Kreis Kaiserslautern Jeder Kilometer zählt für Ruanda
Sie laufen wieder. Die Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) Enkenbach-Alsenborn legen sich für ihre Partnerschaften ordentlich ins Zeug. Wer nicht fußlahm oder krank war, war gestern beim „Ruanda-Marsch“, einer Benefiz-Aktion für die ruandische Partnerschule, unterwegs. Und trotzte dem Regen.
Strecken von acht, zehn, 13 und 18 Kilometern gab es zu absolvieren. Die Schüler hatten sich vorab im privaten Umfeld Sponsoren gesucht, die entweder pauschal oder für jeden gelaufenen Kilometer eine Summe spendeten. „Die gesamte Schule ist unterwegs, mit Ausnahme des 13. Jahrgangs, der schon abgegangen ist“, berichtet der stellvertretende Schulleiter Klaus-Peter Mees. „Also rund 880 Schülerinnen und Schüler.“ Der Erlös soll der Partnerschule im Norden von Ruanda zugute kommen. Und die Messlatte liegt hoch: Über 21.500 Euro haben die Schüler vor knapp drei Jahren bei ihrem Ruanda-Lauf hereingeholt, berichtet Lehrerin Andrea Laux, Ruanda-Beauftragte der Schule. „Von dem Geld werden konkrete Projekte finanziert.“ Drei Klassensäle werden derzeit gebaut, „es ist eine alte Schule, mit Lehmböden und ohne Fensterscheiben“, beschreibt Laux. Zudem bekamen die Schüler im Dezember 2014 eine Schweinezucht, „der Erlös aus dem Verkauf der Schweine dient dann der Schule“. Wofür das gestern gesammelte Geld eingesetzt wird, ist noch offen. „Im November kommt eine Delegation der Schule zu uns – vielleicht gibt es da schon Ideen?“, stellt Laux in den Raum. Begleitet von zwei Lehrern werden zehn Schüler für zehn Tage in die Pfalz reisen, im Alter von 15 bis 21 Jahren. „Weil viele nicht die Möglichkeit einer regulären Einschulung haben, sind sie in der zwölften Klasse dann schon so alt – und nicht, weil sie sitzengeblieben sind“, beugt Laux Spekulationen vor. Die Schüler wohnen hier in Familien; zum Eingewöhnen und gegenseitigen Kennenlernen sind alle am ersten Wochenende zusammen in der Jugendherberge – in Worms, weil Hochspeyer schon belegt war. Sie widmen sich an der Schule Projekten zum Thema „Zwei Welten – eine Gemeinschaft“. Eigentlich wollte die Delegation schon im Mai anreisen, doch politisch-bürokratische Hürden ließen den Termin platzen. „Das ruandische Bildungsministerium hat neue Regeln aufgestellt, sie aber nicht kommuniziert, so dass weder wir noch unser Bildungsministerium oder der Partnerschaftsverein Rheinland-Pfalz etwas davon wusste“, erläutert Laux. Besuche dürfen nun nur noch in den ruandischen Schulferien stattfinden. „Statt in den Frühling kommen die Schüler jetzt mitten in unsere ungemütliche, kalte Jahreszeit...“ Da ein Europa-Flug für den normalen ruandischen Schüler und auch Lehrer kaum erschwinglich ist, wird die Reise zu maximal 70 Prozent durch das „Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm“ ENSA, einem Förderprogramm des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, finanziert, erklärt Laux. „Die restlichen 30 Prozent steuern teils wir aus Aktionen bei, sowie auch das rheinland-pfälzische Innenministerium.“ Die IGS-Schüler haben gestern jedenfalls schon mal einen Teil zur Unterstützung der Partnerschule geleistet. Auch wenn sie nicht wie geplant Punkt 8 Uhr starteten: Den gröbsten Regen warteten sie noch ab. „Aber um 9 Uhr waren alle weg; die auf der Langstrecke um 8.30 Uhr“, berichtet Mees, „sonst hätten sie es nicht geschafft.“ Das Wetter hatte später ein Einsehen, und bis 12 Uhr waren alle wieder an der Schule angekommen. Die fußkranken Schüler kümmerten sich auf dem Schulhof um die leibliche Stärkung der hungrigen Wanderer, die Schulband um die mentale Belebung. So konnte die Menge unbeschwert den Schultag ausklingen lassen, denn Unterricht wartete gestern nicht mehr auf sie. Wie viele Euro der Lauf eingebracht hat, wird in rund zwei Wochen feststehen. Dann ist auch klar, ob die Summe von 2013 getoppt wurde. |gzi