramstein: Pfadfinder sind nur im Winter nicht immer im Wald
Pfadfinder sind immer in freier Natur, erkunden den Wald und bauen Zelte auf. So stellen sich wohl die meisten das Pfadfinderleben vor. Doch was machen die naturverbundenen jungen Menschen eigentlich im Winter? Finden auch dann Gruppenstunden in Wald und Feld statt oder gibt es ein Alternativprogramm?
In Kaiserslautern trifft sich der Stamm „Goten“ noch bis zu den Herbstferien am Parkplatz gegenüber der Gaststätte Quack. Von dort aus ist es nicht mehr weit zur Pfadfinderhütte im Wald. Xenia Mierzwa ist Führerin der Meute „Ermanrich“. Die sechs- bis elfjährigen Kinder der Meute gehören zu den sogenannten Wölflingen: „Das sind die Kinder, die noch kein Pfadfinderversprechen abgelegt haben“, erklärt Mierzwa. Sie unterscheiden sich optisch durch ihre andere Kluft von den Pfadfindern: „Die Wölflinge tragen gelbe Tücher, der Pfadfinder hat blau-gelbe Tücher um den Hals gebunden“, verrät die Meutenführerin das einfache Unterscheidungsmerkmal.
Hütten aus Ästen und Moos mitten im Wald
Diesmal geht es für die Meute „Ermanrich“ in den Wald oberhalb der Pfadfinderhütte. Steil windet sich der schmale Pfad an der Abzweigung des Weges zum Wildpark den Berg hinauf. Flink marschieren die rund 25 Kinder den Weg nach oben. Dort angekommen, erklärt Mierzwa die Aufgabe: „Ihr baut heute eure angefangenen Hütten weiter und bleibt in den bestehenden Gruppen.“ Während die eine Gruppe ihre Unterkunft uneinsehbar vom Weg linksseitig aufgebaut hat, ist die Hütte der zweiten Gruppe auf der anderen Seite des Weges am Entstehen. „Die schönste Hütte wird am Ende gewählt, deshalb ist Geheimhaltung Pflicht“, schmunzelt Mierzwa und folgt der ersten Gruppe.
Die Hütte besteht aus einem Baumstamm als Grundpfeiler. An diesen wurden jede Menge lange Äste und dünne Stämme angelehnt. Darunter ist alles mit dicken Moosmatten ausgepolstert: „Damit wir es schön gemütlich haben“, verrät Ben. Auch an Regenschutz denken die Kinder. Sie haben beschlossen, die Äste und Stämme ebenfalls mit Moos zu verkleiden. Dabei gehen sie planmäßig vor: Einige sind für die Beschaffung des Mooses zuständig und bringen es zu einer Sammelstelle. Dort holen die „Dachdecker“ das Moos ab und verteilen es als Dach auf der Hütte.
Auch auf der anderen Seite des Weges wird mächtig gewerkelt. Die eigentliche Bauart ist gleich, doch hier wurde viel Wert auf die passende Dekoration gelegt. Aus Holzteilen und Rinde wurde eine Terrasse gebaut, daran schließt sich ein Garten mit kleinem Tisch und einer Bank an.
Währenddessen sind die Pfadfinder an ihrer festen Holzunterkunft im Tal beschäftigt. Sie spielen im Kreis mit Holzbrettern und einem kleinen Ball eine Art Schlagball. Andere karren große Findlinge mit dem Schubkarren an und legen damit einen Teil des Grundstücks an.
Erst nach den Herbstferien geht es nach drinnen
Nach den Herbstferien geht es dann aber in geschlossene Räume, verraten Xenia Mierzwa und ihr Bruder Vincent, der für die Pfadfinder zuständig ist. Im Jugendhaus in der Augustastraße hat der Stamm „Goten“ seine Winterunterkunft. Da wird dann gesungen, gespielt und viele kreative Dinge werden angegangen: „Wir nähen auch mal Abzeichen oder wir basteln.“ Blumentöpfe wurden schon bemalt, handwerkliche Dekorationen für die Hütte werden geschnitzt oder anderweitig hergestellt. Im Dezember fährt Vincent dann mit anderen Pfadfindern nach Wien. „Dorthin wird das Friedenslicht von Jerusalem gebracht.“ Die Pfadfinder holen das Licht mithilfe einer Kerze dort ab und bringen es nach Speyer. „Von Speyer aus wird es dann hier in der Region überall hin verteilt.“
Doch so ganz können die Goten nicht auf die freie Natur verzichten. Am 23. Dezember steht eine Nachtwanderung mit Fackeln auf dem Programm. Nach der Zeugnisausgabe im Januar findet das Winterlager statt: „Dann werden die Wölflinge ausgestoßen zu den Pfadfindern – wenn sie alt genug sind, um ihr Pfadfinderversprechen abzulegen“, erklärt Vincent.
Der Stamm Kurpfalz hat ein eigenes Gebäude
Ähnlich verbringt auch der Stamm „Kurpfalz“ in Ramstein-Miesenbach den Winter, ist von Jonas Scherne, stellvertretender Vorsitzender des Stammes und Stufenbeauftragter Wölflinge, zu erfahren. In Ramstein-Miesenbach hat der Stamm allerdings das große Glück, ein eigenes Gebäude auf dem weitläufigen Pfadfindergelände zu haben. Im Winter sind die Ramstein-Miesenbacher Pfadfinder hauptsächlich kreativ in ihren Gruppenstunden. „Bei uns wird sehr gerne gekocht und gebacken, auch von den Jungs“, sagt Scherne schmunzelnd. Zusätzlich zum eigenen Gebäude darf der Stamm „Kurpfalz“ das „Haus der Jugend“ in Ramstein benutzen: „Wir haben dort unseren Materialraum und dürfen die Küche nutzen.“ Die jungen Pfadfinder und Wölflinge dürfen dann auch ihre Wünsche äußern: „Selbst wenn uns nichts mehr einfallen würde: Die Kinder haben genug Ideen und Vorschläge.“ So wurde auch schon die Turnhalle für einen Spielenachmittag genutzt.
Pfadfinder auch im Ausland auf Tour
Über Sommer ist auch dieser Stamm nur im Freien. „Am liebsten gehen wir auf Fahrt“, erzählt Gildenführer Felix Kaufmann. „Dabei gehen wir wandern, bauen abends unsere Zelte auf und schlafen jeden Tag woanders.“
Ein besonderes Erlebnis war die Fahrt nach Prag. Von dort aus ist der Stamm nach Budweis gewandert. „Wir haben nie gewusst, wo wir am nächsten Tag sind“, erinnert sich Kaufmann an das kleine Abenteuer. Jonas Splittgerber erzählt, dass sie sogar einmal in der Garage eines Winzers übernachten durften. „Wenn wir mit unserer Kluft unterwegs sind, sind wir ja als Pfadfinder zu erkennen. Da sind die Leute immer sehr gastfreundlich“, erzählt Felix Kaufmann.