Kreis Kaiserslautern „Ich bin diesem Ruf gefolgt“

Reist auch gerne in ihrer Wahlheimat Neuseeland: Silke Noll.
Reist auch gerne in ihrer Wahlheimat Neuseeland: Silke Noll.

«Weilerbach/Wellington.» Silke Noll ist zertifizierte interkulturelle Trainerin, Autorin und Neuseeland-Expertin. Die gebürtige Weilerbacherin, die in Neuseelands Hauptstadt Wellington wohnt, stellt am Freitag ihr neues Buch in ihrer alten Heimat vor. Mit unserer Mitarbeiterin Monika Klein hat sich die 42-jährige Weltreisende über Begriffe wie Kultur, Werte und Heimat unterhalten.

Wo erwische ich Sie denn, Frau Noll?

Gerade bin ich in Nürnberg. Und was machen Sie dort? Das ist sehr spezifisch. Ich bin als „Scrum Master“ und „Agile Coach“ für ein Unternehmen tätig. Dabei geht es unter anderem um die Beeinflussung von Unternehmenskulturen, die motivierender für Teams und Arbeitnehmer sind als herkömmliche mit hierarchischen Strukturen. Ich kann dabei meine Fähigkeiten aus interkulturellen Trainings einfließen lassen. Wie sind Sie denn zertifizierte interkulturelle Trainerin geworden? Ich habe eine halbjährige Ausbildung 2012 bei den Carl Duisberg Centren in Köln gemacht. Was steckt dahinter? Viele Leute können sich darunter gar nicht so viel vorstellen. Die Trainings vermitteln Kulturen in ihrer Tiefe bis auf Werteebene. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, was ihre und andere länderspezifische Werte sind. Mir liegt am Herzen, ein Gefühl dafür zu vermitteln. Meine Vision und Mission ist es, das interkulturelle Bewusstsein nicht nur bei Leuten zu stärken, die international unterwegs sind. Das kann auch im beruflichen Alltag oder im Privaten tatsächlich helfen. Das Reisen ist ja Ihre Leidenschaft. Ja, ich glaube, ich habe immer nach meinem Platz in dieser Welt gesucht. Seit ich in Neuseeland bin, das ist ganz witzig, habe ich gar nicht mehr so den Drang zu reisen, weil ich dort einfach angekommen bin. Innerhalb Neuseelands reise ich total gerne, gerade an den Wochenenden mit dem Campervan. Ich reise auch noch gerne in andere Länder, aber ich freue mich immer, wenn ich zurückkomme. Ansonsten reise ich lieber zu Leuten als in Länder. Sind Sie vor dem Winter in Neuseeland geflüchtet, um hier im Hochsommer zu landen? Das ist ein angenehmer Nebeneffekt (lacht). Ich bin seit 2016 jedes Jahr von Mai bis September in Deutschland und bereise in dieser Zeit ganz Europa, um meine Freunde und die Familie zu sehen. Wo ist Ihre Heimat? Neuseeland ist meine Wahlheimat, meine eigentliche Heimat ist die Pfalz. In Hamburg zum Beispiel fühle ich mich auch unheimlich wohl. Das ist meine Wahlheimat in Deutschland. Was war entscheidend dafür, dass Sie nach Neuseeland gezogen sind? Indirekt hat mich der Wassersport dorthin gebracht. Ich habe mich aber am Anfang nicht sofort in Neuseeland verliebt. Ich dachte, dass es schön ist und ähnlich westlich wie bei uns. Es ist ein sehr sicheres Land, und es gibt schöne Landschaften. Es ist einfach, dort zu reisen. Als ich wieder in Deutschland war, habe ich gemerkt, dass mich irgendetwas wieder hingezogen hat. Ich bin diesem Ruf gefolgt und immer wieder hingereist. Ich habe langsam angefangen, mir den Arbeitsmarkt anzugucken, und irgendwann hat es geklappt. Innerhalb dieses Prozesses, der über mehrere Jahre ging, war mir klar, dass ich tatsächlich dorthin wollte, sonst hätte ich wohl vorher aufgegeben, weil es gar nicht so leicht ist. Neuseeland ist es geworden, weil meine persönlichen Werte und die Werte, die dort gelebt werden, sich sehr überschneiden. Was sind Ihre persönlichen Werte? Ein deutscher Wert, den ich beibehalten habe, ist Umweltbewusstsein. In Neuseeland gibt es zwar kontroverse Stimmen und im internationalen Vergleich sind sie recht weit vorne, nur nicht so weit wie Deutschland. Gefühlt jeder macht in seiner Freizeit etwas in der Natur, beispielsweise Sport oder sich seinen Fisch fürs Abendessen fangen. Das ist typisch für die Neuseeländer. Das Wort Work-Life-Balance verwendet man dort gar nicht, man lebt es einfach. Ist es für Sie ein Kulturschock, nach Deutschland zu kommen? Nein, nicht mehr. Aber ich merke durch den Blick von außen, was sich von Jahr zu Jahr verändert. Was fällt Ihnen da auf? Zum Beispiel, dass man es in Hamburg-Altona unheimlich gut hinbekommen hat, die Leute aus allen möglichen Herkunftsländern zu integrieren. Ich merke auch, dass es in anderen Städten nicht so gut gelungen ist. Das ist recht interessant zu sehen. Es gibt ja auch verschiedene Kulturen innerhalb Deutschlands, wobei ich Kultur im interkulturellen Sinne nicht nur auf Länder, sondern auch auf Unternehmen oder Regionen beziehe. Wenn ich also vom Süden Deutschlands spreche, sollte ich korrekterweise noch einmal differenzieren zwischen Pfalz, Bayern oder Franken. Apropos Pfalz, mögen Sie Leberknödel, Bratwürstchen und Saumagen? Ja, auf jeden Fall. Ich kann auch noch pälzisch redde (lacht). Letztens hat mein Vater angerufen, als ich auf der Arbeit war, und als ich das Telefonat beendet hatte, meinten alle: „Okay und jetzt mal auf Deutsch.“ Termin Lesung mit Silke Noll am Freitag, 17. August, 19 Uhr, in der Buchhandlung „Der bunte Hund“ in Weilerbach aus ihrem Buch „Wahlheimat Neuseeland“, Platzreservierung unter Telefon 06374/805595

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