Reichenbach-Steegen
Jan Epp spielt bei „Woodstock der Blasmusik“
Jan Epp ist Spross einer Musiker-Familie aus Reichenbach, seit Frühjahr 2018 Dirigent seines heimatlichen Musikvereins und im Hauptberuf seit Februar 2021 Geschäftsführer des Landesmusikverbands Rheinland-Pfalz. Und trotzdem ist es dem Diplom-Orchestermusiker nach eigenen Angaben gelungen, „noch Eines in Sachen Blasmusik draufzusetzen“: Jan Epp wird mit 44 anderen Musikern am letzten Freitag im Juni als Mitglied der „Kapelle Gefällt Mir“ auf der Hauptbühne beim „Woodstock der Blasmusik“ zu hören sein – und damit vor mehreren 10.000 Fans des Genres auftreten.
Vier Tage Blasmusik pur
„Woodstock der Blasmusik“ ist das mittlerweile weltweit besucherstärkste Open-Air-Blasmusikfestival. Die viertägige Veranstaltung fand 2022 nach zwei Jahren Corona-Pause zum zehnten Mal in dem rund 1300 Einwohner zählenden österreichischen Dörfchen Ort im Innkreis, rund 30 Kilometer südlich von Passau, statt – mit mehr als 60.000 zahlenden Besuchern. Einer davon ist seit einigen Jahren Jan Epp, der zusammen mit einer Gruppe von Blasmusik begeisterten Menschen – die meisten davon aktive Mitglieder des örtlichen Musikvereins samt Anhang – das Festival besucht, um vier Tage Blasmusik pur zu genießen. „Ein Auftritt bei ,Woodstock der Blasmusik’ ist für viele Bands aus dem Genre der absolute Höhepunkt. Wer dort gespielt hat, gehört gewissermaßen zum ,Who is Who’ der Blasmusik“, sagt Epp. „Ernst Hutter und die Egerländer Musikanten“ sowie „Saso Avsenik und seine Oberkrainer“ gehörten ebenso zu den Bands, die bei diesem Festival auftraten, wie die Bigband der Bundeswehr, La Brass Banda, Mnozil Brass und die Weltstars von Canadian Brass, die sonst eher in Konzertsälen zu hören sind.
Ein Markenzeichen des Festivals ist das Gesamtspiel der Gäste, bei dem am Festival-Samstag viele der Besucher ihre eigenen (Blas)-Instrumente mitbringen und so eine riesige Kapelle bilden, in der im letzten Vor-Corona-Jahr über 10.000 Musiker mitspielten. Zu einem weiteren Markenzeichen soll die im vergangenen Jahr zum ersten Mal initiierte „Kapelle Gefällt mir“ werden, deren Mitglieder unter anderem über eine Abstimmung im Sozialen Netzwerk „Facebook“ gefunden werden. „Ich hab davon im vergangenen Jahr gehört, und als die Aktion im Februar in Facebook anlief, hab’ ich mich dazu entschlossen, mitzumachen“, berichtet Epp. Dazu musste der Musiker eine Art Bewerbung einschließlich eines Fotos von sich bei den Festival-Machern einreichen. „Die wollten einen kurzen Lebenslauf haben und wissen, wie man sein musikalisches Niveau selbst einschätzt, alles ziemlich unspektakulär“, berichtet Epp. Danach gab es eine erste Vorauswahl, um sicherzustellen, dass die „Kapelle Gefällt Mir“ nicht nur aus Saxophonen und Klarinetten besteht, sondern eine ausgewogene Besetzung zusammenkommt.
879 „Likes“
Der Vorauswahl schloss sich ein Voting im Internet an. „Abstimmen konnte man zwischen dem 27. und dem 30. März. Ich hab natürlich im Vorfeld und nochmals an den drei Tagen, an denen die Abstimmung möglich war, im Internet sowie bei Freunden und Bekannten die Werbetrommel gerührt, um möglichst viele Stimmen zu bekommen“, berichtet Epp. Dabei war der Reichenbacher offensichtlich sehr erfolgreich, denn in den drei Tagen sammelte er insgesamt 879 „Likes“, wurde damit der Trompeter mit den meisten „Gefällt-Mir-Stimmen“ und darf deshalb am 30. Juni mit der „Kapelle Gefällt Mir“ (daher der Name) mitspielen.
Jeder Instrumentengruppe gehört neben den durch das Voting ermittelten Musikern ein professionelles Band-Mitglied an – im Falle der Trompeten ist das Jörg Brohm, der Leadtrompeter der Bigband der Bundeswehr. „Das war der Grund, weshalb ich zu den Trompeten wollte, vielleicht kann ich ja noch etwas dazu lernen“, hofft Epp. Dirigiert wird die Auswahl-Kapelle von Helmut Schmid, dem Bundeskapellmeister des Österreichischen Blasmusikverbandes. Der Auftritt am Festival-Freitag beginnt um 14 Uhr und dauert eine Stunde und 15 Minuten. Was gespielt wird, kann Epp noch nicht sagen. „Im vergangenen Jahr stand mit dem Florentiner Marsch ein echter Blasmusik-Klassiker auf dem Programm, daneben gibt es viele neue Arrangements, die speziell für das Festival geschrieben werden“, berichtet er von seiner Erfahrung aus dem vergangenen Jahr.
Nur einmal üben
Die Noten kommen in den nächsten Wochen per Post, gemeinsam üben können die 45 Musiker nur einmal. Am Tag vor dem Auftritt seien dafür drei Stunden eingeplant, was allerdings kein großes Problem darstellen sollte, wenn die anderen Bandmitglieder auch nur annähernd so versiert auf ihrem Instrument sind, wie der Trompeter aus dem Westpfälzer Musikantenland.