Kreis Kaiserslautern Holz und Sonne im Mittelpunkt
Zu elften Mal fand am Wochenende die „Fachmesse Zukunftsenergie“ am Johanniskreuz statt. Geht es nach der Anzahl sowohl der Aussteller als auch der Besucher, dann macht der jahrelange Boom bei Energie aus Sonne, Wind und Biomasse bei den privaten Nutzern zur Zeit eine Pause.
Grauer Himmel, knapp fünf Grad über Null, zeitweise leichter Nieselregen – es herrscht Kalte-Füße-Wetter an diesem Samstag in der Westpfalz. Abhilfe schaffen könnte da zum Beispiel Clemens Götting. Der Mitarbeiter eines Kaiserslauterer Ofenbau-Unternehmens bietet einen Kaminofen an, „mit besonders hohem Wirkungsgrad durch Holzgas-Technik. Da reichen ein paar Scheite, und das ganze Haus wird schön warm“, erläutert er. Doch das Interesse an dieser wegweisenden Innovation hält sich am frühen Samstagnachmittag im überschaubaren Rahmen. Vielleicht zwei Dutzend Besucher verlieren sich auf dem weiten Platz neben dem Haus der Nachhaltigkeit, wo gerade die elfte „Fachmesse Zukunftsenergie“ begonnen hat. Genau 50 Aussteller, vom regionalen Handwerksbetrieb bis zum international agierenden Konzern, haben für zwei Tage ihre Stände und Demonstrationsanlagen im Herzen des Pfälzer Waldes aufgebaut. Ergänzt wird das Angebot der Unternehmen durch die Kompetenz öffentlicher Institutionen. An erster Stelle natürlich die Landesforsten, die mit dem Haus der Nachhaltigkeit ja praktisch den Hausherrn stellen. Dazu gesellen sich die Energieagentur Rheinland-Pfalz, ein politisches Ziehkind der Grünen, und die Verbraucherzentrale, die sich in den vergangenen Jahren auch zu einer Instanz in Sachen Gebäudesanierung und Energie-Effizienz entwickelt hat. Alle drei Institutionen haben ihre Experten zu Fachvorträgen ans Johanniskreuz geschickt. Im Mittelpunkt einer nachhaltigen Energieversorgung steht, wie könnte es im Pfälzerwald anders sein, das gute alte Brennholz. Hier kann Norbert Heidingsfeld von der Zentralstelle der Landesforsten eine gute Nachricht überbringen: Auch in Zukunft wird es genug von dem nachwachsenden Rohstoff für den heimischen Ofen geben. „Die Nachfrage bei Brennholz hat in den letzten zwei Jahren stagniert“, erläutert der Forstwissenschaftler. Das gelte auch für die Festmeterpreise, die inzwischen sogar ein wenig gefallen seien. Allerdings rät der Experte, dass sich die Kunden nicht mehr so stark auf Buchenholz konzentrieren sollten. Denn, so sagt er: „Andere Sorten heizen auch gut und sind oft günstiger.“ Etwas ruhiger als in der Vergangenheit ist es auf der diesjährigen Messe um die Nutzung von Sonne und Wind geworden. Bei der Windkraft liegt die Ursache auf der Hand: Noch immer gibt es sehr wenige Anlagen, die sich für den privaten Verbraucher rentieren. Und bei der Solar-Energie warten viele Kunden auf noch effektivere Anlagen, die von den Herstellern seit einigen Jahren angekündigt werden. Mehr Anbieter als früher werben dagegen für eine Kombination aus Sonnenenergie und Holzheizung: „Damit erreichen wir über das Jahr einen Versorgungsgrad von fast 100 Prozent“, lautet ihr Versprechen. Lieber mehr Holz, lieber mehr Dämmung, oder lieber einen größeren Pufferspeicher? Wer sich etwas länger im großen weißen Ausstellungszelt der Messe aufhält, könnte sich manchmal wie auf einem Oldtimer-Treffen oder einer Briefmarken-Tauschbörse wähnen. Männliche Experten, meist um die 50, tauschen sehr ernsthaft und ausführlich ihre Lebenserfahrungen und Glaubenssätze aus. Da ist es mehr als ein bunter Farbtupfer, dass in diesem Jahr auch das Ada-Lovelace-Projekt mit einem Stand auf der „Fachmesse Zukunftsenergie“ vertreten ist. Studentinnen der Universität Kaiserslautern wollen junge Frauen dafür gewinnen, sich für naturwissenschaftliche Studiengänge zu interessieren. Zu diesem Zweck haben sie kleine Versuchsanordnungen aufgebaut, auch zum Thema Energie. „Jetzt müssen nur noch ein paar Interessentinnen kommen“, hofft die Maschinenbau-Studentin Cigdem Demir. (mibo)