Ramstein-Miesenbach Hospizverein: Musikalische Lesung zum Jubiläum

Viele Besucher verfolgten die Lesung im Congress Center Ramstein.
Viele Besucher verfolgten die Lesung im Congress Center Ramstein.

Das 25. Jubiläum des Hospizvereins für Stadt und Landkreis Kaiserslautern war der Anlass für eine musikalische Lesung am Dienstag in der gut besuchten Lounge des Congress Centers Ramstein (CCR). Titel: „Der alternative Leichenimbs“.

In einem überdimensionierten Wandplakat erfuhr man wesentliche Ziele und Aufgaben des Hospizvereins. Geschäftsführerin Franziska Emrich leitete zur musikalischen Lesung des saarländischen Gastes, Michael Geib, über. Vielleicht mutete der gewagte, aber gelungene Einstieg mit dem Thema Leichenschmaus wie schwarzer Humor etwas pietätlos an, doch Emrich machte bewusst, dass dahinter kulturgeschichtliche Wurzeln stecken. Lange Anfahrtswege zur Trauerfeier und gemeinsame Stärkung für den Heimweg ebenso wie die ausgiebige gesellige Würdigung des Verstorbenen waren dokumentierte Bestandteile einer ehemals ritualisierten, sich dann wandelnden Trauerfeier. Dies nutzte Geib, um seine gefundenen Verordnungen „aufzutischen“, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen.

Kuriose Richtlinien

Diese heute kurios anmutenden Richtlinien sollten Exzesse und Auswüchse begrenzen. Mit dem Verlesen einiger dieser Richtlinien faszinierte Geib das Publikum. Es folgten Sitz- und Tischordnungen. Das alles leitete aber zum eigentlichen Leitthema der musikalischen Lesung über. Der saarländische Mundartdichter Geib zog mit Blockflöte, Knopfakkordeon, Gitarre und Gesang alle Register, um das Hauptthema anzugehen: nostalgische kulinarische Kostbarkeiten aus Küche und Keller! Die Wandtafeln mit etwas in Vergessenheit geratenen Gerichten wie Hoorische, Dibbelabbes oder Gefillde sowie Majoran-Grumbeere waren Auszüge aus Omas oder Uromas alltäglicher Speisekarte.

Geib schürfte tief, um Rezepte und frühere Leibspeisen „aufzutischen“, um in Vers und Reim eine Ode auf Götterspeisen und Bauernschmaus anzustimmen oder biedere Hausmannskost zu beschreiben. In Dichtern wie Joachim Ringelnatz und Hoffmann von Fallersleben, Mundartdichtern wie Eugen Damm oder Aphoristikern wie Heinz Erhardt sowie Bertolt Brecht als Lyriker fand er Schützenhilfe und Stoff für seine sehr unterhaltende Mischung aus Kunst, Klamauk, Mitmachprogramm und gewitztem Vortrag.

Der Blick ins Glas

Wer sich so genüsslich diesen früheren Leibgerichten widmet, der landet fast zwangsläufig auch bei anderen Genüssen, schaut vielleicht zu tief ins Glas. Geib hatte auch dafür passende Oden, Hymnen und Limericks parat: etwa Brechts minimalistische Umdeutung: „Eins, zwei, drei, vier – Vater braucht ein Bier. Vier, drei, zwei, eins – Mutter braucht keins.“

Das kurzweilige Programm war weit mehr als nur kunterbunte Unterhaltung zu leiblichen Genüssen nach dem Thema Totenmahl. Dahinter steckte eine geschickt verpackte Kulturgeschichte von Tischsitten, Gebräuchen und Ritualen, Essgewohnheiten. Alles ergab zudem ein Kapitel der Ernährungslehre, bei der Geib zu den Wurzeln unserer Grundversorgung zurückkehrte. Dabei kam er von der Scholle zur Knolle (Kartoffel) und zum Getreide. Geib machte aber auch eindringlich bewusst, dass es nicht nur Zeiten des Wohlstands und der Schlemmerei gab. Die Kriege brachten Hungersnöte und Plagen mit sich.

Keinesfalls wirkte diese Lehrstunde dozierend, akademisch oder trocken. Es gab viele begleitende Kostproben aus historischen Liedern zu diesen Themenfeldern. Der vielseitige Entertainer war gut bei Stimme, spielte gekonnt die genannten Instrumente, zog mit Charme und gewinnender Ausstrahlung das Publikum auf seine Seite und animierte zum Mitmachen.

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