Kreis Kaiserslautern
Hilfe für Igel ist schwer zu finden
Wenn es draußen kalt und ungemütlich wird, ziehen sich die Igel zurück ins Unterholz, ins Gestrüpp oder unter einen Blätterberg und halten Winterschlaf. Ein Muss, sonst überleben sie die für sie nahrungsarmen Wintermonate nicht. Ohne ausreichend Nahrung – also ohne Käfer, Schnecken, Spinnen als Energielieferant – können die Igel ihre eigene Körpertemperatur nicht aufrechterhalten, zumal das Stachelkleid ohnehin ein schlechter Wärmeisolator ist. Also geht es ab in den Winterschlaf. Dort wird der Stoffwechsel samt Körpertemperatur runtergefahren. Allerdings müssen die Igel zuvor ein wenig Reserve angefuttert haben, sonst wird es eng. Gerade bei den Jungigeln ist das Erreichen eines Winterschlafgewichtes von wenigstens 500 Gramm mitunter schwierig. Sind sie leichter, überstehen die den ersten Winterschlaf kaum.
Erfolglose Suche nach Hilfe
Und hier nimmt die Geschichte ihren Lauf: Im Garten von RHEINPFALZ-Leserin Gabriele Träger tummeln sich seit Jahren Igel, die sich dann irgendwann in den Winterschlaf verabschieden. Diesmal ist die Lage anders. Anfang November waren immer noch sieben kleine Igel unterwegs. „Einer den wir gewogen haben, hatte 300 Gramm“, sagt Träger. Sie ist sich bewusst: So können es die kleinen Igel nicht über den Winter schaffen. Träger wollte helfen. Aber: „Meine Bemühungen, diese kleinen Igel für den Winter in professionelle Hände zu geben, sind ohne Erfolg geblieben!“
Anfragen an die Stadtverwaltung, die Kreisverwaltung, die Verbandsgemeindeverwaltung, an verschiedene Tierheime und private Igelstationen sind zunächst verpufft. Zwar gab es Antwort von der Stadt Kaiserslautern sowie vom Tierheim Kaiserslautern, aber nur mit dem Hinweis, sie solle sich an die Wildtierhilfe wenden. Das hatte sie ohnehin schon gemacht und von Karsten Tide erfahren, er dürfe die Igel aus Platzgründen gar nicht aufnehmen und müsse mit einer Anzeige rechnen, wenn er es tut. „Wie unverständlich ist das denn?“, fragt sich Träger.
Probleme mit Veterinäramt
„Das Veterinäramt fordert, dass ich pro Igel einen Käfig von zwei Quadratmeter Größe vorhalte“, bestätigt Tide auf Nachfrage, dass es tatsächlich seit einiger Zeit Probleme mit dem Veterinäramt gebe. Seit acht Jahren kümmere er sich um Wildtiere, unter anderem mit viel Sachverstand auch um Igel. In diesem Jahr habe es Anrufe selbst aus Germersheim und Landau gegeben. „Bei mir wurde die Hilfe für gut 50 Igel in den letzten Wochen nachgefragt“, bedauert Tide, dass die Tiere nun die Leidtragenden sind. Allerdings legt er gleich nach, dass er über sein Netzwerk, bislang alle habe anderweitig vermitteln können.
Auf Nachfrage bei der Kreisverwaltung teilt Pressesprecherin Georgia Matt-Haen zum Sachverhalt mit, dass eine Wildtierauffangstation, eine Erlaubnis nach Paragraf 11 Tierschutzgesetz des zuständigen Veterinäramtes benötigt. Für deren Erteilung seien einige tierschutzrechtliche Voraussetzungen zu erfüllen. Dazu gehöre neben dem Vorhalten der entsprechenden Haltungseinrichtungen für die jeweilige Tierart auch ein Nachweis der Sachkunde. So soll sichergestellt werden, dass der Tierhalter die nötigen Fähigkeiten und Kenntnisse besitzt, um die betreffende Tierart tierschutzgerecht halten zu können.
„Jede Einrichtung, die Tiere aufnehmen möchte, kann selbst entscheiden, für welche Tierarten sie entsprechende Haltungseinrichtungen und sachkundige Pflegepersonen zur Verfügung stellt. Im vorliegenden Fall hat sich Herr Tide selbst entschieden, keine Igel mehr aufnehmen zu wollen“, heißt es dazu weiter in der schriftlichen Antwort der Kreisverwaltung.
Forst und Tierarzt können nicht helfen
Bei Gabriele Träger hat sich mittlerweile auch die Verbandsgemeinde Enkenbach-Alsenborn rückgemeldet und mitgeteilt, dass eine Rücksprache mit dem Forst erfolgt sei, dieser aber auch nicht weiterhelfen könne. Auch ein angefragter Tierarzt konnte nicht helfen.
„Der Igel ist ein Wildtier, das unter Naturschutz steht, aber keiner will ihn haben oder ihm helfen“, hat Gabriele Träger sogar keinen Sinn für das hin und her. „Solange die kleinen Igel kommen, werde ich sie weiterhin füttern. Mehr kann ich allerdings nicht tun“, bedauert sie es außerordentlich, kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht zu haben, um den Igeln das Überleben zu sichern. Sie hofft aber, dass ihre Geschichte an der einen oder andern Stelle zum Nachdenken oder Überdenken der Lage anregt.