Kreis Kaiserslautern
Köpfe der Region: Hugo John aus Ramstein-Miesenbach

Der gebürtige Westpfälzer war ein Mann von vielerlei Interessen. Hugo John betätigte sich als Künstler, Techniker, Kirchenrestaurator und Flugpionier. Seine Arbeiten befinden sich in privaten Sammlungen, öffentlichen Gebäuden und in einem hiesigen Gotteshaus. Zudem begründete er mit seiner Familie eine Künstler-Dynastie: sein Sohn Walter war ein erfolgreicher Maler, sein Sohn Edgar ein gefragter Illustrator.
Hugo John wurde am 12. Februar 1874 in Ramstein geboren, wo sein Vater in der Miesenbacher Straße ein Schreinergeschäft betrieb. Er sagte von sich: „Im Alter von vier Jahren wusste ich bereits, dass ich Maler werde. Damals hatte Meister Franz Dochnahl in meinem Elternhaus getüncht und vom Anblick der Farbtöpfe, des schönen Gelb, Rot und Blau, kam ich nicht mehr los.“
Der kleine John zeichnete schon in der Volksschule ein Porträt von König Ludwig II. von Bayern. Der katholische Pfarrer des Ortes wollte ihn daher als Maler ausbilden lassen, der Bezirksbaumeister in Homburg hätte ihm ein Stipendium an der Münchner Akademie der bildenden Künste beschafft. Der Vater allerdings war strikt dagegen, der Junge musste in der elterlichen Schreinerei mitarbeiten. Zwischendurch nahm Hugo John jedoch Malunterricht bei Professor Geiger am Lautrer Gewerbemuseum.
Malerei in der Freizeit
Erst nach der Gründung einer eigenen Familie konnte sich Hugo John ab 1903 vermehrt der Malerei widmen. Den Lebensunterhalt verdiente er allerdings im technischen Büro der Gesellschaft für Maschinenbau in Zweibrücken. In seiner Freizeit malte er Landschaften und Stillleben. Im Ersten Weltkrieg gestaltete er Bilder wie „Auffahrende Artillerie bei Mörchingen“, „Nach der Schlacht bei Saarburg“ und „Die Eroberung der Stadt Longwy“, die von städtischen Museen erworben wurden.
Die Bilder des pfälzischen Malers sind durchweg gegenständliche und naturalistische Darstellungen. Es handelt sich um reizvolle Wiedergaben von Eindrücken, die der Künstler aus seiner Umwelt gewann. So zum Beispiel Hüttenarbeiter bei der Arbeit, ein vierspänniges Pferdefuhrwerk oder Schwarzwild im winterlichen Wald. Dazu kommen Landschaftsbilder wie der Schlossberg bei Forbach und der Hohenschwangau; oder mittelalterliche Stadtansichten von Nürnberg, Dinkelsbühl und Rothenburg o.T.; schließlich Stillleben und Blumengemälde.
John schuf den Kreuzweg in der Pfarrkirche St. Nikolaus
Das umfangreichste bildnerische Werk Johns ist jedoch der Kreuzweg, den er im Inflationsjahr 1923 für die Pfarrkirche St. Nikolaus in Ramstein schuf. Die vierzehn großen Kreuzweg-Stationen sind im Stil der „Nazarener“ gemalt und wurden seinerzeit durch Stiftungen einzelner Familien oder Vereine finanziert. Da die Malerei oft eine brotlose Kunst war, beschäftigte sich John schon 1910 auch mit der Fliegerei und war damit einer der ersten Flugpioniere. Von 1931 bis 1934 arbeitete er bei der Lufthansa in Saarbrücken und anschließend in Mannheim. In dieser Zeit entstand das Gemälde „Über den Wolken“, das einst im Flughafen von Berlin hing. Hugo John starb am 20. Oktober 1956 in Schrollbach im gesegneten Alter von 82 Jahren.