Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Hunger treibt Wildschweine an den Straßenrand

Wenn sie im Wald nicht ausreichend Futter finden, graben Wildschweine gerne auch Straßenränder auf der Suche nach etwas Essbarem
Wenn sie im Wald nicht ausreichend Futter finden, graben Wildschweine gerne auch Straßenränder auf der Suche nach etwas Essbarem um.

Der Pfälzerwald scheint in diesem Winter viel zu klein für die Wildschweine zu sein. Überall zeigen massiv umgepflügte Straßenränder: Die Wutzen waren da und haben auf der Suche nach Futter ganze Arbeit geleistet. Was aber treibt diese perfekten Wühler raus aus dem Wald?

Wildschweine sehen von Natur aus schlecht. Das ist aber wohl nicht der Grund, warum sie außerhalb des Waldes nach Nahrung suchen. Gut, sie besitzen einen hervorragenden Geruchssinn und lassen sich womöglich von den Düften der metertief verborgenen Adlerfarnrhizome anlocken. Dabei nehmen sie auch gleich Engerlinge und weiteres leckeres tierisches Eiweiß genüsslich mit ins starke Maul. Der Hauptgrund für die regelrechten Kraterlandschaften, die sich rechts und links der Straßen gerade zeigen, ist das jedoch nicht.

Viel Wildschweinnachwuchs

„Hier zeigen sich die Auswirkungen der Mast 2019“, erläutert Burkhard Steckel, Forstamtsleiter Johanniskreuz, einen Teil des Phänomens. Im Jahr 2019 hatten sowohl die Eichen als auch die Buchen enorme Mengen an Früchten hervorgebracht. Auch 2020 gab es erneut reichlich Eicheln und Buchecker. Nun zieht bekanntlich Futter im Überfluss im Tiersektor in der Regel eine hohe Reproduktionsrate nach sich. Folglich gab es dank der Mast viel Wildschweinnachwuchs.

Das Problem, zumindest aus der Sicht der wilden Wühler, kam dann mit dem Ausbleiben der Mast im Herbst 2021. Futter war nur noch dürftig bis gar nicht mehr vorhanden. „Was wir sehen, ist ein Bild des Jammers“, berichtet Steckel von vielen schwachen und unterernährten Tieren. Das sei aber nur das Bild der Sauen im Wald, stellt Steckel gleich klar. Wo immer die ursprünglichen Waldbewohner eine Möglichkeit haben, marschieren sie raus aus dem Wald und rein in die Felder oder sie suchen die teils nahrhaften Städte auf und zeigen sich wohlgenährt. Sauen, die im Inneren des Pfälzerwaldes leben, bleibt bei einem leergefressenen Wald allerdings nur die Futtersuche am Straßenrand. Und das ist derzeit wirklich nicht zu übersehen.

Futterangebot reguliert das Vorkommen

Das Futterangebot reguliert von jeher das Vorkommen der Sauen. „Im Frühjahr werden sicherlich weniger Frischlinge kommen“, meint Steckel. Zum einen bekomme eine nicht gut ernährte Sau weniger Nachwuchs und zum anderen steigen wohl nur die mehrjährigen Sauen in die Produktion ein. „Frischlinge, die das ganze Jahr aus dem Vollen schöpfen und bis Ende des Jahres gut genährt sind, die werfen durchaus auch schon mal selbst wieder“, sieht Steckel das diesmal wohl so nicht gegeben. Das werde sicher dafür sorgen, dass es erst einmal weniger Schwarzwild gibt.

Trotzdem: Die Sauen, die durch den Klimawandel immer öfter mit einer Mast versorgt werden und schon lange keine natürlichen Feinde mehr haben, werden den Wald wohl auch weiterhin in einer recht großen Stückzahl bevölkern – was mit Blick auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) auf jeden Fall zu viel sein wird. Die Jäger haben in dieser Jagdsaison deshalb wieder viele Stunden auf der Sauenjagd verbracht. Mit 580 Sauen wurden im Einzugsbereich des Forstamtes Johanniskreuz jetzt schon mehr Tiere erlegt als im vorigen Jagdjahr (402). Das Jagdjahr endet erst Ende März.

Sauenjagd läuft auf Hochtouren

Die Sauenjagd läuft seit Jahren auf Hochtouren, auch weil mit der Afrikanischen Schweinepest seit vielen Jahren eine Tierseuche droht. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich, kann aber Hausschweine befallen. Sie wird von Tier zu Tier übertragen, wobei der Erreger vor allem mit dem Menschen (Kleidung, Auto, Lebensmittel) über weite Strecken wandert. Im September 2020 ist die Seuche erstmals bei einem Wildschwein im Osten von Deutschland aufgetreten. Im Juli 2021 waren in Brandenburg und im November 2021 in Mecklenburg-Vorpommern erstmals Hausschweine betroffen.

x