Otterberg
In Kräuter-Gerdas Gärtnerei ist fast jede Pflanze von Hand gezogen
Das Refugium von Gerda Marschall, die als Kräuter-Gerda überregional bekannt ist, liegt zwischen Otterberg und Baalborn. Kunden kommen also nicht einfach zufällig vorbei. Der Münchschwanderhof wird – auch aus dem Saarland, der Vorderpfalz und Rheinhessen – ganz bewusst angesteuert für den Einkauf von Kräutern, aber auch von Tomaten- und Chili-Pflänzchen. Dort gibt es, was würzt, gut riecht oder einfach schön aussieht, so wie die vielen Salbeisorten. Ist das Gesuchte nicht zu finden, gibt es zumindest ein herzliches Gespräch und sicher einen Ratschlag, was sich stattdessen eignet. Ohne Kraut geht kaum jemand raus.
„Ich habe schon arg liebe Kunden“, sagt Gerda Marschall. Es ist ihr anzumerken, wie sehr sie ihre Kundschaft schätzt, die teils seit 2005 bei ihr einkauft – also seit sie die Gärtnerei gegründet hat. Anfangs hat sie ihre grüne Ware auf Wochenmärkten in Neustadt und Rockenhausen angeboten. Dann hat sie ihren Stand immer öfter auf Bauernmärkten oder sonstigen Märkten, die überall im Land Schönes, Gutes und Besonderes anbieten, aufgeschlagen. Das hat sie bekannt gemacht. Wegen der Corona-Pandemie war allerdings schlagartig Schluss.
Seit der Pandemie kommen die Kunden zum Hof
„Bei mir war alles voll“, erinnert sie sich an diese ziemlich düstere Zeit, die ihre Existenz bedroht hat. Aber sie wäre nicht die Kräuter-Gerda, wenn sie nicht einen Schritt nach vorne marschiert wäre. Sie öffnete ihre Gärtnerei über die Saison täglich. Ihre Kunden kamen zu ihr, brachten auch noch andere mit.
„Das haben wir beibehalten“, erzählt sie. Nur auf dem Frühlingsmarkt in Otterberg ist sie noch mit einem Stand zu finden, ansonsten ist sie daheim für die Kunden da. Montags ist die Gärtnerei geschlossen. „Das ist mein Produktionstag“, erzählt Gerda Marschall. Bei all den unterschiedlichen Arten, die sie aus Samen oder Stecklingen vermehrt, sei es schon wichtig, konzentriert dranbleiben zu können – was nicht geht, wenn Kundschaft da ist, der sie sich ja widmen will.
Auf ihren Pflanztischen sieht es ziemlich bunt aus. Da steht kaum eine Art Seite an Seite stramm durch das Gewächshaus hindurch. „Ich liebe die Vielfalt!“ Der Satz von Gerda Marschall gewinnt an Bedeutung, wenn sie erklärt, wie sie arbeitet. Immer nur sieben einer Art – ob nun bunter Salbei, Duftgeranien, Rosmarin, Süßkraut oder Umcaloabo – kommen in eine Reihe auf den Pflanztisch. Daneben darf etwas anderes wachsen. Natürlich hat sie von den allermeisten Arten mehr als sieben Pflänzchen, die sind aber bunt in der Gärtnerei verteilt.
Nützlinge erledigen den Pflanzenschutz
Thymian mag sie besonders. 35 exotische Sorten, alle über Stecklinge gezogen, hat sie im Angebot. Rosmarin ist ihr Favorit in der Küche, der landet sogar im Weihnachtsgebäck. „Heidesand mit Rosmarin, das hat was“, sagte sie. Da lacht sie wieder, die Kräuter-Gerda, die offen auch ihre Schwäche zugibt – und die heißt Basilikum. Immer wieder hat sie auch Basilikum vermehrt. Der ist gewachsen, stand prächtig da, und viel zu oft schlug der falsche Mehltau zu. Die Gärtnerin kennt den Grund, sie hätte das Gewächshaus auf 25 Grad hoch und das Basilikum trocken heizen müssen. „Das ist nicht im Sinne der Umwelt“, sagt sie nüchtern und kauft nun eben Bioware zu.
Der Vater bestellt das erste Gewächshaus
Das Gelände, auf dem heute vier Gewächshäuser, ein Unterstand, ein Gartenabschnitt und viele Pflanztische stehen, gehörte ihrem Vater, der es landwirtschaftlich nutzte. Am Eingang steht ihr Elternhaus. Ihr inzwischen verstorbener Vater spürte, dass seine Gerda, eine gelernte Zierpflanzengärtnerin, sich gerne selbstständig machen würde. Und er empfahl ihr, es doch daheim zu versuchen.
„Mein Vater hat sogar, ohne dass ich es wusste, das erste Gewächshaus bestellt“, blickt Gerda Marschall auf die Anfänge der Selbstständigkeit zurück. „Es ist wirklich meins, auch wenn ich die Stunden nicht zählen darf“, sagt sie über ihren Betrieb. Sie fühlt sich zwischen all den kleinen und auch ein bisschen größeren Pflanzen absolut wohl, genießt die Unterstützung ihres Mannes Matthias und die Freiheit, selbst entscheiden zu können, was sie aussät, vermehrt, pflanzt. In der Saison stehen ihr wenige Aushilfen und ganz viele tierische Helfer zur Seite. Den Pflanzenschutz erledigen bei ihr alleine die Nützlinge, die sie gezielt in den Gewächshäusern einsetzt.
Info
www.kraeuter-gerda.de