Kreis Kaiserslautern Im „Luftschiff“ nach Übersee

Placeholder-Image

Unvergessliche Eindrücke von Land und Leuten haben die fünf Akteure der „Pälzer Komödie“ Landstuhl auf ihrer zweiwöchigen Brasilientournee gesammelt. Bei acht Vorstellungen des Stückes „Geld stinkt net“ auf Pfälzisch brachten sie im Bundesstaat Rio Grade do Sul den Nachfahren pfälzischer Auswanderer ein Stück Heimat nach Südamerika. Und sie selbst erlebten manches Abenteuer, erzählen die Fünf nach ihrer Rückkehr.

Georgia Böhmer schüttelt sich noch immer bei der Erinnerung an die Begegnung mit einer frühstückstellergroßen Vogelspinne. „Wir waren im Auto und das Vieh saß auf der Straße.“ Zudem gab es Ochsenfrösche, „die mit ihren Glubschaugen an Monster erinnerten und nachts zu einem Konzert anhoben“. Die Begegnungen mit den Menschen fielen da weit positiver aus: „Die sind so gastfreundlich. Das kennt man hier in Deutschland gar nicht“, schwärmt die Truppe unisono. „Und die Landschaft ist traumhaft schön.“ Abenteuerlich waren teils auch die Bedingungen, unter denen sie ihre Komödie aufführten. Zum Beispiel in einer meterhohen Halle mit Blechdach, die jede Akustik schluckte, oder auf einer Bühne aus zusammengerückten Tischen mit einer Beleuchtung aus umfunktionierten Straßenlaternen. „Wir könnten jetzt auf jedem Parkplatz Shakespeare spielen“, scherzt Markus Monnerjahn. Er und seine Mitstreiter hatten noch im Flugzeug das Textbuch auf dem Schoß. „Das Stück wurde mit heißer Nadel gestrickt“, erzählt Regisseurin Iris Beyer, die selbst aus privaten Gründen die Tournee nicht begleiten konnte, aber wie Walter Potdevin, Kopf der Theatergruppe, regelmäßig via E-Mail in Kontakt mit den Akteuren stand. Die haben nach ihrem 30-stündigen Rückflug viel zu erzählen. Ungewohnt war beispielsweise nicht nur der Zungenschlag der Auswanderer. „Wir mussten uns erst mal reinhören, aber dann haben wir die Leute verstanden“, sagt Böhmer. Schließlich sprechen die Brasilianer mit pfälzischen Wurzeln den Dialekt, den sie vor rund 150 Jahren nach Südamerika importiert haben. Die Frage „Hängen wir den ,Lumbe’ noch auf?“ meint beispielsweise keineswegs abwertend den Theatervorhang. „Luftschiff“, „Schbitzbu“ und „Karre“, gemeint sind „Flugzeug“, „Krimineller“ und „Auto“, sind weitere sprachliche Relikte, die die Auswanderernachfahren im Alltag gebrauchen. Umgekehrt hatte auch das Publikum seine Verständnisprobleme. „Damit die Leute besser mitkommen, haben wir langsamer gesprochen, die Sätze verkürzt und verstärkt auf Gestik und Mimik gesetzt“, erzählen die Schauspieler. „Die Menschen dort wollen Slapstick und Comedy. Sie möchten lachen“, sagt Monnerjahn. Überall sei die Truppe mit offenen Armen empfangen worden. Wir waren die Sensation.“ Untergebracht waren die Pfälzer in Gastfamilien. Organisiert hatte den Austausch Theo Pfleger, der Kontakte in die Region unterhält und nun erstmals eine Theatergruppe nach Übersee gebracht hat. Unterstützt wurden die Darsteller aus der Pfalz von dem Komödianten und in der Region bekannten Fernsehstar Carlos Albert Klein, der sie auf ihrer Rundreise begleitete. Neben den Auftritten an acht Abenden blieb trotz der Fahrten zu den Veranstaltungsorten noch Zeit für Besichtigungen der „Hunsrück-Bierbrauerei“ oder der „Weber-Haus-Schnapsbrennerei“, für Empfänge bei Stadtoberhäuptern, Pressetermine, für den Besuch eines Oktoberfestes und für eine Auszeit zwischen Palmen am Strand mit einem Sonnenbad bei 35 Grad. Dabei stieß die Gruppe überall auf Pfälzer Kultur und Lebensart, sei es in Form von Namen, Musik oder Traditionen. „Die Leute sind sehr interessiert an Deutschland und glorifizieren es“, berichtet Eva Muschelknautz. Beim Abschied wurden E-Mail-Adressen ausgetauscht, um den Kontakt zu den „Pfälzern“ in Brasilien zu halten. Würden die Spieler noch mal hinfliegen? Darauf kommt als Antwort wie aus der Pistole geschossen die Gegenfrage. „Wann geht der Flieger?“

x