Kreis Kaiserslautern Individualisten mit illustren Namen
Mit einer Obstschau feierte die Fördergemeinschaft (FÖG) Streuobst Pfalz gestern ihr 20-jähriges Bestehen. Bei der Veranstaltung in Eulenbis stand vor allem der Apfel im Vordergrund. Nicht der genormte Supermarktapfel, sondern Äpfel mit Charakter und illustren Namen wie „Fießers Erstling“, „Minister von Hammerstein“ oder „Champagnerrenette“.
Im Eulenbiser Bürgerhaus ist die Schlange lang. Hier wird aber nicht angestanden, um der anwesenden Beere(n)weinkönigin Janina Ullrich zu huldigen. Ziel ist vielmehr der Pomologe Richard Dahlem, dem kaum eine Apfelsorte fremd ist und der die von den Besuchern mitgebrachten Früchte bestimmen soll. Mal schlummert der unbekannte Apfel in einer kleinen Tasche, mal sitzt er blank poliert in einem Henkelkorb. Silke Kuba aus Niederkirchen packt ein kleines rotes Exemplar aus. Dahlem dreht und befühlt das Obst, stellt ein paar Fragen zum Standort. Ein scharfer Messerschnitt, ein Blick aufs Innere, die Kerne und dann der Biss. Schon weiß der Pomologe, wen er vor sich hat: „Ein Berner Rosenapfel“, bestimmt Dahlem die Sorte, wirft noch schnell einen Blick aufs Laptop und nickt. Die neuen Erkenntnisse zaubern vielen ein Lächeln ins Gesicht. „Endlich zu wissen, welcher Apfelbaum da schon seit Generationen im Garten steht, das ist schon Klasse“, freut sich Edith Wietzel aus Kaiserslautern. Sie ist mit gleich drei Sorten nach Eulenbis gekommen. Mit dem Wissen, dass ihr der „Golden Delicious“, eine Renette und der „Rote Boskoop“ Früchte tragen, geht es heimwärts. Aus dem unglaublichen Sortiment alter Obstsorten hat die FÖG einige besondere Exemplare in Eulenbis ausgestellt. Familie Weber aus Queidersbach erkennt am Körbchen mit den glatten goldgelben Äpfeln namens „Ernst Bosch“ eine Sorte, die auch zuhause auf ihrer Streuobstwiese wächst. „Wir haben gerade zwölf weitere junge Bäume gepflanzt“, unterstützen sie die Natur durch den Erhalt der Streuobstwiese und sichern sich ganz nebenbei die Basis für leckeren Apfelmus, den es so nirgends zu kaufen gibt. Die Jubiläumsfeier der FÖG kommt an. „Ich habe vor etlichen Jahren gelernt, dass der ,Geheimrat Dr. Oldenburg’ und der ,Geflammte Kardinal’ heimische Apfelsorten sind“, erweist sich etwa Peter Schmidt, FWG-Beigeordneter des Landkreises und der Verbandsgemeinde Weilerbach, als Fan der Streuobstwiesen. Er schwärmt von Obst, „das noch individuell schmeckt“. Gut, die sauere Streitbirne ist vielleicht einigen doch zu individuell, aber auch sie steht für die Vielfalt, die es einmal gab und die in den letzten zwei Generationen fast verloren gegangen ist. Durch den Wandel des Menschen vom Selbstversorger zum Supermarktkonsument landen vielfach nur genormte Sorten auf dem Tisch. Die FÖG steuert seit 20 Jahren gegen diesen Trend an − auch mit ihrem Appeltrittch, einem Produkt, das nur aus Früchten von den Streuobstwiesen gewonnen wird. 1,25 Millionen Liter dieses Pfälzer Apfelsafts wurden seitdem in Ramstein bei der Firma Lösch gepresst. „Schmackhaft muss ein Apfel sein, genauso wie er bei uns im Landkreis noch zu finden ist. Die Fördergemeinschaft ist eine Erfolgsnummer, die ihresgleichen sucht“, sagt Landrat Paul Junker (CDU) und dankt der FÖG für ihr Engagement für ein Stück Kultur. „Der Erhalt der Streuobstwiesen ist etwas Wertvolles für die Natur und eine unglaubliche Chance für den Menschen“, ist sich Junker sicher. Dieser Erfolg ist nicht gepachtet, weiß FÖG-Vorsitzender Harald Leixner und wiederholt deshalb auch beim Feiern zwischen all den schönen und schrumpeligen, den polierten und bemehlten, den glattschaligen und den etwas unebenen Äpfeln und Birnen, seinen Wunsch nach weiterer Unterstützung für die Streuobstwiesen. „Man muss was tun. Nachhaltiger Naturschutz fängt im Kleinen an“, hofft er auf weitere Mitglieder. |thea