Kreis Kaiserslautern Im Namen der Mundart nach Brasilien

Im Namen der Mundart nach Südamerika: Die „Pälzer Komödie“ Landstuhl geht in Brasilien auf Tournee. Überall dort, wo Pfälzer Emigranten im 19. Jahrhundert ihre Zelte aufgeschlagen haben – und noch heute so reden, wie ihnen der heimatliche Schnabel gewachsen ist.
Die Sekretärin rauft sich die Haare. Das Durcheinander auf dem Schreibtisch macht sie verrückt. Aber Aufräumen ist verboten. Anordnung vom Chef. Dessen Sohn hat gerade andere Sorgen. „Die Ännerunge vun meiner Maschterarweit missen abgetippt werre un es pressiert. Kannsch du net…“ Ein schneller Blick aufs Rollenskript, weiter geht’s im Text. Der muss bis zum 20. Oktober sitzen, denn dann hebt der Flieger Richtung Brasilien ab. Für zwölf Tage wird eine fünfköpfige Truppe der „Pälzer Komödie“ einer Einladung nach Brasilien folgen, um dort das Stück „Geld stinkt net“ aufzuführen. Gespielt wird auf Pfälzisch und vor Zuschauern, die den Dialekt nicht nur verstehen, sondern auch selbst noch sprechen. Wenn auch nach Art der Altvorderen. Den Kontakt zu den acht Aufführungsorten hat Theo Pfleger hergestellt. Der Relsberger wandelt bereit seit vielen Jahren im Süden Brasiliens auf den Spuren heimischer Auswanderer und setzt sich für den gegenseitigen Kulturaustausch ein. „Leider ist eine Inszenierung aus unserem Programm nicht in Frage gekommen. Die Größe des Ensembles würde den finanziellen Rahmen sprengen. Außerdem muss die Kulisse möglichst spartanisch sein, um auf jede Bühne zu passen“, erklärt Walter Potdevin. Und so fiel die Wahl auf ein Stück, das mit nur fünf Schauspielern und wenigen Requisiten auskommt. Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine Seilerei. Da der Familienbetrieb gut läuft, möchte der Vater, gespielt von Markus Monnerjahn, sich eine Auszeit gönnen und für ein Jahr auf Reisen gehen. Währenddessen soll sein Sohn (Philipp Prechtel), unterstützt von der patenten Sekretärin (Eva Muschelnautz), die Geschäfte führen. Doch dann reiht sich ein Unglück an das andere, und die Pechsträhne will partout nicht abreißen. Als das Unternehmen kurz vor dem Aus steht, taucht wie aus dem Nichts der Graf Pecunius non olet (Daniel Fensel) auf und bietet einen Deal an: Die Rettung des Betriebs gegen die Seele des Vaters. Aber der satanische Unterhändler hat die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht. Ein Engel namens Frau Hüter (Georgia Böhmer) versucht, die teuflischen Machenschaften zu durchkreuzen. Allerdings nicht ohne Zwischenfälle ... „Mit dem Stoff greifen wir die aktuelle Thematik der Heuschrecken auf, die sich mit miesen Tricks Unternehmen einverleiben“, erklärt Regisseurin Iris Beyer. „So ist auch dem Grafen, dessen Name sich übrigens an dem Titel des Original-Stücks „Pecunia non olet“ anlehnt, jede Einschüchterungsmethode recht. Er wirft mit ,denglischen’ Ausdrücken nur so um sich.“ Das brasilianische Publikum werde auf jeden Fall verstehen, worum es geht, auch wenn ihm wahrscheinlich nicht alle Begriffe geläufig seien. „Weil in vielen Auswanderergemeinden die Zeit stehen geblieben ist“, weiß Theo Pfleger, „vor allem auf dem Land leben die Menschen noch wie anno dazumal.“ Weit weg von Deutschland und der hiesigen Sprachentwicklung habe sich ihr Dialekt seit dem Zeitpunkt der Emigration nicht verändert. „Bauchweh heißt dort immer noch Pansweh, ein Flugzeug ist ein Luftschiff und Verlangere steht für Sehnsucht. Wie bei uns ist der Dialekt auch dort nicht ganz einheitlich, je nach Region hat er andere Klangfärbung.“ Um dem Rechnung zu tragen, „gehen wir dieses Mal einen neuen Weg“, so Potdevin. „Jeder Spieler schreibt seine Rolle selbst in Pfälzische um, so kommt es zu den unterschiedlichsten Dialektnuancen.“ Ein weiteres Zugeständnis an die brasilianischen Pfälzer ist der weitgehende Verzicht auf moderne Formulierungen. Wie das Stück wohl ankommt, ist unter den Schauspielern Thema Nummer eins. Sie sehen den Auftritten in den unterschiedlichen Orten ebenso gespannt entgegen wie den Familien, in denen sie zu Gast sein werden. Doch bis dahin heißt es noch: Proben, was das Zeug hält.