Kreis Kaiserslautern Johlen, Schunkeln, Raketen

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Bunter hätte das Volk kaum sein können: Kaum einer, der sich für diesen Abend nicht in ein Kostüm geworfen hatte. Frohsinn und Heiterkeit beherrschten von Beginn an die Turn- und Festhalle von Bruchmühlbach. Am Samstagabend hatte der Unterhaltungsverein (UVB) ein wahrhaft närrisches Volk zur ersten Prunksitzung mit einem fast fünfstündigen Programm geladen.

Die hauseigenen Fastnachtsgewächse Sybille Hilbert, Doris Stenger und Bianca Kaaf machen unmissverständlich deutlich: „Mach dein Ding, dingeling, dingeling!“ Sie sinnieren über Lust und Frust des Lebensbundes. „Was haben ehelicher Sex und Bügeln gemeinsam?“, wollen sie wissen und haben gleich die Antwort parat: „Bei beidem muss man sich überwinden.“ Letztlich kommen sie zu dem Schluss: „Eigentlich ist es doch gar nicht so schlimm. Wenn man es hinter sich hat, hat man eine Zeit lang Ruhe.“ Ein ums andere Mal beweist das Trio in puncto Humor eine Treffsicherheit, die vom Publikum mit Johlen und Pfiffen quittiert wird. Gleich zweimal auf der Bühne steht an diesem Abend ein weiteres Trio vom UVB. Sitzungspräsident Patrick Fischer kündigt Engelbert Schanne, Udo Zepp und Gerhard Klarl als „die Crème de la Crème“ des Karnevals an. Die drei Männer mit Batschkapp, Clownsgesichtern, Fliege und überweiten Hosen machen diesem Attribut alle Ehre. Im Nu haben sie das Narrenvolk mit ihren Melodien im Griff. Da hält es keinen mehr am Platz. Cowgirl und Zigeunerin, Hexe und Chirurg, Sheriff und Marienkäfer haken sich unter und stehen auf den Stühlen. Richtig geht die Post bei „Zacka zacka“ ab. „Wem gehört das Auto da draußen oder besser: Wem war’s?“ Cornelia Nicklas hält ein Nummernschild in die Höhe. Das Bütten-Ass vom Vollmarschen Männerchor aus Kaiserslautern stellt sich als frisch gebackene Führerscheinbesitzerin vor, die mit 111 Fahrstunden den „Akkord“ hält. Unverständlich für sie, dass sie auf der Autobahn Gegenverkehr hat oder dass der Blitzer nicht fotografiert, obwohl sie extra langsam vorbeifährt. „Wem war’s?“, hakt sie nach. Denn sie will ihn höchstpersönlich heimfahren. Die Lacher hat sie auf ihrer Seite, doch ihr Beifahrersitz bleibt leer. Der Carneval- und Unterhaltungsverein Landstuhl schickt Nachwuchstalent Kevin Göttel in die Bütt, der als Praktikant so manchen Chef vor Herausforderungen stellt. Manfred Agne berichtet von menschlichen Bedürfnissen, ob Notdurft oder Familienplanung auf seinen Wandertouren. Die drei Lautrer Trauerschnallen Daniela Weiland, Nicole Wentzler und Anja Laufer sehen zwar aus, als würden sie zum Lachen in den Keller gehen, aber ihr monotoner Sprechgesang ist mit Schärfe gewürzt. Da empfiehlt der Arzt einem der Gatten ein Phosphorpräparat zur Stärkung der Manneskraft, doch der ist davon nicht erbaut. „Er soll ja stehen und nicht leuchten!“ Über den Abend verteilt begeistern die Tänzer des UVB und des CUVL mit ihren Garde- und Schautänzen und heimsen etliche Raketen ein. Seien es die Bambini in ihren entzückenden Blumenkostümen oder die temperamentvollen Darbietungen der Größeren mit Hebefiguren und anspruchsvoller Choreografie bei rasantem Tempo. Etwas fürs Frauenauge bietet das Männerballett aus Thaleischweiler: Die rußgeschwärzten T-Shirts reißen sich die Männer fast vollständig vom Leib. Kurz vorm Finale lassen es die Bruchschneppen bei ihrer Hochzeitsreise auf dem UVB-Traumschiff noch einmal richtig krachen. Während das Brautpaar über die Bühne spaziert, wechseln sie von einem Wimpernschlag zum nächsten ihre Kostüme, insgesamt waren es mehr als 120. Mal stehen die Frauen als gedeckter Tisch in Reifröcken da, dann im Sportdress für die Morgengymnastik oder im Badeanzug mit Schwimmreif um die Taille. Bei der abschließenden Polonäse ziehen Akteure und Narren durch den Saal. (lmo)

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