Stelzenberg Ist der neue Herdeschnackerweg eine Wanderung wert?

Blick ins Karlstal: Die Wanderer marschieren bergab Richtung Finsterbrunnertal.
Blick ins Karlstal: Die Wanderer marschieren bergab Richtung Finsterbrunnertal.

Die Gemeinde Stelzenberg hat einen neuen Wanderweg. Der Herdeschnackerweg ist elf Kilometer lang und hat so einiges zu bieten. Die RHEINPFALZ hat einen Teilabschnitt getestet.

Der neue Wanderweg führt von der Wandertafel am Stelzenberger Feuerwehrgerätehaus in westlicher Richtung zur Breitenau. Die gelbe Raute als Markierung begleitet den Wanderer weiter am Walzweiher entlang bis zum Eingang des Karlstals. Entlang der Moosalbe führt der Weg zum Naturfreundehaus Finsterbrunnertal als Einkehrmöglichkeit. Komplettiert wird der Rundweg mit dem letzten Teilstück an der Herdeschnacker-Felszeichnung vorbei nach Stelzenberg. Mit etwa drei Stunden wird die Gehzeit angegeben. 135 Höhenmeter sind dabei zu überwinden. Getestet hat die RHEINPFALZ dieses letzte Teilstück in umgekehrter Richtung anlässlich der Einweihungswanderung. Diese vier Kilometer und 130 Höhenmeter sind in gut einer Stunde gemütlich zu schaffen.

Am Sonntagmorgen waren rund 30 Wanderer der Einladung der Gemeinde Stelzenberg zur Einführungswanderung gefolgt. Ortsbürgermeister Fritz Geib schlug auf dem Parkplatz an der Feuerwehr die eher kürzere „Einlauftour“ mit Ziel und Einkehr im Naturfreundehaus Finsterbrunnertal vor.

Weidevieh nimmt kaum Notiz von den Wanderern

Gemächlich wendet sich die 30-köpfige Wandertruppe von der Hinweistafel auf dem Platz vor dem Feuerwehrgerätehaus in südliche Richtung. Ein klein wenig geht es bergab entlang der K55, die hinunter zum Karlstal führt. Noch ist von einer Wandermarkierung nichts zu sehen. Eine flache, waagerecht liegende Raute muss es sein. Mit hellem Gelb ausgefüllt ist sie Orientierungszeichen für die große Runde des Herdeschnackerweges, der eigentlich bis zum Walzweiher ausgreift. Heute gilt es aber lediglich den Teil davon zu erkunden, der recht direkt zum Naturfreundehaus führt.

Da ist sie mit einem Male zu sehen, die gelbe Raute. Am Schildermast des Vorfahrtsstraßen-Zeichens weist sie senkrecht stehend und mit schwarzem Pfeilchen auf den Abzweig nach rechts hin. Der weite Schwung des asphaltierten Wirtschaftswegs durch eine sanfte Delle liegt einladend vor den Wanderfreunden. Noch ziehen lichte Nebelschwaden malerisch über das hügelige Wiesenpanorama. Das Weidevieh nimmt kaum Notiz von übermütig vorauslaufenden Jungs oder den schnüffelnden und scharrenden Hunden rund um die Teilnehmer der Premierentour.

Weißer Pfeil mahnt energisch zum Abbiegen

Allmählich ist ab und an die Sonne zu erahnen, wenn der dicke Hochnebel für einen Moment dünnen Schleiern weicht. Und schon erwachen die Farben ringsum. Der Weg steigt mäßig an, die ersten Wanderer erreichen den tunnelartig verschränkten Mischwald. Statt über Asphalt geht es über feuchten Sand und dicke Herbstlaubmatten. Verblichenes Grün bis hin zu rötlichem Gelb schimmert mit der Herbstsonne durch das lichte Blätterdach auf die bunte Truppe.

Im alten Mischwald neigt sich das Gelände immer steiler abwärts. Dass eine veränderte Gangart erforderlich wird, zeigt nun auch die gelbe Raute an. Der alte Buchenstamm trägt sie aufgemalt auf weißem Grund. Darunter mahnt ein weißer Pfeil energisch zum Einbiegen auf den schmalen Pfad abwärts entlang der steilen Böschung. Ausgewaschene Rinnen, klobig herausragende Sandsteine und mit Laub verdeckte Unebenheiten sind nun nicht nur für die Mütter mit ihren Kinderwagen eine Herausforderung.

Dem Herdeschnacker schmeckte das Essen nicht

Inzwischen verleidet die Sonne den tanzenden Nebelschleiern den Auftritt. Die Wanderer haben dafür aber momentan keinen Sinn. Sie müssen sich auf den zerklüfteten Pfad konzentrieren. Koordinationsvermögen ist hier die beste Vorsorge für die noch heilen Knöchel. Vielen entgeht auf dieser Passage der Blick aus der Höhe auf das schon nahe Karlstal. Sandsteinformationen türmen sich bergwärts entlang des Pfades auf. Die Wanderfreunde sind am „Erlinger Fels“ angelangt. Das flache, in Stein gemeißelte Relief einer Figur ist am Fuß der Sandsteinwand gerade eben erkennbar. „Eine eigenartige Kopfbedeckung ist dort auch zu sehen“, erläutert Geib. Diese gleiche eher einem Topf als einem Hut. „Die Überlieferung besagt, dass hier ein Mann abgebildet sei, der zu seiner Zeit Herdeschnacker genannt wurde und im hiesigen Steinbruch arbeitete.“ Seine Frau habe ihm täglich das Mittagessen herbeigebracht. Nun soll es passiert sein, dass ihm dies wieder einmal nicht schmeckte und die Frau ihm deshalb im Zorn den Topf über dem Kopf entleerte. Wie es sich auch immer zugetragen haben mag, die Steinbruchkollegen verewigten den Herdeschnacker nach diesem Vorfall im Stein, schildert Geib weiter.

Nach rund vier Kilometern öffnet sich für die Wanderer aus halber Höhe ein Panoramablick ins Karlstal. Letzte Nebelreste hängen zwar noch dicht über den Wiesen entlang der Moosalbe, doch die Herbstsonne setzt das goldene Laub entlang des Pfades so richtig in Szene. Aus den Kulissen des jenseitigen Nadelwaldes ist in der Ferne schon die rote Fahne an der Einfahrt zum Naturfreundehaus erkennbar.

Legenden ranken sich um die Felszeichnung am Herdeschnackerweg.
Legenden ranken sich um die Felszeichnung am Herdeschnackerweg.
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