Ramstein-Miesenbach
Imker präsentieren sich bei Honigschlecker-Tag-Premiere
Es passt alles zusammen. Das Wetter ist herrlich, der Brunnen auf dem Neuen Marktplatz in Ramsteins Stadtzentrum erfrischt allein durch sein Sprudeln, an den aufgebauten Ständen kommen die Imkerinnen und Imker mit den Besuchern ins Gespräch. Gerne wird das Angebot angenommen, mal von diesem, mal von jenem Honig zu probieren. Schlecken – einfach ein Muss am ersten Honigschlecker-Tag, den der Imkerverein Landstuhl und Umgebung hier auf die Beine gestellt hat.
Am Stand von Imker Achim Scherne aus Kottweiler sieht es in einigen der Honiggläser ein bisschen anders aus. Neben den hellen und auch dunkleren Honigen, manche eher flüssig, andere eher cremig, bietet der Bienenzüchter auch Honig in Naturwaben an. In einigen seiner Gläser stecken Wabenstücke samt dem süßen Brotaufstrich, genauso wie die Bienen es gefertigt haben. „Da ist neben Honig auch Bienenwachs und teils Pollen drin“, erklärt Scherne, dass es Menschen gebe, die aus Überzeugung nur Wabenhonig essen und das vom Imker geschleuderte Produkt dafür stehen lassen.
Mit Zimt verfeinert
Auch bei Jörg Winter, Imker aus Kottweiler-Schwanden, gibt es Besonderes zu entdecken. „Honig mit Zimt“ steht auf einigen, etwas kleineren Gläsern. Laut Verordnung darf der Inhalt dieser Gläser nicht als Honig bezeichnet werden, also heißt die süße Leckerei „Brotaufstrich“. „Man muss doch mal was ausprobieren“, findet Winter und meint damit sich und die Verbraucher gleich mit.
Ob die Bienen sich wohl ansatzweise vorstellen können – so sie denn eine Vorstellungskraft haben –, was Menschen alles aus ihrem Wachs gestalten können? Bienenwachskerzen in allerlei Formen und Farben sind bekannt, aber eine Madonna mit Gotteskind auf dem Arm aus Bienenwachs geformt? Das ist schon seltener. Genau solche Kunstwerke sind aber am Samstag an einem der Imkerstände zu entdecken.
Ausgefallene Apfelernte
Was es nicht gibt, ist frisch gepresster Apfelsaft des Jahrgangs 2023. Wer den probieren will, der hat das Nachsehen – oder eben den 22er Jahrgang im Glas. Sowohl Simone König, Vorsitzende der Naturschutzgruppe Moorklee, als auch Alois Urschel, Vorsitzender im Obst- und Gartenbauverein (OGV) Kottweiler-Schwanden, und Lothar Urschel, Vorsitzender im OGV Miesenbach, berichten von einer quasi ausgefallenen Apfelernte auf den Streuobstwiesen der Region. „In der Blütezeit war es zu kalt und zu nass“, fasst Alois Urschel die Gründe zusammen. Die Kälte hätte die Bienen am Fliegen gehindert und mit dem Regen seien zudem noch die Blüten ausgewaschen worden. Ein paar kleine „Klicker“ hätten die Bäume zustande gebracht, mehr nicht. Den Bienen freilich gibt er ganz und gar keine Schuld. Das sei vielmehr Natur.
Ganz viel Natur erlebt der erst zwölfjährige Imker Linus Geib aus Steinwenden, der immerhin schon fünf Bienenvölker betreut. Mit neun hat die Liebe zur Imkerei bei ihm angefangen. „Der Nachbar hat mich mit zu seinen Bienen genommen“, erzählt der junge Imker voller Stolz davon, dass er in diesem Jahr gut 60 Kilogramm Honig geerntet hat, verteilt auf Rapshonig, Frühtracht- und Sommertrachthonig.
Den Geschmackssinn schulen
„Linus hat den Honigsachkundelehrgang durchgezogen und bestanden“, zeigt sich Eckhard Richter, Vorsitzender im Imkerverein Landstuhl und Umgebung, begeistert über den doch recht jungen Bienenfreund, der sich nahtlos in den Verein mit 104 Imkerinnen und Imker einreiht.
Der Verein ist laut Richter rührig, trifft sich einmal monatlich zum Stammtisch, um Probleme zu erörtern oder um die Imker in der Honiganalyse zu schulen. Letzteres bedeutet, die Imker lernen, sich den geschmacklichen Feinheiten der einzelnen Honigsorten hinzugeben und die dahinterstehende Pflanzenwelt herauszuschmecken. Da ist dann auch ganz viel Honigschlecken angesagt.